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Unternehmen | 04.04.2019

Aus IZ14/2019, S. 8

Von Christine Rose

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    LEG Immobilien
  • Personen:
    Thomas Hegel, Lars von Lackum
  • Immobilienart:
    Wohnen

"Wir sollen zum Buhmann werden"

Quelle: LEG Immobilien AG
Lars von Lackum (links) und Thomas Hegel sagen bei einer Durchschnittsmiete von 5,67 Euro/m2: "Die LEG ist kein Preistreiber."

Quelle: LEG Immobilien AG

In Kürze übernimmt Lars von Lackum von Thomas Hegel den Vorstandsvorsitz von LEG Immobilien - in einer Zeit, in der Proteste und Initiativen gegen stark steigende Mieten immer mehr werden. "Wir sind keine Preistreiber", sagt von Lackum. Hegel lenkt den Blick auf die Politik. Er fordert weniger Regulierung, bessere Bedingungen für Neubau und "wichtig: eine verlässliche Politik".

Immobilien Zeitung: Herr von Lackum, vor Ihrem Wechsel zu LEG waren sie für Ergo tätig. Versicherungs- und Wohnungswirtschaft - das sind zwei Branchen, denen das Vertrauen von Politik und Bevölkerung gehörig abhanden gekommen ist. Was lässt sich dagegen tun?

Lars von Lackum: Beide Branchen müssen ein besseres Kundenverständnis entwickeln. Mit Blick aufs Wohnen heißt das: Wir haben zwar einen Nachfrageüberhang, aber wir müssen uns darauf einstellen, dass die Anforderungen der Mieter an die Service- und die Bereitstellungsqualität steigen.

IZ: Dafür protestiert derzeit niemand. Es geht um stark steigende Mieten.

von Lackum: Wohnen ist wohl das am stärksten emotional behaftete Gut. Und wie die Versicherer, aber weniger stark, wurde die Wohnungswirtschaft in den vergangenen Jahren politisch reguliert. Ich glaube aber, dass sie mit ihrem Produkt einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen liefert. LEG hat im vergangenen Jahr für durchschnittlich 5,67 Euro/m2 vermietet, in Köln teils für unter 5 Euro/m2. Wir sind keine Preistreiber.

Thomas Hegel: Die Durchschnittsmiete in Nordrhein-Westfalen beträgt derzeit 6,85 Euro/m2. Die großen Bestandshalter liegen darunter. Sie garantieren preiswerten Wohnraum. Die LEG hat die Mieten im vergangenen Jahr um durchschnittlich 3% erhöht. Das sind, Pi mal Daumen, bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 65 m2 und 5,70 Euro/m2 Miete, 11 Euro mehr im Monat. Darüber reden wir hier.

IZ: Wir reden über Durchschnittswerte, die aber nicht die Mietsteigerungen widerspiegeln, wenn modernisiert wird. Und genau das tun etliche Vermieter derzeit kräftig - auch LEG, die allein in den kommenden beiden Jahren jeweils 200 Mio. Euro in wertsteigernde Maßnahmen investieren will.

Hegel: Die meisten unserer Maßnahmen sind energetische Modernisierungen - die kosten Geld. Wir erfüllen damit Energieanforderungen, und wir tragen so dazu bei, dass die CO2-Ziele der Bundesregierung erreicht werden können. Dies sind politische Ziele. Vor allem aber sind wir der Bestandspflege verpflichtet, und die verfolgen wir mit Augenmaß. Luxusmodernisierungen verurteilen wir.

von Lackum: Von den 3% Mietsteigerung im vergangenen Jahr entfallen 0,8 Prozentpunkte auf Modernisierung. Infolge von Modernisierungen haben wir die Miete in diesen Wohnungen um durchschnittlich 83 Cent/m2 erhöht. Das ist viel weniger, als andere Unternehmen genommen haben.

