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Unternehmen | 16.05.2019

Aus IZ20/2019, S. 39

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

"Vielleicht sind wir fleißiger als die Vorgänger"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke.
TLG-Immobilien-Vorstand Jürgen Overath lenkt die Geschicke seit Herbst 2018. Er setzt auf Projektentwicklungen und Investitionen ins eigene Portfolio, um das Unternehmen voranzubringen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke.

Blaues Hemd, riesiges Büro, kahle Wände. Der im Herbst 2018 ins Amt berufene Vorstand der TLG Immobilien, Jürgen Overath, sagt freundlich lachend, er habe wirklich anderes zu tun als sein Büro zu schmücken. Außerdem ziehe er eine Etage tiefer. Der Raum sei viel zu groß. Statt Einrichtungsfragen zu klären, muss der 56-Jährige das aus der Treuhandgesellschaft hervorgegangene Unternehmen nämlich in ruhiges Fahrwasser führen.

Immobilien Zeitung: Herr Overath, rund um die TLG gab es viel Streit. Im vergangenen Herbst sind Ihre beiden Vorgänger überraschend "gegangen worden", obwohl die Verträge wenige Monate zuvor bis zum Jahr 2022 verlängert worden waren. Zudem gefällt dem Aufsichtsrat die zunehmende Machtfülle Ihres größten Aktionärs nicht. Amir Dayan, Chef der israelischen Ouram Holding, hält mittlerweile 29,33% der TLG-Aktien. Was war da los?

Jürgen Overath: Der Dissens unserer Vorgänger mit dem Aufsichtsrat wurde öffentlich nicht tiefer kommuniziert, es gab strategische Differenzen.

IZ: Dann sind die alten Vorstände gegangen und Sie und Ihr Kollege Gerald Klinck wurden inthronisiert. Warum? Was sollen Sie besser und anders machen als die beiden?

Overath: Unser Auftrag lautet, verschärft ins eigene Portfolio zu investieren, vermehrt Projektentwicklungen anzugehen und darüber transparent zu kommunizieren.

IZ: Warum?

Overath: Weil zukaufen sehr teuer geworden ist. In Berlin werden wahnsinnig hohe Preise gezahlt. Darum ist es viel wirtschaftlicher, eigene Grundstücke weiterzuentwickeln.

IZ: Und das hätten Ihre Vorgänger nicht gekonnt, wenn man es ihnen gesagt hätte?

Overath: Doch natürlich. Der Unterschied zwischen ihnen und uns ist aber vielleicht: Wir kommunizieren transparenter nach außen. Das ist etwas, was der Kapitalmarkt will. Aber natürlich ist das kein Hexenwerk. Das ist solides Geschäft.

IZ: Also worum geht es dann?

Overath: Wir sind vielleicht fleißiger (lacht). Ich sag das jetzt mal so. Wer fleißig arbeitet, wird belohnt. Und darüber freuen wir uns gerade. Als ich ins Unternehmen eintrat, habe ich mir alle der über 400 Immobilien unseres Portfolios angeschaut …

IZ: Echt? Alle? Physisch?

Overath: 85% physisch, den Rest mit Fotos an der Wand und Reports der Asset-, Portfolio- und Property-Manager.

IZ: Das war wirklich fleißig.

Overath: Da haben wir fünf Tage bis spät in die Abendstunden gesessen. Aber Sie müssen Ihre guten und schlechten Objekte ja kennen, wissen was sie können und was nicht. Das wollen wir in Zukunft übrigens regelmäßig tun. Heraus kam auch: 10% unserer Liegenschaften waren weniger erfolgversprechend.

IZ: Und die werden verkauft?

Overath: Genau. Wir haben noch Häuser im Wert von rund 255 Mio. Euro auf der Verkaufsliste. Aber lieber als zu verkaufen, schaffen wir Neues. In Berlin-Friedrichshain zum Beispiel wird bald ein rund 14.000 m² großes Grundstück entwickelt, auf dem jetzt ein 40 Jahre altes leer stehendes Gebäude steht. Unser Stolz ist aber natürlich der Alexanderplatz. Da haben wir Großes vor. 150.000 m². Das sind über 90.000 m² mehr, als derzeit dort untergebracht sind. Die Massestudie aus dem Berliner Architekturbüro léonwohlhage sieht drei Gebäude, darunter zwei 130 m hohe Türme an der Alexanderstraße 1, 3 und 5, Ecke Karl-Liebknecht-Straße 30 vor. Daraus muss jetzt Architektur werden. Das machen wir mit einem Wettbewerb.

IZ: 150.000 m² Fläche, 1,6 Mrd. Euro Investitionsvolumen, ist das für die TLG nicht eine Nummer zu groß, auch wenn Sie, wie ihr jüngster Geschäftsbericht ausweist, 1 Mrd. Euro Feuerkraft besitzen?

Overath: Denkbar ist, diese Entwicklung nicht allein zu stemmen, sondern einen strategischen Partner mit ins Boot zu nehmen. Das Klumpenrisiko wäre doch sehr groß.

