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Märkte | 18.04.2019

Aus IZ16/2019, S. 5

Von Daniel Rohrig

In diesem Artikel:

Dublin wird für Real I.S. immer interessanter

Quelle: Pixabay, Urheber: mailgres
Die irische Hauptstadt Dublin wird laut Jochen Schenk besonders stark vom Brexit profitieren. Die Real I.S. hat dort vier Objekte.

Quelle: Pixabay, Urheber: mailgres

Seit Oktober 2018 ist Jochen Schenk neuer Vorstandschef der Bayern-LB-Tochter Real I.S. In der Personalpolitik möchte er neue Akzente in Richtung einer stärkeren Spezialisierung setzen, er lobt Irland und Australien als Investitionsstandort und möchte sich stärker in Richtung Citylogistik orientieren.

Immobilien Zeitung: Herr Schenk, Sie haben gerade gemeinsam mit der European Business School das dritte Innovationsbarometer veröffentlicht. Was bedeuten die Ergebnisse konkret für die Real I.S.?

Jochen Schenk: Die Ergebnisse des Innovationsbarometers, welches wir in diesem Jahr erstmalig mit CBRE durchgeführt haben, zeigen deutlich, dass auch Asset- und Investment-Manager zukünftig innovativer und bestehende Strukturen und Prozesse angepasst werden müssen. Nur so kann auf die Veränderungen der Immobilienbranche reagiert werden. Für den Arbeitsalltag bedeutet dies, dass wir nicht vom selben Mitarbeiter morgens Kreativität und nachmittags Kontrolltätigkeiten erwarten können. Hier müssen wir nachjustieren und die Stärken richtig gewichten.

IZ: Planen Sie in diesem Jahr die Emission neuer Investmentfonds?

Schenk: Um Pfingsten herum planen wir im Privatkundengeschäft die Auflage eines Australien-Fonds. Das ist ein Anlageobjekt in Canberra in der Nähe des Regierungssitzes als geschlossenes Investmentvermögen. Wir streben eine Ausschüttungsquote von 4,5% bis 5,5% an. Das funktioniert deshalb, weil der Markt "down under" eine andere Einkaufsrenditebasis hat. Für Deutschland und Europa können wir Renditen in dieser Form derzeit nicht bieten. Eventuell emittieren wir dieses Jahr noch einen weiteren Fonds im Privatkundengeschäft. Ansonsten sind wir derzeit ausschließlich im institutionellen Bereich aktiv.

IZ: Es soll in Australien aber die eine oder andere Preisüberhitzung geben.

Schenk: In der Einschätzung des Immobilienmarktes muss zwischen Wohn- und Büroimmobilien unterschieden werden: Die Leerstandsraten für Büroimmobilien in Melbourne und Sydney liegen auf einem Rekordtief, die Mieten steigen daher weiter an. Auch die kleineren Städte wie Canberra oder Adelaide zeigen eine robuste Nachfrage im Vermietungsmarkt. Die Fundamentalsituation der großen Büromärkte in Australien ist daher vergleichbar positiv mit der deutscher A-Städte, jedoch sind in Australien noch höhere Ankaufsrenditen zu erzielen. Eine unmittelbar bevorstehende Korrektur der Preise für Büroimmobilien ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich.

IZ: Gegen den britischen Markt haben Sie jedoch große Vorbehalte. Der Londoner Büromarkt ist doch aber trotz Brexits bei Investoren beliebt.

Schenk: Von wem kommt denn diese ungewöhnliche Stabilität auf dem Londoner Markt? Die großen Zukäufe auch in den vergangenen zwei Jahren der Brexit-Angst waren geprägt durch die Zukäufe asiatischer und russischer Investoren. Deutsche und europäische Anleger waren dagegen seltener zu finden. Aus unserem deutschen institutionellen Kundenkreis erleben wir aktuell keine richtige Begeisterung für diesen Markt. Zu Krisenzeiten 2009 haben die Märkte dort am stärksten reagiert. Grund: Viele Investments dort sind börsennäher strukturiert, die Volatilität ist deutlich höher. Wir bleiben also weiter zurückhaltend. Stattdessen sind wir in Dublin aktiv. Dort haben wir derzeit vier Objekte und zwei in Cork. Hierhin verlegen viele Unternehmen aus London ihre Aktivitäten. Das sind nicht nur Banken, sondern auch große IT-Konzerne und Wirtschaftsunternehmen, die in der EU bleiben wollen.

IZ: Planen Sie weltweit den Ausbau von Tochtergesellschaften oder Niederlassungen?

Schenk: Konkret ist nach der Eröffnung der neuen Büros in Madrid und Amsterdam aktuell nichts geplant. Wir nehmen aber Irland genauer unter die Lupe. Falls wir uns entscheiden, unsere Assets under Management dort deutlich auszubauen, könnte eine Niederlassung sinnvoll sein.

IZ: Haben Sie in diesem Jahr neue Regionen oder Strategien in Deutschland im Blick?

Schenk: Wir haben kürzlich beispielsweise einen Deal im TechPark Erlangen gemacht und sind damit immer mehr außerhalb von A-Standorten unterwegs. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass Einzelhandel und Logistik insbesondere in den Innenstädten zusammenwachsen. Das schauen wir uns gerade genau an.

IZ: Bislang sind Sie im Logistikbereich eher unterrepräsentiert.

Schenk: Wir haben unseren Anteil auf bislang acht Logistikzentren ausgebaut und überlegen sogar die Auflage eines Logistikfonds. Aber ja, im Vergleich dazu sind es 23 Einzelhandelsobjekte. Wir wollen die Logistik insgesamt neu denken. Gerade in den Innenstädten werden wir große Veränderungen erleben. Ein Beispiel ist der Umbau des Forums Steglitz in Berlin. Wir nehmen eine große Investitionssumme in die Hand und bauen es für etwa 70 Mio. Euro um. Als neuen Ankermieter präsentiert das Center einen neu entwickelten Edeka-Markt. Zwei Etagen widmen wir zu Büroräumen um und schließen derzeit Mietverträge ab.

IZ: Damit stärken Sie aber wieder eher ihren traditionellen Büroschwerpunkt…

Schenk: Wir bringen aber auch den Mut auf, ein Shoppingcenter so anzufassen, dass wir es hinterher völlig neu positionieren können.

IZ: Wie schätzen Sie für 2019 die Trends, Risiken und Entwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt ein?

Schenk: Er wird in etwa auf dem bisherigen Niveau bleiben. Preissteigerungen sehen wir grundsätzlich kaum noch. Nicht zuletzt deshalb, weil wir auf einem Level sind, wo viele deutsche institutionelle und regulierte Investoren an die Grenze des Machbaren kommen. Der Trend geht immer weiter Richtung Forward Deals. Eine EZB-Leitzinserhöhung sehen wir frühestens im kommenden Jahr.

IZ: Herr Schenk, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Daniel Rohrig.

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