IZ: Vonovia, wie LEG börsennotiert und auf Nordrhein-Westfalen fokussiert, hat die Mittel für energetische Modernisierungen deutlich gekürzt. Sie bleiben auch nach dem Mietrechtsanpassungsgesetz bei Ihrem Investmentprogramm. Warum?

von Lackum: Wir vergleichen uns grundsätzlich nicht mit Wettbewerbern, erläutern aber gerne unser Programm: Wir prüfen sehr genau, ob Modernisierungen zum Quartier, zum Bestand und den Menschen passen. Es geht nicht darum, Mieter herauszumodernisieren, sondern unseren Bestand zukunftsfähig zu halten oder zu machen. Deshalb sind wir von dem neuen Gesetz kaum betroffen.

Hegel: Als Marktteilnehmer sind wir aber sehr wohl davon betroffen. Es wird Stimmung geschürt im Sinne von: Ihr treibt die Mieten durch Modernisierung hoch und uns dadurch aus den Wohnungen. Die Unternehmen sollen hier zum Buhmann gemacht werden. Das Wohnraumproblem wird aber nur gelöst, wenn alle zusammenwirken: wenn Bauland ausgewiesen wird, wenn die Politik in der Bevölkerung eine Stimmung pro Bauen schafft und auch gegen Proteste den Rücken für Neubau gerade macht.

IZ: Auch LEG will nun - wieder - Wohnungen bauen.

Hegel: Ja, in unserem Bestand und auf Grundstücken, sollten wir zukaufen können. Aber wir sind nicht die einzigen, die Bauland suchen.

IZ: Sie sehen ein Potenzial für etwa 1.000 neue Einheiten. Das ist überschaubar.

von Lackum: Für die 1.000 Wohnungen lege ich meine Hand ins Feuer, die bauen wir sicher auf unseren Flächen. Es können auch mehr werden, aber das hängt von den Kommunen ab. Wir haben zum Beispiel einen Bestand mit 600 Wohnungen, den würden wir gern abreißen und stattdessen 1.200 neue Einheiten errichten. Dafür müssen aber Politiker, Bewohner und Anwohner dialogbereit sein. Auch bei einem Nachverdichtungsprojekt diskutieren wir intensiv: In eine umliegende Bebauung mit dreieinhalb Geschossen möchten wir ebenfalls dreieinhalb Geschosse bauen, sollen aber runter auf drei. Damit entfiele Fläche, und es wird für uns schwer, risikoadäquat zu bauen.

IZ: Zu welchen Preisen wollen Sie bauen und vermieten?

von Lackum: In Münster haben wir auf einem eigenen Grundstück unser erstes Neubauprojekt mit gut 3.400 m2 Wohnfläche abgeschlossen. Das hat, ohne Grundstück, etwa 2.200 Euro/m2 Wohnfläche gekostet. Je nach Lage und Standard der Projekte können die Kosten um 10%, 15% nach oben oder unten gehen. Vermietet wurde in Münster für 12 bis 12,50 Euro/m2. Grundsätzlich sind für uns Mieten oberhalb von 10 Euro wirtschaftlich darstellbar.

IZ: Sie haben mehrmals deutlich gemacht, dass Sie die Politik in der Verantwortung sehen. Was erwarten Sie im Wesentlichen?

Hegel: Weniger Regulierung, das heißt unter anderem, den Mietspiegel zu entpolitisieren: dafür zu sorgen, dass er wirklich den Markt abbildet. Mehr Unterstützung für Wohnungsunternehmen als Partner der Politik. Ländliche Räume zu stärken. Und sehr wichtig ist eine verlässliche Politik. Die Kappungsgrenze von 3 bzw. 2 Euro/m2 wurde in einer Nacht- und Nebelaktion ins Mietrechtsanpassungsgesetz eingefügt. Das hat uns überrascht. Das hat uns entsetzt. Vor allem aber ist es schädlich für Investitionen.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christine Rose.

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