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Projekte | 25.04.2019

Aus IZ17/2019, S. 9

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

Ein Österreicher baut in Dubai das "Herz Europas"

Quelle: The Heart of Europe
Auch auf den zweiten Blick nicht erkennbar: Bei dieser Insel handelt es sich um Deutschland.

Quelle: The Heart of Europe

In Dubai ist vieles anders als anderswo, zum Beispiel: Europa. Im Arabischen Golf besteht der Kontinent aus der Schweiz, Schweden, Deutschland, Österreich, einem schwimmenden Venedig, Flitterwochen und jeder Menge künstlich gezüchteter Korallenriffe. Seit rund zehn Jahren kämpft der Österreicher Josef Kleindienst für das Projekt.

Im Immobilienboom nach der Jahrtausendwende hatte das Emirat Dubai vor der Küste tonnenweise Sand aufgeschüttet und zu künstlichen Inseln verdichtet. Der neu geschaffene Grund und Boden sollte mit Ferienanlagen bebaut und gewinnbringend als Zweitwohnsitze oder Kapitalanlagen verkauft werden. Viele dieser Businesspläne gingen schief.

Nur The Palm Jumeirah, eine von ursprünglich drei geplanten palmenförmigen Kunstinseln, ist heute tatsächlich nahezu fertig. Die übrigen Inseln liegen seit der Finanzkrise von 2008 entweder immer noch brach (Palm Jebel Ali), wurden größenmäßig deutlich abgespeckt (Palm Deira) oder sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Letzteres gilt für The World, eine Inselgruppe östlich von The Palm Jumeirah, 15 Minuten Bootsfahrt von der Küste entfernt. Die Inseln bilden eine Weltkarte nach und waren punktgenau zum Lehman-Crash im Herbst 2008 fertig aufgeschüttet - doch dann wollte dort niemand mehr bauen. Bis heute ist unklar, was aus dem Großprojekt werden soll.

Nur den kleinen europäischen Teil der Welt bewahrt ein Mann vor dem Versinken. Josef Kleindienst, Österreicher, Ex-Polizist und seit 2003 Immobilienunternehmer in Dubai, lässt für sein Projekt (siehe "The Heart of Europe" weiter unten) schon seit geraumer Zeit die Bagger rollen. Das Herz Europas bilden in diesem Teil des Arabischen Golfs Schweden, Österreich, die Schweiz, Deutschland, Venedig und die besten Restaurants der Region - verteilt auf sechs Inseln plus schwimmenden Villen und Hotels.

Deutschland soll Ende 2019 fertig gebaut sein

Ende dieses Jahres will Kleindienst Deutschland fertig bebaut haben und die ersten acht von insgesamt zehn Strandvillen auf Schweden übergeben. Die Fertigstellung der letzten beiden Schweden-Luxushäuser verzögert sich angeblich nur deshalb, weil deren Käufer, Mitglieder des saudischen Königshauses, sich über die Inneneinrichtung immer noch nicht einig sind. Die letzten Arbeiten an den übrigen Inseln sollen im Jahr 2021 beendet sein. Doch hinter diesen Zeitplan darf der Beobachter getrost ein Fragezeichen setzen, wie der Blick auf frühere Ankündigungen des umtriebigen Entwicklers zeigt.

Denn auch als Kleindienst im Jahr 2010 Besuch eines Reporters der Daily Mail bekam, rechnete er mit der Fertigstellung von Schweden und Deutschland binnen zwölf Monaten. Zwei Jahre später, 2014, erwartete er im Gespräch mit dem Reporter des Magazins Der Spiegel die Vollendung aller Inseln für das Jahr 2018. Als dann 2018 der britische Guardian auf den Inseln vorbeischaute, sagte Kleindienst dem Reporter, das Gesamtvorhaben werde zur Weltausstellung im Jahr 2020 komplettiert sein. "Wir haben uns dann aber entschieden, die Sandaufschüttungen noch zweifach stärker zu verdichten als gefordert, damit die Investoren mit einer längeren Nutzungsdauer kalkulieren können", erklärt er die Terminverschiebungen. Die staatlichen Vorgaben erlaubten ein Absinken des Untergrunds um 25 mm binnen 50 Jahren, auf Europa werde der Boden nun mindestens 120 Jahre brauchen, bis er sich um 25 mm senke.

Es ist ohnehin nicht die erste Verzögerung, mit der Kleindienst zurechtkommen muss. Bevor er sein Herz für Europa entdeckte, versuchte er sich bereits mit einem anderen Projekt im Wüstenstaat: Für die geplante Luxushotel- und -apartmentanlage The Crystal, geschmückt mit dem Design von Philippe Starck, sammelte Kleindienst Millionen bei Anlegern ein. Doch das Vorhaben wurde nie verwirklicht. "The Crystal fiel voll mit der Krise von 2008 zusammen", erklärt Kleindienst das Scheitern. Damals seien einige der beteiligten Investoren nicht bereit gewesen, bei der Stange zu bleiben, das habe eine Realisierung nach dem Crash verhindert.

In Österreich brachte das gescheiterte Vorhaben dem Unternehmer eine Millionenklage ein, bezahlen musste er am Ende des Verfahrens aber nur 140.000 Euro, wie er betont. Die 2 Mio. Euro, die via Anleiheemission für The Crystal eingesammelt wurden, seien den Anleihezeichnern wieder zurückbezahlt worden. Viele der übrigen engagierten Investoren hätten sich entschieden, ihr für The Crystal überwiesenes Geld in The Heart of Europe zu verschieben, seien also an Bord geblieben.

