Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 25.04.2019

Aus IZ17/2019, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

"Baumopa" musste Altersheim weichen

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Das einst feine Gesellschaftshaus wird saniert und zu Wohnungen umgebaut.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Berlin. Rund um das bekannte ehemalige Ausflugslokal Riviera im Südosten der deutschen Hauptstadt soll ein 90 Mio. Euro teures Altersheim der Luxusklasse entstehen. Das gefällt nicht jedem. Dennoch sind die Bäume jetzt gefällt, die Bauleistungen für 208 Wohnungen ausgeschrieben. Im Sommer sollen die Bagger anrücken.

Das Ausflugs- und Gesellschaftshaus Riviera in der Nähe des Müggelsees liegt den Berlinern am Herzen. Und der teilweise Abriss der längst verfallenen, aber einst prächtigen Häuser direkt am Ufer der Dahme sorgt für böses Blut. "Das Denkmal wird vernichtet", postet die Initiative zur Wiederbelebung von Riviera und Gesellschaftshaus - Berlin Grünau, "die 100-jährige Platane liegt am Boden."

Den "Baumopa" fällen, um alten Menschen ein neues Zuhause zu geben, ließen der Berliner Entwickler Terragon und die Tübinger Sax-Gruppe. Seit Anfang des Jahres hält Terragon-Vorstandsvorsitzender Michael Held die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt seiner Vitalresidenz Riviera in den Händen.

Das Riviera wurde 1895 vom Architekten Otto Gerth als ein besonders reich ausgestattetes Lokal mit Saalbau errichtet, "das gehobenen Ansprüchen des geselligen Zusammenseins genügte", wie es in einer Mitteilung der Stadt Berlin über den "selbstbewussten und bevorzugten Vorort Berlins" heißt.

Vor zwei Jahren haben Terragon und Sax das rund 1 ha große Gelände entlang der Regattastraße 161-168 gekauft und eine positive Bauvoranfrage erhalten, da Held "dem Bezirksamt aus anderen Projekten als seriöser Partner bekannt ist", wie es seinerzeit aus dem Rathaus in Treptow-Köpenick hieß. Held versprach den "Saal der Riviera denkmalgerecht zu sanieren und das Gesellschaftshaus mit seinen wesentlichen Elementen, insbesondere der Veranda, zu erhalten."

12,8 Mio. Euro stecken Terragon und Sax in die beiden Denkmale. "Der Vertrag mit der Denkmalbehörde ist geschlossen", sagt Held. Fördergelder gibt es keine. Um die Kritiker einzufangen, die Bezirksfürsten mitzunehmen, aber auch um Leben und frischen Wind in den Kiez für die Alten zu bringen, soll der in neuem Glanz erstrahlende Riviera-Saal als Restaurant und Veranstaltungsraum öffentlich zugänglich sein. In das Gesellschaftshaus kommen 34 Wohnungen, die übrigen verteilen sich auf Neubauten. Unterschrieben ist auch der städtebauliche Vertrag über die Errichtung eines frei zugänglichen Uferwegs entlang der Dahme, der von der Regattastraße erreichbar sein wird und den Terragon und Sax bezahlen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Der Verfall der prächtigen Kaiserzeitbauten tut weh. Das zeigt ein Schild an der Hauswand. Die Vorgänger der heutigen Eigentümer ließen das Areal zehn Jahre verfallen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Richtig freundlich aufgenommen werden die Investoren trotzdem nicht. Die Initiative zur Wiederbelebung von Riviera und Gesellschaftshaus hatten sich einen Neuanfang gewünscht, bei dem die Nachbarschaft mehr mitgenommen wird. Für böses Blut sorgte vor allen Dingen, dass die Vorgänger der jetzigen Eigentümer die einst prächtigen Kaiserzeitbauten zehn Jahre lang verfallen ließen. Erst als beim Weiterverkauf keine sogenannte Spekulationssteuer mehr fällig wurde, kamen die mittlerweile arg ramponierten Gebäude auf den Markt.

Vom Standort des nach gif mit vier Sternen bedachten Altersheims überzeugt ist auch das Unternehmen Agaplesion, mit dem Held einen Betreibervertrag über 20 Jahre abgeschlossen hat. Geschaffen werde eine Einrichtung, die in ihrer Struktur und Ausstattung einem sehr guten Hotel entspricht, erläutert Held seinen Plan. Gemeint sind neben den 42 m² bis 140 m² großen Wohnungen ein Empfang, Clubraum, Schwimmbad, Sauna, Kneipppfad, Fitnessräume bis hin zu einer Tiefgarage. Pflege- und Betreuungsangebote werden auf dem Gelände angesiedelt und könnten bei Bedarf hinzugebucht werden. "Es gibt im Südosten Berlins und im angrenzenden Brandenburg kein vergleichbares Angebot." Für die Architektur der Neubauten zeichnet der Berliner Architekt mit russischen Wurzeln, Sergei Tchoban, verantwortlich. Der beiden Altbauten nimmt sich van geisten.marfels architekten an.

Das "Residenzentgelt" für eine 60 m² große Zweizimmerwohnung beträgt nach aktuellen Kalkulationen 1.650 Euro oder 27,50 Euro/m². Enthalten sind Nebenkosten und eine Servicepauschale. Vorne am Wasser ist es etwas teurer. Hier nehmen die Bauherren für die gleiche Wohnung knapp 2.000 Euro oder rund 33 Euro/m² an "Miete".

Die Neubauten sollen Anfang 2021 fertig sein. Die aufwendige Restaurierung der Bestandsbauten will Held bis zum Frühjahr 2021 gestemmt haben.

Die Berliner Terragon und die familiengeführte Sax-Gruppe haben im September 2018 eine Joint-Venture-Gesellschaft gegründet, um in den nächsten drei bis fünf Jahren gut eine halbe Milliarde Euro in "das Servicewohnen für Senioren im Premiumsegment" zu investieren. Die fertigen Häuser sollen dann vermietet an institutionelle Investoren und Family-Offices weiterverkauft werden, wobei beide Partner mit an Bord bleiben wollen. Terragon wird die Projekte entwickeln, bauen lassen und vermieten. Sax kümmert sich um die Finanzierung und die kaufmännische Abwicklung.

Transaktion: Berlin, Regattastraße 161

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!