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Digitales | 09.05.2019

Aus IZ19/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, Chaos Computer Club (CCC)
  • Personen:
    Wolfgang Niedziella, Linus Neumann

Deutsche Gründlichkeit kann eine gefährliche Illusion sein

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
CCC-Sprecher Linus Neumann ließ kein gutes Haar am deutschen Umgang mit der Digitalisierung.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Die deutsche Tugend des Abwartens, um es dann gründlich zu machen, hält IT-Aktivist Linus Neumann in Digitaldingen für einen Irrweg. Der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) geißelt die Trägheit deutscher Manager und lobt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Bei der dritten Auflage des Dialogs im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt ging es um die Zukunft der Smart City und die Frage, ob die Mischung aus allgegenwärtiger Erhebung von Daten und deren Auswertung durch künstliche Intelligenz nicht dem Missbrauch Tür und Tor öffnet. Linus Neumann, Sprecher des CCC, kritisierte, dass der Begriff Datensicherheit, der den Schutz vor Datenverlust und externen Angriffen meint, in der öffentlichen Debatte immer noch mit dem des Datenschutzes vermischt wird, also dem sensiblen Umgang mit personenbezogenen Daten. Die Menschen fürchteten sich vor einer Technik, die sie nicht verstehen. Doch nicht die Technik sei das Problem, sondern der schludrige Umgang mit ihr. "Theoretisch ist das Thema IT-Sicherheit längst gelöst", stellte Neumann fest, "praktisch gibt es aber kein Computersystem, das fehlerfrei funktioniert - und damit auch kein sicheres."

Den Grund dafür sieht Neumann in mangelnden Investitionen, schlecht geregelten Zugriffsrechten und einer Managementkultur, die das Zaudern zur Tugend erhebt. "Deutsche Manager versuchen, Verantwortung zu tragen, ohne je zur Verantwortung gezogen werden zu können", konstatierte der Computeraktivist. Die dabei oft als Königsweg angeführte ingenieursmäßige, langsame und gründliche Herangehensweise sieht Neumann jedoch als Ausrede, denn sie sei längst gescheitert. "Am Ende kombinieren wir in Deutschland alle Punkte einer schlecht gemachten Digitalisierung: Langsamkeit und schwache Sicherheit."

Auch Wolfgang Niedziella, Leiter des Prüf- und Zertifizierungsinstituts beim VDE, stellte fest: "Umfassende IT-Sicherheitsnavigation gibt es längst, aber sie wird höchstens in Bereichen sensibler Infrastruktur wie in Kernkraftwerken eingesetzt. In anderen Unternehmen ist zwar jedes Bedrohungsszenario theoretisch durchgespielt, in der Praxis ist aber oft nicht geregelt, wer was mit welchen Daten anstellen darf." Neumann sieht daher die DSGVO als notwendigen Antrieb für die Unternehmen. "Hätten wir die DSGVO vor 15 Jahren schon gehabt, dann gäbe es heute keine Probleme mehr mit Facebook und Google", ist der CCC-Sprecher überzeugt.

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