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Märkte | 04.04.2019

Aus IZ14/2019, S. 7

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Savills, CoworkingGuide
  • Personen:
    Stephan Schörnig, Panajotis Aspiotis, Eri Mitsostergiou, Benjamin Plass
  • Immobilienart:
    Büro

Coworkingmakler streichen rund 10% der Miete ein

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber Robin Göckes
Am Coworkingtrend wollen auch Plattformen im Internet mitverdienen, die die flexiblen Büroflächen gegen Provision vermitteln.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber Robin Göckes

Rund um die wachsende Coworkingbranche hat sich im Internet das Geschäft mit der Vermittlung der flexiblen Arbeitsplatzlösungen etabliert. Noch allerdings steckt das Geschäftsmodell in den Kinderschuhen, zumindest in Deutschland.

Immer mehr Standorte, immer mehr Betreiber und Anbieter, immer weniger Durchblick: Wer derzeit in einer der deutschen Metropolen auf der Suche nach einem flexiblen Arbeitsplatz für sich oder seine Mitarbeiter ist, hat die Qual der Wahl. Den Dschungel lichten wollen diverse Vermittlungsportale. Diese bauen ihr Geschäftsmodell darauf auf, für ihre Kunden möglichst passgenau das richtige Coworkingcenter zu finden oder zumindest die Auswahl zu verkleinern.

Noch allerdings steckt das Geschäft der Coworkingmakler in Deutschland in den Kinderschuhen. "Wir haben vor zwei Jahren angefangen und bewegen uns derzeit monatlich im hohen vierstelligen Nutzerbereich. Zufrieden sind wir damit noch nicht. Am Ende dieses Jahres wollen wir fünfstellige monatliche Nutzerzahlen zu haben", sagt Benjamin Plass, einer der Mitgründer des Portals CoworkingGuide. Deutschland sei der Kernmarkt der Vermittler, Österreich und die Schweiz sollen aber ebenfalls verstärkt in den Blick genommen werden. Derzeit sind etwa 300 Standorte auf der Homepage gelistet. "Unsere Zielgruppe sind einerseits Freelancer, vor allem aber auch Unternehmen, die bei uns Anfragen nach 50 bis 150 Arbeitsplätzen hinterlegen. Das ist unsere Kernzielgruppe und solche Anfragen sind auch keine Seltenheit", erklärt Plass. Die Brandbreite der Anfragen und Kunden reiche von den großen Corporates in den Metropolen bis hin zu kleinen Unternehmen mit nur wenigen Standorten auch in B- oder C-Städten.

CoworkingGuide ist mit der Vermittlerrolle zwischen Nutzer und Coworkinganbieter im Internet zwar bei weitem nicht alleine, zählt aber bereits zu den eher etablierten Plattformen. Ebenso wie etwa Workthere. Die Vermittlerplattform wurde von Savills als Tochterunternehmen gegründet und war zunächst in Großbritannien und Frankreich aktiv, ehe sie 2017 auch in Deutschland an den Start ging. "Wir wollen mehr Transparenz in den deutschen Markt der flexiblen Arbeitsplatzlösungen bringen. Wir profitieren dabei davon, dass wir mit Savills ohnehin in vielen Städten vor Ort sind und die Gegebenheiten kennen. Ein weiterer Vorteil ist die organisatorische Nähe zu unserer klassischen Bürovermietung", sagt Stephan Schörnig, Workthere Manager Germany bei Savills.

Der Markt in Deutschland wachse, das sei nicht zu übersehen. "Letztes Jahr hatten wir in Deutschland rund 550 Standorte verzeichnet, jetzt sind wir schon bei etwa 750. Und man sieht auch, dass die Anbieter inzwischen auch in kleineren Städten aggressiver zu Werke gehen als noch vor einem Jahr. Das Angebot geht spürbar in die Breite. Die Flächenabdeckung ist dafür ein Argument", ergänzt Panajotis Aspiotis, Managing Director bei Savills.

Im Schnitt umfassen die Anfragen, die bei Workthere eingehen, 15 Arbeitsplätze, die meist für temporäre Teams gedacht seien, erklärt Schörnig. "Im vergangenen Jahr hatten wir aber auch eine Anfrage über 120 Arbeitsplätze in der Spitze." Zur Zahl der bislang über die Plattform vermittelten Arbeitsplätze äußert sich das Unternehmen nicht.

