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Projekte | 18.04.2019

Aus IZ16/2019, S. 23

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:

Ein Kaiserreich am Fuße des Wilden Kaisers

Urheber: ATP architekten ingenieure
Das Kaiserreich Kiefersfelden entsteht direkt am Ortseingang der Gemeinde am Fuße der bayerischen Alpen.

Urheber: ATP architekten ingenieure

Kiefersfelden. Die Tiroler Unternehmensgruppe Unterberger hat die Baugenehmigung für das Gewerbequartier Kaiserreich an der österreichischen Grenze erhalten. Auf einer 4 ha großen Fläche entstehen Büros, ein Hotel sowie eine Gastronomie- und Erlebniswelt.

Mit einem Königreich gibt sich die Gemeinde Kiefersfelden nicht zufrieden. Ein Kaiserreich muss es schon sein. Obwohl an der Grenze der früheren Kaiserreiche Deutschlands und Österreich-Ungarns gelegen, hat das Kaiserreich mit den verblichenen Monarchien nichts zu tun. Vielmehr entsteht in Sichtweite des Skigebiets Wilder Kaiser eine Gewerbe-, Genuss- und Erlebniswelt.

INN Immobilien, eine Tochter der Kufsteiner Unternehmensgruppe Unterberger, baut auf einem rund 40.000 m² großen Areal am Ortseingang von Kiefersfelden, direkt an der Autobahnausfahrt, mehrere Büroimmobilien, ein Hotel sowie eine Einzelhandels-, Gastronomie- und Erlebniswelt. Die gesamte Geschossfläche kann bis zu 35.800 m² betragen. Geplant sind drei fünfgeschossige Gewerbebauten, ein kleineres Gebäude mit drei Geschossen sowie eine viergeschossige Immobilie mit einem 21 m hohen Turm.

Herzstück des Areals wird eine 7.000 m² große Genusswelt sein. Dort soll eine hochwertige regionale Gastronomie angeboten werden, erklärt Josef Feichtner, Geschäftsführer von Unterberger Immobilien. Außerdem ist eine Kinderwelt vorgesehen, in der sich Kinder bei einer Rast auf dem Weg nach Süden oder Norden austoben können, sowie eine Tankstelle und ein Schnellimbiss. Für Frequenz dürfte gesorgt sein. Immerhin passieren täglich etwa 43.000 Pkw den Grenzübergang Kufstein. Dennoch soll das Kaiserreich keine Autobahnraststätte werden, betont Feichtner.

Den Gewerbemix komplettiert ein siebengeschossiges Hotel mit 200 Betten, das im Drei-Sterne-plus-Bereich angesiedelt wird. Als Betreiber steht das Innsbrucker Unternehmen Adeolino bereits fest. Noch unklar ist, was sich hinter dem ebenfalls geplanten Mediendom verbirgt. Hier sei man mit möglichen Betreibern noch in Verhandlungen über das Konzept, so Feichtner. Erste Pläne sehen auch eine Autowelt vor. Dem Vernehmen nach könnte etwa der bayerische Automobilhersteller BMW dort eine Fläche zur Präsentation seiner Elektroautos einrichten.

Nachhaltigkeit ist ohnehin eines der tragenden Themen für das Projekt. Wo es möglich sei, wolle man mit Holz bauen, sagt Josef Liegl, Geschäftsführer des Servicedevelopers Redserve, einer Tochter des Innsbrucker Architektenbüros ATP.

Autos wären auch aus anderem Grund naheliegend. Die Firma Unterberger kommt aus dieser Branche. Das erste Autohaus wurde 1976 eröffnet. Mittlerweile gehören rund 60 Unternehmen zur Gruppe, die mit 650 Mitarbeitern im vergangenen Jahr etwa 320 Mio. Euro Umsatz machte. Seit einigen Jahren ist das Familienunternehmen auch in der Immobilienentwicklung aktiv. Aktuell entwickelt die Tochter INN Immobilien 14 Projekte, mit einem Entwicklungsvolumen von geschätzt 80 Mio. Euro. In Deutschland ist die Gruppe unter anderem über ihre Münchner Tochtergesellschaft Zima Wohnbau aktiv. Im Bestand werden Immobilien im Wert von rund 200 Mio. Euro verwaltet.

In das Kaiserreich wird Unterberger zwischen 30 Mio. und 45 Mio. Euro investieren, sagte Josef Gruber, Geschäftsführer von INN Immobilien, bei der Vorstellung des Projekts in Kiefersfelden. Die genaue Summe hänge davon ab, welche Ausbauten die künftigen Mieter selbst vornehmen. Die Finanzierung übernimmt die Sparkasse Rosenheim. Nach Abschluss des Projekts in drei bis vier Jahren ist geplant, die Immobilien im eigenen Bestand zu behalten, sagt Feichtner.

Es ist nicht das erste Mal, dass Unterberger einen Anlauf für die Entwicklung des Areals unternommen hat. Vor fast zehn Jahren sollte das 15.000 m2 große Aventura Kiefersfelden entstehen. Neben der Produktion und dem Werksverkauf des Skiherstellers Kneissl waren ein Hotel mit 80 Zimmern, eine Eventhalle, Gastronomie, ein Kneissl-Museum und eine Kindererlebniswelt geplant. 2012 zog das bayerische Wirtschaftsministerium dem Einkaufs- und Erlebniszentrum den Stecker. In dem Zielabweichungsverfahren wurden negative Einflüsse der großen Einzelhandelsflächen auf die umliegenden Gemeinden befürchtet. Zu dem Zeitpunkt war Kneissl wegen finanzieller Schwierigkeiten bereits aus dem Projekt ausgestiegen.

Um die Ansiedlung überhaupt umsetzen zu können, musste die Gemeinde eines der wenigen Zielabweichungsverfahren in Bayern beantragen. Für Kiefersfelden ist die Ansiedlung wichtig. Denn nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995 verlor die Gemeinde fast 1.000 Arbeitsplätze. Zwar sei die Arbeitslosigkeit nach wie vor sehr niedrig, sagt Bürgermeister Hajo Gruber. Allerdings würden die meisten Einwohner in anderen Orten in der Umgebung arbeiten.

Mit Neuansiedlungen tut sich die Gemeinde schwer, da kaum Bauland verfügbar ist. "Wir haben nur knapp 7 ha, die wir entwickeln können", sagt Gruber. Der Rest seien Berge oder Landschaftsschutzgebiet. Das Kaiserreich belegt von der verfügbaren Fläche künftig 4,1 ha. Und auch die restlichen knapp 3 ha sind bereits weitgehend verplant.

Auf dem Nachbargrundstück will die Südtiroler Oberalp-Gruppe ein neues Hauptquartier für ihre Bergsportmarken Dynafit und Salewa errichten. Die Deutschlandzentrale der Gruppe soll spätestens 2023 aus der Saturnstraße 63 in Aschheim bei München ins Inntal umziehen. Geplant sei ein architektonisches Wahrzeichen, versprach Oberalp-Chef Heiner Oberrauch im vergangenen Jahr bei der Vorstellung der Umzugspläne. Das Hauptquartier der Firma Salewa im Süden Bozens wurde 2011 von den italienischen Cino Zucchi Architetti und Park Associati entworfen und erinnert an einen Bergkristall.

Die Flächen gehören der Kiefersfeldener Unternehmerfamilie Brosig, die am Ort einen Sportfachhandel hat. Allerdings gibt es für das Projekt noch kein Baurecht.

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