Pionier in Sachen Ökotourismus

Mit dem Heart of Europe hat der Österreicher erneut Großes vor. Es geht nicht nur um eine Handvoll Inseln mit Ferienvillen, Hotels, Apartments, Restaurants, Shopping und Freizeitspaß. Kleindienst sieht sich zudem als Pionier in Sachen Ökotourismus. Der Strombedarf der Anlage soll zu 100% durch Solarenergie bedient werden, die in der Zukunft auf dem Meer durch schwimmende Solarzellen erzeugt wird.

Das Projekt wird eine Menge Solarzellen schwimmen lassen müssen, denn in einigen Zonen Europas sollen die Besucher nicht nur mit der normalen Klimatisierung und Beleuchtung versorgt werden, sondern auf Wegen und Plätzen sogar auf Knopfdruck kühlenden Regen und Schneefall erleben können. Solche aufwendigen, künstlichen Klimakreationen hält Kleindienst dank der Solarzellen mit dem Gebot der Nachhaltigkeit für problemlos vereinbar. Außerdem seien sie wichtig für die Vermarktung: Die meisten Touristen seien aus den warmen Ländern Asiens zu erwarten, denen müsse man schon etwas bieten, wenn man sie in das ebenfalls nicht gerade gemäßigte Klima Dubais locken wolle.

Auch rechtlich geht das Projekt Heart of Europe innovative Wege: Erstmals in Dubai soll dort Grundeigentum an Meeresboden käuflich erwerbbar sein. Nahe der geografisch nicht weiter definierten Honeymoon Island wird es rund 80 schwimmende Villen geben. Die Floating Seahorses sind am Meeresgrund verankert, den Boden hatte das Kleindienst-Konsortium seinerzeit zusammen mit den Inseln erworben. Der Genehmigungsprozess für die Parzellierung des Meeresbodens läuft derzeit, am Ende sollen die Seahorse-Villenbesitzer einen Grundbuchauszug für ihr Unterwassergrundstück in Händen halten können.

Unterwasserapartments mit Korallenblick

Und nicht nur das: Sie können es auch jeden Tag mit eigenen Augen besichtigen. Eine Etage der Seepferdhäuschen wird sich unter Wasser befinden und aus Panoramafenstern einen Blick ins Korallenriff ermöglichen, das der Developer um die Häuser herum anlegen will. "Wir züchten Korallen schon seit 2008, wir bauen ihnen eigene Riffe und unterhalten sogar eine Klinik gegen Korallenbleiche", erzählt Kleindienst stolz.

Teile der schwimmenden Villen sind einzeln als Anlageobjekte für Investoren vorgesehen, ebenso viele der Hotelzimmer, die einzeln verkauft werden. Den Investoren wird durch die Projektgesellschaft in den ersten zwölf Jahren der 100%ige Kapitalerhalt garantiert, ab 2020 könnten sie mit den ersten Mieteinnahmen rechnen, versichert Kleindienst.

Bis zum geplanten bzw. erhofften Projektende in drei Jahren muss das Team noch jede Menge weitere ambitionierte Ziele umsetzen: Für ganz Europa soll eine Null-Mikroplastik-Emissionsstrategie implementiert werden, außerdem muss eine komplette Sandinsel abgetragen werden, um Platz für das schwimmende Venedig zu schaffen - eine Hotelanlage mit Unterwasser-Spa, durchzogen von Kanälen, mit 24 Pools und zwölf schwimmenden Strandplattformen. Außerdem gilt es, die Präsentation des bislang noch geheimen Sissi-Themenhotels auf der Insel Österreich vorzubereiten. All das scheint Kleindienst nicht übermäßig an den Nerven zu zerren. Er sieht das Vorhaben auf einem guten Weg, das Durchhalten habe sich gelohnt: "2008 hatte unsere Gruppe noch hundert Mitarbeiter, 2009 waren es nur noch acht. Dieses Jahr sind es 2.070. Die Entscheidung, hier weiterzumachen, war zeitweise sicher schmerzhaft, aber sie war richtig." Schließlich, sagt er, sei er der einzige europäische Entwickler, der sich nach der Finanzkrise bis heute in Dubai behaupten konnte.

The Heart of Europe

Auf rund 5 Mrd. USD veranschlagt Josef Kleindienst, Gründer und Chairman der Kleindienst Group, das Gesamtinvestitionsvolumen für The Heart of Europe. Das Projekt ist Teil einer Anlage künstlich aufgeschütteter Inseln im Arabischen Golf, die die Weltkarte nachbilden. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise interessierten sich Prominente wie Karl Lagerfeld, Angelina Jolie und Richard Branson für das Projekt. Nach 2008 sank das Investoreninteresse auf null, viele Spekulanten blieben auf hohen Verlusten sitzen. Durch Zusammenlegung der einzelnen Parzellen besteht The World heute nicht mehr aus 300, sondern nur noch aus 230 Einheiten. Die für Europa vorgesehenen Inseln veränderten im Laufe der Jahre immer wieder ihre Namen und teilweise auch ihre Struktur. So wurde St. Petersburg zu Honeymoon Island, Monaco ist mittlerweile ganz aus der Planung verschwunden, stattdessen soll es nun eine gigantische schwimmende Hotelanlage namens Floating Venice geben. Zwei einzelne Eilande wurden zu Mainland Europe zusammengelegt, wo Besucher kulinarisch und kulturell "das Beste von Europa" genießen können und sich auf klimatisierten Straßen an künstlich erzeugten Schneeflocken erfreuen sollen. Deutschland und Schweden sind lokalen Medienberichten zufolge bereits ausverkauft. Ab 2020 konzentrieren sich die Arbeiten auf die Schweiz, Österreich, Honeymoon Island und Mainland Europe, wo unter anderem Russland in Gestalt eines Zarenhotels präsent sein soll. mol

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