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Finanzen | 23.05.2019

Aus IZ21/2019, S. 4

Von Daniel Rohrig

In diesem Artikel:

Sparkassenverband rüttelt am Regionalprinzip

Quelle: Pixabay, Urheber: sheadquarters
Normalerweise dürfen Sparkassen nur Finanzierungen in ihrer Region durchführen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel.

Quelle: Pixabay, Urheber: sheadquarters

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband möchte eine bundesweite Onlinebank. Darüber hinaus soll eine Art Deutschland-Sparkasse entstehen. Viele Institute vor Ort zeigen sich beim Regionalprinzip aber schon jetzt "flexibel".

Das Regionalprinzip ist ein Grundpfeiler der deutschen Sparkassenlandschaft. Geschäfte und Finanzierungen dürfen nur im eigenen Geschäftsgebiet gemacht werden. Doch gerade bei privaten Wohnungsbaukrediten wird der Wettbewerb vor allem von Onlinebanken immer größer. Bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen wächst die Konkurrenz durch Nichtbanken wie beispielsweise BF.direkt oder Agora Invest.

Dabei können sich die Zahlen des Sparkassenverbunds sehen lassen. 5,4% mehr Baufinanzierungen haben die öffentlich-rechtlichen Institute 2018 zugesagt, insgesamt 50,3 Mrd. Euro. Auch das Neugeschäft bei Unternehmenskrediten wuchs laut Deutschem Sparkassen- und Giroverband (DSGV) um 21,8 Mrd. Euro auf 419,7 Mrd. Euro. Die guten Zahlen hinderten Verbandspräsident Hartmut Schleweis allerdings nicht daran, seine Reformgedanken auf dem 26. Deutschen Sparkassentag in Hamburg in die Runde zu werfen: Ihm schwebt eine zentrale bundesweite Sparkassen-Onlinebank vor, um gegen die oft filiallose Konkurrenz bessere Chancen zu haben.

So weit, so nachvollziehbar. Doch eine Onlinebank, die im gesamten Bundesgebiet operiert, widerspräche dem Regionalprinzip der Sparkassen. Und sie stünde möglicherweise in Konkurrenz zu den regional verankerten Sparkassen. Doch daran hat Schleweis gedacht. Er möchte - ebenfalls deutschlandweit - eine Art Supersparkasse installieren, vergleichbar mit der DZ Bank der Genossenschaftsbanken. Das neue Institut solle ohne Beteiligung der Bundesländer auskommen und Dienstleister der Sparkassen sein. Es müsse den regionalen Instituten einen Zugang zum Kapitalmarkt bieten, bei Deals im Ausland sowie im Konsortialgeschäft mit großen Krediten helfen. Gewinnmaximierung soll nicht im Mittelpunkt stehen, lediglich die Eigenkapitalkosten sollen erwirtschaftet werden. "Eine Sparkassen-Zentralbank, von der die Sparkasse nicht nur als Eigentümer, sondern über bessere und günstigere Leistungen als Geschäftspartner profitiert, muss nicht ganz so ertragreich sein wie eine börsennotierte Bank", sagte Schleweis.

Bereits jetzt legen die klassischen Sparkassen ihr Regionalprinzip offenbar flexibel aus. Bei gewerblichen Immobilienfinanzierungsprojekten "gibt es nach unseren Beobachtungen eine Vielzahl von Kooperationen von Sparkassen bei größeren Finanzierungsvorhaben", sagt Cosima Ningelgen vom Ostdeutschen Sparkassenverband. Zahlen solcher Engagements habe sie - wie übrigens auch alle anderen Sparkassenverbände - nicht. Eine Konkurrenzsituation oder einen Widerspruch zum Regionalprinzip sieht Ningelgen nicht: "Die Ausnahmen vom Prinzip sind erforderlich, um Risikodiversifikation beispielsweise bei Großprojekten betreiben zu können." Die Regelungen zum Regionalprinzip dürften aufgrund der Onlinekonkurrenz zu keiner wesentlichen Verlängerung des Kreditantragsprozesses führen, erklärt Ningelen. "Daher ist es aus unserer Sicht wichtig, das Regionalprinzip noch marktgerechter zu gestalten, denn Kunden denken nicht in Geschäftsgebietsgrenzen." Bei Konsortialgeschäften komme es auch häufig zu Kooperationen zwischen Privat- und Genossenschaftsbanken. Das bestätigt Frank Schillinger vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen: "Bei der Finanzierung einzelner Projekte arbeitet eine Sparkasse manchmal mit einer Nachbarsparkasse oder der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Form einer Konsortialfinanzierung zusammen." Konkurrenz befürchtet er nicht. Die gebe es nur in Einzelfällen "in bestimmten Regionen des Rhein-Main-Gebiets durch die sich teilweise überschneidenden Geschäftsgebiete".

Anders ist die Situation bei der Hamburger Sparkasse (Haspa). Diese ist wie vier weitere Institute in Deutschland eine Aktiengesellschaft und fühlt sich nicht an das Regionalprinzip gebunden. "Wir beteiligen uns regelmäßig an Immobilienfinanzierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein", sagt Haspa-Sprecher Markus Schoene. Sehr zum Leidwesen offenbar beispielsweise der Sparkasse Holstein. Vorstandschef Thomas Piehl blies vor einigen Monaten zum Gegenangriff. "Wir müssen nicht kleiner werden, wenn die Haspa wachsen will", sagte er dem Hamburger Abendblatt. Immer wieder kommt es im Umland der Hansestadt zu Zank und Streit.

Die Berliner Sparkasse, einst ebenfalls eine AG und heute im Streubesitz der deutschen Sparkassen, möchte sich auf Anfrage nicht konkret zu Geschäften außerhalb des Bundeslands äußern. Marcus Buder, Leiter des Geschäftsbereichs Gewerbliche Immobilienfinanzierung, gibt aber zu, dass er bei großen Projekten sehr gerne mit der Berlin Hyp zusammenarbeitet. "Sie ist als Schwestergesellschaft mit Berliner Wurzeln unser bevorzugter Partner." Neben anderen Sparkassen seien aber auch weitere deutsche Landes- und Pfandbriefbanken gut geeignete Partner, denn sie "haben entsprechende interne Strukturen und dank Büros vor Ort auch lokale Marktkenntnis". Im Vergleich zu anderen Sparkassen besonders offen scheint die Berliner Sparkasse bei Immobilien-Konsortialgeschäften zu sein, die sie seit einiger Zeit strategisch ausbaut. "Dadurch können wir das Risiko stärker verteilen und holen zugleich unterschiedliche Perspektiven ein." Wichtig sei es, dass sich Partner zusammenfänden, die eine ähnliche Interessenlage verfolgten - etwa bei der Risikopolitik.

Nicht zuletzt angesichts dieser pragmatischen Handhabung des Regionalprinzips und der praktizierten Zusammenarbeit sowohl von Sparkassen untereinander als auch mit verschiedenen Privatbanken stellt sich die Frage, ob eine von Schleweis geplante Riesenbank zur Unterstützung der Institute überhaupt sinnvoll ist. Ebenfalls ließ der Verbandschef bislang offen, ob eine deutschlandweite Onlinebank selbst Finanzierungen stemmen soll, was dem Regionalprinzip zuwider liefe, oder ob sie nur Finanzierungen an die lokalen Institute vermittelt.

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