Dass insgesamt bislang noch keine Massen an neuen Kunden über die Plattformen im Internet zu den Coworkingbetreibern strömen, wird bei einem Blick auf deren Zahlen deutlich. "Der Prozentsatz der Kunden, die wir über solche Partner gewinnen, liegt aktuell bei circa 2% bis 3%", heißt es etwa von Mindspace. Der Coworkinganbieter arbeite "mit ausgewählten Partnern, unter anderem dem Portal CoworkingGuide, zusammen. "Im Grunde fungieren solche Partner als Onlinemakler. Zudem sehen wir oft, dass Kunden, die bei uns bereits angefragt haben, sich über solche Plattformen über uns oder auch andere Coworkingangebote weiter informieren. Daher ist uns die Präsenz dort wichtig", heißt es von Mindspace.

Für die Nutzer sind die Dienste von Plattformen wie Workthere oder CoworkingGuide in aller Regel kostenfrei. Geld verdienen die Unternehmen mit den Provisionen, die ihnen von den Coworkinganbietern für die Vermittlung gezahlt werden. "Das Geschäftsmodell funktioniert über die Vermittlungsgebühren. 12% der Miete sind üblich, es ist aber abhängig von der Mietdauer", sagt Benjamin Plass von CoworkingGuide. Er plädiert allerdings für Veränderungen. "Wichtig ist, dass die Coworkingbranche an einem Strang zieht und den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Wenn die Vermittlungsprovision nach einem Jahr wegbricht, hat jeder Vermittler einen finanziellen Anreiz, den Kunden ein zweites Mal anzusprechen und im Zweifel an die Konkurrenz zu vermitteln", sagt er. Bei Workthere spricht man von rund 10%, die von den Anbietern als Vermittlungsgebühr gezahlt werden.

Beide Anbieter berichten aber auch von Sondertarifen, die es immer dann gebe, wenn den Anbietern besonders daran gelegen ist, die Auslastung nach oben zu treiben. "Etwa zu Neueröffnungen oder auch mal zum Ende des Jahres", erklärt Schörnig. Benjamin Plass hat ein konkretes Beispiel parat. "WeWork hat zum Ende des vergangenen Jahres das Doppelte gezahlt, also 20%. Dafür haben sie allerdings auch an einigen Standorten die Preise heruntergesetzt", berichtet er.

Coworking im europäischen Vergleich

Der Mangel an verfügbaren Büroflächen dämpft die Entwicklung des Angebots der Anbieter flexibler Büroflächenkonzepte. Das ist ein Ergebnis eines Reports der Coworkingplattform Workthere, die zu Savills gehört. Untersucht wurden für den Report der Status quo wie auch die Entwicklungserwartungen in europäischen Großstädten. "Aufgrund der dynamischen Start-up-Szene und der guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten konnte sich Berlin unter den europäischen Hotspots als deutscher Spitzenreiter durchsetzen. Im Vergleich zu den übrigen untersuchten Metropolen besteht jedoch noch reichlich Nachholbedarf", sagt Stephan Schörnig, Workthere Manager Germany bei Savills. Angesichts einer Büroleerstandsquote von 1,5% sei es für die Anbieter flexibler Arbeitsplatzlösungen eine Herausforderung, passende Flächen zu finden. Das limitiere das weitere Wachstum von Coworkern, sodass im vergangenen Jahr in Berlin lediglich 3,8% des Flächenumsatzes auf dieses Segment entfielen. In anderen deutschen Großstädten zeigt sich ein ähnliches Bild. "In Frankfurt waren nur 6,6% der neu angemieteten Bürofläche temporär, in Hamburg waren es 3,5% und in München lediglich 2,2%." Daten aus anderen europäischen Großstädten machen deutlich, wie viel Potenzial theoretisch gegeben wäre: Die Studie zeigt, dass im vergangenen Jahr 24,8% des Büroflächenumsatzes in Stockholm sowie 22% in Brüssel auf das Flexible-Workspace-Segment entfielen. Die Vermietung flexibler Büroflächen an den analysierten Standorten sei im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 20% auf fast 830.000 m² gestiegen. "Das entspricht 9,9% der gesamten Vermietungsleistung, während dieser Anteil noch vor drei Jahren unter 3% lag", so die Studie. Eri Mitsostergiou, Director European Research bei Savills, geht davon aus, dass sich bei weiter steigender Nachfrage und einer besseren Flächenverfügbarkeit in B-Städten in diesen künftig höhere Wachstumsraten zeigen werden. Die stärkste Nachfrage wird laut Workthere allerdings dennoch an den Topstandorten in Europa erwartet. London, Paris und Berlin landen diesbezüglich auf dem Treppchen. Im europäischen Nachfrage-Ranking landet Frankfurt auf Platz sieben, Hamburg auf zehn, München auf Rang 17. Düsseldorf muss sich mit Platz 19 zufrieden geben. rgo

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