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Digitales | 02.05.2019

Aus IZ18/2019, S. 2

Von Jens Rautenberg

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Conversio
  • Personen:
    Jens R. Rautenberg
  • Immobilienart:
    Wohnen

Immobilien tindern nicht

So wie Tinder das Dating revolutioniert hat, revolutionieren digitale Datenräume den Immobilienverkauf, heißt es. Nein, sagt Conversio-Geschäftsführer Jens R. Rautenberg. Denn Investoren haben mehr Fragen, als das Datenraster vorsieht.

Jens R. Rautenberg.

Immer mehr Unternehmen feiern den digitalen Datenraum als Tinder für Immobilien. Man lädt Unterlagen, Gutachten und Grundrisse hoch, und schon haben potenzielle Investoren alles, was sie für eine Anlageentscheidung benötigen: DueDiligence-Informationen, Bestandshistorie, Mietverträge. Match-Making für Immobilien findet ab sofort ausschließlich online statt, spart euch die Zeit und das Geld für Makler, Berater und Vor-Ort-Besuche, heißt die Botschaft.

Wenn es nur so einfach wäre. Da steht zum Beispiel im Datenraum zum Zustand des Daches: "Der Gutachter konnte das Dach nicht einsehen." Aha. Heißt das nun, dass das Dach in Ordnung ist? Oder versteckt sich dahinter ein gefährlicher Euphemismus, wie man ihn aus Arbeitszeugnissen kennt ("Er war stets bemüht")?

Schnell zum Hörer gegriffen, und schon kommt das nächste Problem. Der digitale Datenraum bietet keinen direkten Ansprechpartner, er hat ihn ja bewusst wegdigitalisiert. Die Folge ist klar: Interessenten wenden sich mit ihrer Frage trotzdem an den Eigentümer.

Der will sich aber eigentlich mit ganz anderen Themen beschäftigen, etwa der Projekt- und Bauentwicklung oder der Aufbereitung weiterer Portfolios - gerade deshalb wollte er ja auf die Digitalisierung des Vertriebs setzen.. Das führt zu Gereiztheit und weiteren Missverständnissen - auf der einen Seite bleiben nämlich die Fragen, auf der anderen aber fehlt es kompetenten Antworten. Zeitersparnis sieht anders aus. Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit beim Vertrieb von Wohnungen. Gerade für Kapitalanleger sind da steuerliche und mietrechtliche Aspekte von Bedeutung. Worin liegt etwa eine versprochene Denkmal-AfA? Welche Aussagekraft haben Ist- und Sollmiete, wenn unklar ist, wann die letzte Mietanpassung stattfand?

Denn diese harten Fakten verschweigen aufbereitete Unterlagen nur zu gern, um wenig Angriffsflächen für vertiefte Nachfragen zu bieten. Dass das angesichts der Größe und Bedeutung der anstehenden Investitionen nicht unter den Teppich gekehrt werden kann, müsste offensichtlich sein.

Ebenso offensichtlich hat sich in der Welt des Immobilien-Tinders noch nicht herumgesprochen, dass selbst der bestverdienende Zahnarzt seine Anlageentscheidungen nicht mehr auf der Terrasse am Starnberger See treffen mag. Zu professionell sind die Anleger, zu wichtig die Investitionsentscheidungen und zu viel Schindluder wurde in der Vergangenheit getrieben.

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