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Märkte | 04.04.2019

Aus IZ14/2019, S. 9

Von Monika Hillemacher

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Umweltschutz Nord
  • Organisationen:
    Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB)
  • Personen:
    Gerd Horstmann, Dirk Stern
  • Immobilienart:
    Industrie

Wenig Deponieplatz treibt Baupreise

Zu den Kehrseiten des Baubooms gehören lange Wartezeiten, knappe Rohstoffe und stetig steigende Kosten. Der nächste preistreibende Engpass zeichnet sich beim Deponieraum für Bauschutt ab.

Schon jetzt ist es schwierig, Erde, Steine, Sand und was sonst noch beim Baggern und Abreißen anfällt, zu entsorgen. 240 Mio. Tonnen jährlich - allein die schiere Menge infolge der massiven Bautätigkeit bereitet den Baufirmen Probleme. Außerdem wird immer häufiger schadstoffbelasteter Aushub zutage gefördert. Auch dies ist im Grunde genommen eine Folge des Baubooms. "In innerstädtischen Lagen geht man in die Tiefe und erreicht mit Trümmern und Altlasten kontaminierte Bereiche", erläutert Gerd Horstmann, Geschäftsführer der zur Zech-Gruppe gehörenden Umweltschutz Nord. Solcher Aushub muss meistens auf die Deponie. Doch die vorhandenen liegen entweder nicht in der Nähe der Baustellen, oder sie sind ausgelastet. Das alte Prinzip "wegfahren und hinkippen funktioniert nicht mehr".

Eine Folge ist Mülltourismus. Das Material wird auf Lastwagen verladen und durch die Republik zu einem Abladeplatz gekarrt. Entfernungen von 50 Kilometer und mehr sind Horstmann zufolge keine Seltenheit. Der Transport verursacht Extrakosten, die das Bauen verteuern. Das Ablagern wird ebenfalls nicht billiger. Eine Tonne Boden kostete vor Jahren 15 Euro, inzwischen seien um die 40 Euro zu zahlen, für eine Tonne Dämmmaterial etwa 260 Euro. "Diese Kosten stehen Bauprojekten im Weg", resümiert Horstmann. Nach einer Schätzung des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie (HDB) legte der Preis für die Entsorgung der Bauabfälle von 10% auf 20% zu. Eine Musterrechnung der Bauwirtschaft veranschlagt die Zusatzausgaben für ein unterkellertes Zweifamilienhaus in Stuttgart auf inzwischen 30.000 Euro. Außerhalb der Ballungsräume schlagen die höheren Preise ebenfalls zu Buche. "Die Architektin hat 4.000 Euro einkalkuliert für die Entsorgung der Bauabfälle. Wir sollen uns aber auf das Doppelte einstellen", klagt eine Bauherrin, die im Münsterland ein Eigenheim ohne Keller errichten lässt.

Die von Bund und Ländern geplante Mantelverordnung für Bauabfall wird das Problem aus Branchensicht verschärfen. Die Verordnung beabsichtigt, den bislang unterschiedlichen Umgang der 16 Bundesländer mit Aushub und Schutt bundesweit einheitlich zu regeln. Diskutiert wird das Thema schon seit 15 Jahren; im kommenden September soll voraussichtlich der Bundesrat entscheiden.

Hinter den Kulissen ringen Politik und Wirtschaft jedoch weiterhin um Schadstoffgrenzwerte und Mengen. Strittig ist u.a., wie viel belastetes Material künftig wiederverwendet werden darf. Zum Beispiel in Lärmschutzwällen, als Unterbau für Straßenbelägen und Bahngleise. Die Mantelverordnung könnte dies stark einschränken. "Abfall für den Lärmschutz müsste künftig deponiert werden, wenn die Grenzwerte gesenkt werden", sagt Dirk Stern, Leiter Umwelt und technischer Arbeitsschutz beim HDB.

Weil die Verordnung strengere Regeln für die Verwertung vorsieht, würde deutlich mehr Bauabfall als bisher auf Deponien landen. Die Bundesregierung rechnet mit einem Plus von bis zu 13 Mio. t pro Jahr. Das entspräche einer Steigerung um mehr als 50% im Vergleich zu 2016 (22 Mio. t). Die Baubranche hält diese Schätzung für zu optimistisch. Sie geht von jährlich 50 t zusätzlich aus. Nach ihrer Hochrechnung käme es in spätestens acht Jahren "zum absoluten Deponienotstand".

Der Weg, Aushub zum Verfüllen von Sandgruben zu nutzen, ist bereits holpriger geworden. Zum einen dürfen nur noch sehr schwach kontaminierte Materialien eingebracht werden. Zum anderen wird das für Mörtel und Beton notwendige Sediment knapp (und teurer), weil Erweitern und Anlegen von Sandgruben seltener genehmigt wird und Landwirte ihr Land teuer als Bauland verkaufen statt an Kies- und Sandwerke. In Sachen Deponie sorgt die Zech-Gruppe vor. Sie stellt sich im Landkreis Oldenburg eine eigene hin.

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