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| 05.10.2000

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Aus IZ21/2000, S. 26

Von IZ

In diesem Artikel:

Immobilienfachwirt schlägt Chartered Surveyor

Die Immobilienwirtschaft hat in sich in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen stark verändert. In besonderem Maß gilt dies auch für die Qualifikationsanforderungen an Mitarbeiter. Eine aktuelle S [...]

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Die komplette Untersuchung mit den vollständigen Ausbildungsstätten- und Unternehmensporträts sowie den Informationen über zu besetzende Stellen und die dafür notwendigen Qualifikationen liegt in gedruckter Form vor. Sie wird kostenlos verteilt auf dem Hochschultag während der Expo Real am Freitag, den 6. Oktober (Programm siehe folgende Seite). Alle anderen Interessenten können das etwa 150 Seiten starke Werk über den Verlag kostenpflichtig nachbestellen. Studenten erhalten gegen Nachweis einen 50%igen Rabatt.

Zur Bestellung nutzen Sie bitte den Buchcoupon auf der Seite 47.

KOMMENTAR

"Immobilienfachwirt schlägt Chartered Surveyor" - so haben wir eines der interessantesten Ergebnisse unserer Umfrage zusammengefaßt. Bei der Frage, welcher immobilienspezifische Abschluß der Branche am wichtigsten ist, erhielt derjenige mit dem höchsten Image einen der niedrigsten Werte. "Den Titeln der Royal Institution of Chartered Surveyors kommen keine große Bedeutung zu", lautet auch das Ergebnis einer aktuellen Erhebung, die die Dresdner Bank Immobiliengruppe vor kurzem durchgeführt hat. Der Chartered Surveyor: Blendet hier der Schein über das Sein? Ist der vielerorts als Nonplusultra der Immobilienausbildung gefeierte "Königsweg" womöglich nur ein Holzweg? Ja, er ist es für viele.

"Wir brauchen Immobilienfachleute, die auch mal Gummistiefel oder einen Blaumann tragen." Diese Kritik äußern Personalchefs immer häufiger am elitären Gehabe manch hochgezüchteter "Top"-Leute. Viele "high potentials" sind offenbar mittlerweile so abgehoben, daß ihnen die Bodenhaftung zu ihrem Beruf vollständig verlorengegangen ist. Zur "Führung" ist man ja ausgebildet, wer muß dazu noch eine Baustelle - womöglich bei schlechtem Wetter - betreten? Kann man sich die nicht auch per Web-Cam ansehen?

Bekanntermaßen besteht kein Indianerstamm nur aus Häuptlingen, wenn doch, wäre er wohl zum Aussterben verurteilt. Auch die Immobilienwirtschaft braucht gut ausgebildete Führungskräfte, die vor allen Dingen bei internationalen Geschäftsbeziehungen ihre Qualifikationen sinnvoll einsetzen können. Doch die Jobs mit entsprechender Internationalität sind noch rar - statt Fremdsprachen forderten die von uns befragten Unternehmen Kenntnisse der gängigen Softwareprogramme.

Sicher: Die Akkreditierung der European Business School durch die Royal Institution hat seinerzeit auch in Deutschland Zeichen gesetzt. Hier war eine Meßlatte angelegt worden, die für damalige Verhältnisse kaum erreichbar schien. Aber mittlerweile gibt es zahlreiche erstklassige Ausbildungsstätten für den immobilienwirtschaftlichen Nachwuchs, die Immobilienökonomie hat sich immerhin den Rang eines Hochschulstudiums erkämpft.

Möglicherweise hat der zunächst herrschende Wildwuchs in der Ausbildungslandschaft mit dazu beigetragen, daß Unternehmen zu lange Zeit die Sicht verdeckt war auf ihre eigenen Anforderungen an eine vernünftige Ausbildung. Man versuchte sich statt dessen im Dschungel der vielen Titel und Abschlüsse zu orientieren und landete dann irgendwann bei dem, was man kannte - dem Chartered Surveyor. In der Praxis stellen genau diese Unternehmen nun fest, daß ein Titel allein nicht seligmachend ist, wenn der Job dazu nicht paßt.

Es wird noch lange dauern, bis sich hier ein vernünftiges Verhältnis zwischen Anforderungs- und Qualifikationsprofilen eingestellt hat. Zwischenzeitlich sollte man sich jedoch davor hüten, zu häufig auf einen Titel zu zeigen, dessen Träger im Herkunftsland Großbritannien vor allen Dingen durch ihre hohe Arbeitslosenquote glänzen.