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Politik | 18.04.2019

Aus IZ16/2019, S. 7

Von Christine Rose

In diesem Artikel:

"Wir wollen in diesem Jahr 6.000 Wohnungen ermöglichen"

Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima)
"Wir haben einiges verändert", sagt Bima-Chef Christoph Krupp.

Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima)

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) will Kommunen zügig Flächen für Wohnungsbau zur Verfügung stellen, im eigenen Bestand aber auch selbst Neues hochziehen. "Ich möchte gern dahin kommen, dass wir einige Tausend Wohnungen im Jahr bauen", sagt Bima-Vorstandssprecher Christoph Krupp.

Immobilien Zeitung: Im Sommer vergangenen Jahres schrieben Bima-Mitarbeiter einen Brief, der vor Vorwürfen gegen die Führung, allen voran Ihren Vorgänger Jürgen Gehb, nur so strotzte. Es hieß, es fehle "jegliches Personalkonzept, gefolgt von einer fehlenden Strategie zum Bau, Betrieb und der Bewirtschaftung ihres nicht unerheblichen Immobilienvermögens". Desolates Haus, dachte man da. Hat sich seither etwas geändert?

Christoph Krupp: Der größte Geschäftsbereich, der sich um das Management der vom Bund genutzten Immobilien kümmert, war in einem gewissen Umbruch. Mein Vorstandskollege Paul Fietz hat alle Standorte besucht. Auch ich habe an sechs Personalversammlungen teilgenommen. Wir haben viele Anregungen bekommen. Im Ergebnis werden wir den Geschäftsbereich neu strukturieren und uns dabei auch Erfahrungen von Immobilienunternehmen zu Nutze machen. Das Vorgehen wird uns auch erleichtert, weil wir viele Arbeitsverträge entfristen konnten. Olaf Scholz war das wichtig. Der Bundestag hat uns 500 Haushaltsstellen bewilligt. Waren bislang 12% und mehr der Verträge bei der Bima befristet, sollen es künftig weniger als 1,5% sein. Das Ziel haben wir fast erreicht.

IZ: Auch an anderer Stelle knirschte es unter dem ehemaligen Finanzminister Schäuble und Jürgen Gehb, nämlich beim Grundstücksverkauf. Kommunen beklagten sich, die Bima wolle möglichst hohe Preise erzielen und trage wenig dazu bei, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht. Ändert sich das jetzt?

Krupp: Die Grundstückspreise sind in den vergangenen fünf Jahren vor allem in den Metropolen stark gestiegen. Sie spiegeln weniger die langfristigen Ertragschancen der Immobilien wider als vielmehr die geringen Möglichkeiten, woanders Geld anzulegen. Es ist für unser Wohlstandsmodell gefährlich, wenn sich Normalverdiener in den Innenstädten von München, Hamburg und Berlin keine Wohnung mehr leisten können. Deshalb gibt es die neue Verbilligungsrichtlinie. Sie legt fest, dass die Bima Kommunen jetzt nicht mehr nur Konversionsflächen, sondern alle entbehrlichen Grundstücke zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert anbieten kann und sich der Kaufpreis einer Liegenschaft um 25.000 Euro pro geplanter Sozialwohnung verringert. Wichtig ist, dass die Verbilligung auch beim Mieter ankommt.

IZ: Alles Entbehrliche: Verkauft die Bima nun mehr Flächen für Wohnungsbau?

Krupp: Die Bima verkauft Liegenschaften, die der Bund nicht mehr braucht. Wir haben aber kein unerschöpfliches Reservoir. Gerade in Hamburg und München wurden schon in den letzten Jahren viele sehr große Liegenschaften bebaut. In München entstanden insgesamt 15.000 Wohnungen, in Hamburg sind mit der Röttiger-Kaserne und der Lettow-Vorbeck-Kaserne große Kasernenareale in Bebauung. Richtig große Areale in den großen Städten gibt es nicht mehr. Dennoch hat die Bima auch im vergangenen Jahr Grundstücke verkauft, auf denen der Bau von 6.000 Wohnungen möglich ist. Damit werden wir das Wohnungsproblem nicht allein lösen. Aber wir wissen natürlich, dass es von besonderer Bedeutung ist, wie der Bund mit seinen Flächen umgeht. Deshalb wollen wir mit ihnen besonders verantwortlich umgehen.

IZ: Was heißt das konkret?

Krupp: Wir möchten dazu beitragen, dass möglichst schnell bezahlbarer Wohnraum entsteht. Dafür haben wir einiges verändert. Zum Beispiel hatten wir bisher gesagt, diese Grundstücke bieten wir in diesem Jahr an, jene im nächsten und so weiter. Diese Jahresscheiben haben wir aufgelöst. Wir haben alle Flächen gescannt und geschaut, welche sich für Wohnungsbau eignen könnten. So identifizierten wir 1.000 Flächen. Ungefähr zwei Drittel davon liegen in Räumen, in denen Wohnungen dringend gesucht werden - nicht nur in den großen Ballungsräumen, sondern auch in kleineren Städten wie Münster. Für weitere 200 Flächen im Bestand der Bima meinen wir, dass wir darauf auch selbst Wohnungen für Bundesbedienstete bauen können.

IZ: Das ist das Ergebnis der Potenzialanalyse über alle Bima-Flächen, die Olaf Scholz angekündigt hatte?