IZ: Es ist lange her, dass die TLG große und größere Gewerbeobjekte ganz allein gebaut hat. Können Sie das noch?

Overath: Jaaa, aber wir lassen uns helfen. In Dresden zum Beispiel errichten wir ein Bürohaus und lassen uns von einem erfahrenen Developer unter die Arme greifen. Das Bauen ist schwieriger, komplexer geworden als vor zehn, 15 Jahren. Denken Sie nur an BIM, und ein mehrstöckiger Bürobau mit 20.000 m² BGF ist was anderes als ein Nahversorger, der vergleichsweise einfach zu erstellen ist. Das machen wir auch jetzt schon regelmäßig. Wir wollen uns mit dem Dresdner Projekt wieder an das Bauen herantasten. Neu lernen, wenn Sie so wollen.

IZ: Grund und Boden sowie Entwicklungsprojekte, des Developers Pfründe: Sind Sie damit ausreichend ausgestattet?

Overath: Ja. Wir haben eineinhalb Mal die Menge vom Alex in unserem Portfolio. Allerdings verteilt auf die kommenden zehn Jahre.

IZ: Was sind das für Immobilien?

Overath: Viele, viele Flachmänner, Nahversorger in bebauten Gegenden mit einem riesigen Parkplatz drumherum. Dummerweise (lacht) sind die aber durch Mietverträge blockiert. Die stellen wir unter Beobachtung, gehen sie an, wenn die Verträge auslaufen. Diese Gebäude könnte man durch einen hochwertigen Gewerbebau ersetzen, die Parkplätze bebauen und die Autos in ein Parkhaus verbannen. Dadurch können wir die Projektentwicklermarge mitnehmen und sparen uns den Preis für das Grundstück.

IZ: Welchen Stellenwert nehmen Zukäufe ein?

Overath: Derzeit haben wir eine Longlist. Da stehen Objekte im Wert von rund 2 Mrd. Euro drauf. Die arbeiten wir - da sind wir wieder beim Thema - fleißig Stück für Stück ab. Ein Drittel der Objekte finden wir interessant. Da bieten wir drauf.

IZ: Wie viele andere auch. Was ist dabei die Kunst in diesem überhitzten Markt?

Overath: Tja. Ich bin seit 30 Jahren im Immobiliengeschäft. Ich habe bei Corpus Sireo montags ge- und freitags verkauft. Das gibt es heute nicht mehr. Was aber funktioniert: Sie bekommen ein Grundstück fünf, sechs, sieben Mal angeboten, von den unterschiedlichen Marktteilnehmern, jede Woche zu einem höheren Preis, und sitzen dann mit dem Eigentümer am Tisch. Und der versteht: So wird das nichts. Und lässt sich auf eine ruhige, sichere, saubere Transaktion ein. Das ist vielen Eigentümern wichtiger geworden als das Gieren nach dem höchsten Preis. Verkäufer, die Wert auf einen extrem schlanken Prozess legen - ohne Due Diligence, ohne Haftung und wo völlig abgedrehte Summen fließen -, da können wir nicht mithalten. Wollen wir aber auch gar nicht.

IZ: Hat die Eingliederung der WCM im Jahr 2017 gut geklappt?

Overath: Ja, durch die WCM sind wir nicht nur auf Berlin fixiert. Wenn Frankfurt weiterhin und auch infolge des Brexits performt, werden wir daran partizipieren.

IZ: Ach. Befürchten Sie, dass die sprichwörtliche Berlin-Party bald mal vorbei ist?

Overath: Ja, vielleicht bei zu großem Frust.

IZ: Frust? Wessen Frust?

Overath: Der Menschen, der Firmen, der Investoren, die nach Berlin kommen und die nicht gut behandelt werden, keine Wohnungen finden, keine Büros finden. Internetunternehmen, die irgendwas programmieren, können hier sitzen oder in Wanne-Eickel. Für Berlin spricht vor allem das hippe Umfeld. Doch die derzeit gute Stimmung darf wegen eben diesem Frust nicht kippen.

IZ: Am 21. Mai, Herr Overath, laden Sie Ihre Aktionäre zur Hauptversammlung (HV) ein. Eine außerordentliche HV, die zeitweilig aufgrund der Querelen zwischen Aufsichtsrat und größtem Eigentümer im Raume stand, ist inzwischen vom Tisch. Was werden Sie für eine Dividende vorschlagen?

Overath: 0,91 Euro pro Aktie. Ich finde das einen sehr respektablen Wert.

IZ: Eine Leistung, die ja zum erheblichen Teil auch auf die Arbeit Ihrer Vorgänger zurückzuführen ist.

Overath: Niclas Karoff und Peter Finkbeiner haben ein gut bestelltes Haus übergeben und ein Portfolio, auf dem sich bestens aufbauen lässt.

IZ: Herr Overath, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Gerda Gericke.

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