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Digitales | 09.05.2019

Aus IZ19/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Herford
  • Unternehmen:
    Reasult
  • Organisationen:
    Stadt Herford
  • Personen:
    Dirk Schumacher, Aart Zandbergen

"Niederländer lassen sich schneller auf neue Prozesse ein"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Aart Zandbergen (r.) und Dirk Schumacher sehen beim Umgang mit der Digitalisierung Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Die niederländische Softwarefirma Reasult ist auf Analysesoftware für Immobilienprojekte spezialisiert. CEO Aart Zandbergen und Deutschlandchef Dirk Schumacher sehen hierzulande ein gewisses Beharrungsvermögen bei Mitarbeitern und Entscheidern, das Innovationen behindert. Doch es gibt überraschende Ausnahmen, selbst bei den Kommunen.

Immobilien Zeitung: Herr Zandbergen, komischerweise reden viele in der Immobilienbranche erst seit ein paar Jahren über Digitalisierung, nutzen aber privat schon lange ein Smartphone. Woher kommt diese zeitverzögerte Bereitschaft, digitale Prozesse im Berufsalltag umzusetzen?

Aart Zandbergen: Digitalisierung an sich ist wirklich kein neues Phänomen, aber die Bedürfnisse der Nutzer haben sich geändert, deswegen wird inzwischen mehr darüber geredet. Wir hatten im Jahr 2015 unseren ersten deutschen Kunden in Berlin. Der hat mir sinngemäß gesagt, er schafft es nicht mehr, seine Arbeit mit Excel durchzuführen. Ansonsten waren die Anforderungen an die IT-Lösung noch relativ gering: Hauptsache, sie war besser als eine Tabellenkalkulation. Wenn aber jemand erst einmal angefangen hat, seine internen Prozesse umzustellen, und die dahinterliegenden Chancen begreift, wird das Bedürfnis nach zusätzlichen Funktionen in der Software immer größer. Wir lernen daher jeden Tag dazu, gerade von unseren deutschen Kunden.

IZ: Aber Sie sind ja in den Niederlanden schon seit fast 20 Jahren am Markt tätig. Haben Sie da nicht gewisse Erfahrungswerte, was der Kunde sich von der Digitalisierung erhofft?

Zandbergen: Auch wenn die Deutschen offensichtlich eine gewisse Grundsympathie mit uns Niederländern an den Tag legen, habe ich mich nie der Illusion hingegeben, wir seien das 17. deutsche Bundesland. Viele Klischees, die der Deutsche dem Niederländer nachsagt, haben ja ihren wahren Kern: Wir sind bereit, schnell Neues auszuprobieren, auch wenn es erst zu 90% funktioniert. Der Deutsche dagegen will eigentlich 110%. Die Latte liegt daher viel höher, gerade für ein europäisches IT-Unternehmen, das auf dem deutschen Markt tätig ist. Da müssen Sie Vertrauen aufbauen. Ein US-Unternehmen mag es sich noch leisten können, die deutsche Startversion einer Software erst einmal auf Englisch zu veröffentlichen. Für uns stand das nie zur Debatte.

Dirk Schumacher: Wir profitieren aber umgekehrt auch von unseren niederländischen Nutzern, denn die haben im Grunde schon den gleichen Erfahrungsweg beschritten, wie wir ihn jetzt in Deutschland sehen: Die meisten wollen weg von der Tabellenkalkulation, hin zu einer Lösung, die irgendwie mehr leistet. Danach wachsen die Ansprüche ganz von alleine.

IZ: Wie sehen diese Ansprüche aus?

Schumacher: Unser Hauptprodukt in Deutschland ist derzeit ein Tool für Projektentwickler zur Analyse von Machbarkeit und Cashflows in Immobilienprojekten. Längerfristig müssen sich aber die Funktionen von Asset-Management und Property-Management miteinander auf einer Plattform verbinden lassen. Daran arbeiten wir gerade und dahin tendiert auch der Markt. Der dritte Schritt wäre dann die Integration des kompletten Bewertungsmanagements, also die Beantwortung der Frage: An welchen Stellschrauben muss ich in meinem Portfolio drehen, um einen ganz bestimmten Wert zu erhalten?