Krupp: Ja, vorerst.

IZ: Nochmal: Wie viel mehr für Wohnungsbau geeignete Flächen stehen nun auf der Verkaufsliste?

Krupp: Das lässt sich schwer abgrenzen, weil wir vorherige Clusterungen aufgehoben haben - die nach Jahren und die nach Nutzungen. Wir bieten den Kommunen jetzt alle Flächen an, die wir nicht mehr brauchen und auf denen wir Wohnungsbau für möglich halten. Und wir würden uns gerne mit den Städten und Gemeinden darüber einigen, was wir an sie bzw. ihre Wohnungsgesellschaften verkaufen, was wir selbst bebauen oder nachverdichten und was am Markt platziert werden kann. Das Sagen hat dann letztlich die Kommune. Sie schafft Baurecht.

IZ: Alle auf einen Schlag - dann müssten schon aufgrund von Vorzieheffekten bald mehr Wohnungen errichtet werden.

Krupp: Unser Reservoir ist begrenzt, und es hängt auch davon ab, wie schnell Kommunen Baurecht schaffen können. Damit will ich nicht den Kommunen den schwarzen Peter zuschieben. Baurecht zu schaffen ist nicht einfach. Ich habe selbst zehn Jahre lang Kommunalpolitik gemacht. Deshalb: Die 6.000 Wohnungen, die wir durch den Verkauf von Bima-Grundstücken im vergangenen Jahr ermöglicht haben, möchte ich in diesem Jahr wieder erreichen. Froh wäre ich, wenn wir in den nächsten Jahren einige Zehntausend Wohnungen ermöglichen könnten.

IZ: Sie würden Grundstücke und Bebauung gern auf die drei Schultern Kommune, Bima und Private verteilt sehen. Gibt es ein bevorzugtes Modell?

Krupp: Das muss man sich von Fall zu Fall anschauen. Hat eine Kommune Erfahrung in der Stadtentwicklung, vielleicht auch eine eigene Stadt- oder Landesentwicklungsgesellschaft, die erfahren ist und zügig arbeiten kann, dann ist das eine gute Sache. Wir selbst haben auch Projektentwickler, können städtebauliche Verträge und anderes Notwendige übernehmen. Aber wir sind auch einverstanden, wenn man Flächen und Entwicklung an Private gibt.

IZ: Die Bima will künftig selbst bauen. Warum überlassen sie das nicht den Privaten?

Krupp: Das tun wir. Wir lassen Private bauen und kaufen Belegungsrechte. Diesen Strang führen wir weiter. Aber wir wollen auch mehr Wohnungen im eigenen Bestand.

IZ: Weil sie eine gute Einnahmequelle sind?

Krupp: Weil es klug ist, mehrere Stränge zu verfolgen. Ich bin ein Freund einer arbeitsteiligen Wohnungswirtschaft. Der Staat soll sich engagieren. Er muss aber nicht alles alleine machen. Gerade in der jetztigen Zeit brauchen wir alle Kräfte: die öffentliche Hand, die Genossenschaften und die freien Wohnungsunternehmen.

IZ: Mancher meint: Wenn die Bima schon für ein paar wenige Privilegierte baut, dann sollte es zumindest besonders innovativ sein.

Krupp: Wir beteiligen uns an der Rahmenvereinbarung des Wohnungswirtschaftsverbands GdW für serielles Bauen. Und ich meine, qualitativ hochwertiger serieller Wohnungsbau ist innovativ.

IZ: Wie viele Einheiten will die Bima bauen?

Krupp: Ich würde gern dahin kommen, dass wir einige Tausend im Jahr bauen. Aber da sind wir noch nicht.

IZ: Wo werden die ersten neuen Bima-Wohnungen entstehen?

Krupp: In Aschaffenburg, Rostock und Hamburg haben wir die ersten drei Grundstücke identifiziert, für die wir den Rahmenvertrag nutzen wollen. Darüber hinaus haben wir unter anderem Baupotenzial in der Cité Foch und der Cité Pasteur in Berlin, in Müllheim in Baden und in Rheinbach ausgemacht.

IZ: Welches Budget steht für Neubau zur Verfügung - und woher kommt das Geld?

Krupp: Darüber reden wir gerade mit dem Finanzministerium. Aber wir würden zunächst gern aus eigenen Mitteln bauen. Damit sollten wir ein paar Tausend Wohnungen schaffen können.

IZ: Die Abführungsverpflichtungen - 2018 hat die Bima 2,5 Mrd. Euro an den Bund überwiesen - würden also erst einmal eingehalten.

Krupp: Ja.

IZ: Die Bima hat gut 36.000 eigene Wohnungen. Werden da die Mieten gedämpft?

Krupp: Wir orientieren uns in der Regel am Mietspiegel, damit sind die Mieten in den meisten Städten gedämpft. Aber wir überlegen auch, was wir dort machen, wo auch der Mietspiegel mit dem bezahlbaren Wohnen nicht mehr vereinbar ist.

IZ: In München, Berlin, Hamburg ...

Krupp: Es geht vor allem um München. In Berlin und Hamburg kommen die Mieter mit dem Mietspiegel in unseren Bestandswohnungen noch eher klar.

IZ: Herr Krupp, vielen Dank fürs Gespräch.

Das Interview führte Christine Rose.

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