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Projekte | 02.05.2019

Aus IZ18/2019, S. 22

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:

Viele Hektar für Industrieproduktion und Handelslogistik

Quelle: Daimler AG
So soll die Batteriefabrik im Werksteil Brühl des Mercedes-Benz-Werks Untertürkheim aussehen.

Quelle: Daimler AG

Region Stuttgart. Um Platz für ein neues Werk von Porsche zu schaffen, plant die Gemeinde Schwieberdingen einen regionalen Gewerbeschwerpunkt. Auch im interkommunalen Gewerbepark bei Sachsenheim will Porsche bauen, Breuninger hat dort bereits ein modernes Logistikzentrum eröffnet. Und Mercedes-Benz feierte Richtfest für eine Batteriefabrik bei Esslingen.

Dank ihrer verkehrsgünstigen Lage hat sich die Gemeinde Schwieberdingen (Landkreis Ludwigsburg) seit den 1950er Jahren von einem Dorf zu einer Industriegemeinde entwickelt. Die heutige B 10 war schon zur Römerzeit eine wichtige Handels- und Heerstraße, heute trennt sie Industrie- und Wohngebiet voneinander. Auch die Autobahnanschlussstelle auf die A 81 in Stuttgart-Zuffenhausen liegt nur 3 km entfernt und wiederum vor der "Haustüre" des Porsche-Stammwerks.

Porsche möchte ein "Industrie-Quartier" auf einem 15 ha großen Gelände zwischen der Bundesstraße und der Bahnstrecke Stuttgart-Mannheim anlegen. Im Mittelpunkt steht die Vorproduktion für E-Fahrzeuge des Sportwagenherstellers. Ein Unternehmenssprecher betont, die Pläne seien noch nicht konkret, es fehle die Planungsgrundlage. Das könnte sich bald ändern, wenn der künftige regionale Gewerbeschwerpunkt, den die Mehrheit im Gemeinderat und in der Gemeindeverwaltung befürwortet, Realität wird. Die Entscheidung soll diesen Juli durch den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Gemeinde fallen.

Das Gebiet ist im Regionalplan des Verbands Region Stuttgart seit 2016 als künftiger regionaler Gewerbeschwerpunkt festgeschrieben. Die Fläche für die Ansiedlung von Porsche gehört zu einem 45 ha großen Gesamtareal, 23 ha sind für den geplanten Gewerbeschwerpunkt vorgesehen, 15 ha davon für Porsche. Bürgermeister Nico Lauxmann (CDU) spricht von einer "in vielerlei Hinsicht historischen Entscheidung mit großer Tragweite". Die Gemeinde liebäugelt mit der Ansiedlung eines zweiten Weltunternehmens und damit der Schaffung Hunderter neuer Arbeitsplätze. Seit rund 50 Jahren ist Bosch der größte Arbeitgeber am Ort. Auch Bosch hat sich schon vor Jahren eine 17 ha große Erweiterungsfläche nördlich des Laiblinger Wegs gesichert. "Die Elektromobilität ist die Zukunft für das Automobil. Wir sehen für Schwieberdingen eine große Chance und für das Automobilcluster Baden-Württemberg sogar eine Notwendigkeit", betont Lauxmann. Doch weil es um bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen geht, sollen die Bürger entscheiden. Problematisch könnte noch werden, dass die Flächen des Gesamtprojekts in Privateigentum liegen.

Auch Thomas Kiwitt, leitender Technischer Direktor beim Verband Region Stuttgart, plädiert engagiert für Schwieberdingen als Standort des regionalen Gewerbeschwerpunkts. Man habe die vorgesehene Fläche auch unter Betrachtung der Umwelt- und Verkehrsbelastung geprüft. Schon seit Jahren wird Kiwitt nicht müde, auf den großen und speziellen Flächenbedarf in der Region durch das produzierende Gewerbe hinzuweisen. Nur etwa 12 km von Schwieberdingen entfernt wächst bei Sachsenheim der interkommunale Gewerbepark Eichwald. Die Versammlung des Zweckverbands hat noch letzten Dezember beschlossen, einen Bebauungsplan für die sogenannte Westerweiterung um ca. 10 ha Fläche aufzustellen. Auch dort möchte man Porsche das Wachstum ermöglichen. Die Zuffenhäuser Autoschmiede hatte sich bereits vor Jahren die Option für ein rund 10 ha großes Gelände am Rand des Gewerbegebiets gesichert, direkt an das bestehende Lager angrenzend. Dort ist die Produktion von Prototypen für den elektrisch betriebenen Sportwagen Taycan geplant.

Nicht nur mit Porsche will sich der Gewerbepark Eichwald vom Logistik- zum Hightech-Produktionsstandort wandeln. Segro hat auf 5 ha acht Hallen errichtet, ein Mieter ist der Autozulieferer Dräxlmaier mit einer Batterieproduktion für E-Fahrzeuge. Bereits diesen März hat das Modeunternehmen Breuninger sein Warendienstleistungszentrum eröffnet. Entstanden ist ein Hallenkomplex mit rund 76.000 m2 BGF für Intralogistik, laut eigener Aussage "eine der modernsten Fashion-Logistiken Europas". Nach der kompletten Inbetriebnahme Mitte 2020 sollen dort nicht nur 700 Mitarbeiter tätig sein, sondern auch 30 selbstfahrende Roboterwagen, die Pakete vollautomatisch zu den Mitarbeitern des Wareneingangs bringen. Damit nicht genug: Breuninger hat sich für fünf Jahre eine Option auf eine 4,7 ha große Erweiterungsfläche anschließend an das Warendienstleistungszentrum gesichert. Der Onlinehandel wie der stationäre Handel entwickele sich positiv, so das Modehaus mit Stammsitz in Stuttgart.

Weiter als Porsche mit seinen Zukunftsplänen ist das Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim. Im Werksteil Brühl bei Esslingen wurde im April der Grundstein für die erste Batteriefabrik gelegt. Sie ist laut Konzernangaben ein wichtiger Bestandteil "im globalen Batterie-Produktionsverbund innerhalb des Produktionsnetzwerks von Mercedes-Benz Cars mit insgesamt neun Batteriefabriken an sieben Standorten auf drei Kontinenten". Im Großraum Stuttgart sind neben Brühl zwei weitere Standorte für Batteriefabriken geplant, nämlich in Stuttgart-Hedelfingen und in Sindelfingen.

Baden-Württemberg ist stark von der Automobilindustrie geprägt. Kein Wunder, dass zur Grundsteinlegung für die Batteriefabrik auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Investition für nachhaltige Mobilität lobte, weil sie langfristig Arbeitsplätze sichere. Die Landesregierung habe als klares Ziel "zero emission im Verkehr". Doch Kretschmann betonte auch: "Wenn wir von der Automobil- zur Mobilitätsregion Nummer eins auf der Welt werden wollen, dann reichen vereinzelte Innovationen nicht aus. Dann brauchen wir ein ganzes Feuerwerk an Innovationen." Deshalb gebe es seit zwei Jahren einen Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg, der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringe. Um den Strukturwandel vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität zu meistern, sind parallele Strukturen notwendig, sprich viele weitere neue Flächen für Industrie und Gewerbe.

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