IZ: Die Privatwirtschaft ist es ja durchaus gewohnt, in Kostenkennziffern zu denken. Aber wie schaffen wir es, dass die Kommunen nicht digital den Anschluss verpassen?

Schumacher: Als Softwarehersteller kommen wir am ehesten mit Kommunen ins Gespräch, wenn es um ganz konkrete Projekte geht. Die Stadt Herford beispielsweise stand vor dem Riesenproblem, 30 ha Land überplanen zu müssen, und hatte schlicht nicht die Leute für so ein gewaltiges Vorhaben. Die Bereitschaft, in mehr Effizienz und neue Prozesse zu investieren, wächst also sprunghaft, wenn es mit den vorhandenen Ressourcen einfach nicht mehr geht. Von anderen Kommunen hören wir eher Sätze nach dem Motto: Das haben wir hier schon immer so gemacht. Da ist der Veränderungsdruck offenbar noch nicht angekommen.

IZ: Aber müssten die Mitarbeiter nicht viel mehr Eigeninteresse an besseren IT-Lösungen haben und sie einfordern? Das müsste sie im Alltag doch massiv von Routinetätigkeiten entlasten?

Schumacher: Das schon. Klar ist aber auch, dass digitale Planungsprozesse Transparenz erzeugen. Das ist häufig nicht im Interesse einzelner Mitarbeiter auf der operativen Ebene, weil sich deren Tätigkeit zum einen radikal ändert und zum anderen die Ergebnisse ihrer Arbeit leichter verglichen und beurteilt werden können. Die Entscheidung für oder gegen den Einsatz einer Software muss daher immer von oben kommen.

Zandbergen: Da haben wir dann doch wieder eine kulturelle Eigenheit, denn in den Niederlanden sind viele Mitarbeiter sehr begeisterungsfähig und daher schneller bereit, neue Prozesse zuzulassen. Wenn der Wunsch der Kollegen nach Veränderung groß genug ist, dann versucht der Geschäftsführer oder Amtsleiter auch, irgendwie das Budget aufzutreiben, um diese Veränderung zu finanzieren. Ich denke aber, dass die digitale Zurückhaltung teilweise auch ein Generationenphänomen ist. Die Entscheider werden jünger, auch in Deutschland. Damit steigt die Bereitschaft, Neues zu wagen.

IZ: BIM-Fachleute wollen, dass der nächste Schritt die Verbindung von Zeit- und Kostenplänen mit den 3D-Modellen ist. Wären Produzenten von BIM-Software damit nicht Ihre natürlichen Partner für gemeinsame Schnittstellen?

Zandbergen: Technisch wäre das machbar, unsere Plattform ist zu 100% offen für die Anbindung an andere Lösungen und wir wollen niemandem einen hauseigenen Standard aufzwingen. Wir haben uns die gängigen BIM-Planungsprogramme auch angesehen und uns gefragt, ob das eine Richtung ist, in die wir uns stärker bewegen müssen. Aber die meisten unserer Kunden kommen bisher mehr von der Finanzseite als von der technischen Planung, daher ist es für eine Anbindung an 3D-Modelle vielleicht noch zu früh. Der Bedarf ist zurzeit einfach noch nicht da. Wir wollen unsere Plattform daher eher in Richtung Portfolioanalyse erweitern, also Marktdaten bereitstellen und Projektoptionen mittels künstlicher Intelligenz vergleichbar machen.

Schumacher: Zudem ersetzt ein grafisches BIM-Modell bei aller Information nicht den planerischen Sachverstand. Für den Architekten sind die 3D-Modelle mittlerweile Standard, für den Entwickler bieten sie dagegen bisher nur begrenzten Zusatznutzen. Aber wir stehen in regem Austausch mit den technischen Planungsbüros. Wenn die uns sagen, sie brauchen eine direkte Anbindung an die Kostenschiene, dann machen wir das.

IZ: Herr Zandbergen, Herr Schumacher, herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.

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