Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 28.03.2019

Aus IZ13/2019, S. 5

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:
  • Städte:
    New Cairo City
  • Personen:
    Zaha Hadid, Khaled Abbas
  • Immobilienart:
    Wohnen

Ägyptens Neubauoffensive

Das nordafrikanische Land hat aufgrund des starken Bevölkerungswachstums enormen Bedarf an Stadtentwicklungsprojekten. Ideen und Investoren sind willkommen, sagt die Regierung. Grund genug, auf der weltgrößten Immobilienmesse in Cannes Flagge zu zeigen.

Der Nil Tower, entworfen von Zaha Hadid, soll vom obersten seiner 70 Geschosse einen Blick auf die 60 km entfernten Pyramiden ermöglichen.

Auf der Mipim 2018 hatte Ägypten angekündigt, es werde 2019 wiederkommen - mit eigenem Ausstellungszelt und großem Auftritt. Das Versprechen wurde erfüllt. Auch der stellvertretende Minister für Wohnungswesen, Energieversorgung und Stadtgemeinschaften, Khaled Abbas, war Teil der Delegation. Sein Ministerium hat reichlich zu tun: Aktuell stellen die Wirtschaftszweige Bau- und Immobilienwirtschaft fast 20% des ägyptischen Bruttoinlandsprodukts.

Die Bevölkerung des Landes wächst derzeit jedes Jahr um 3%. Je nachdem, wie gut die staatlichen Kampagnen zur Geburtenkontrolle wirken, wird in 40 Jahren die gegenwärtig rund 100 Mio. Köpfe zählende Bevölkerung entweder auf 150 Mio. oder, wenn sie nicht wirken, auf 180 Mio. Menschen angewachsen sein. Heute schon sind 60% der Bevölkerung unter 45 Jahren. "Das ist eine große Herausforderung", sagt Abbas, vor allem da große Teile des Landes aus unwirtlicher Wüste bestehen. "Aktuell leben die Ägypter auf ca. 7% ihres Staatsgebiets, unser Ziel ist es, die bewohnte Fläche auf 15% auszudehnen."

Mit anderen Worten: Ägypten braucht eine Neubauoffensive, um den rasend steigenden Bedarf zu decken. Wenn nicht mehr und schneller gebaut wird, weichen noch mehr Menschen in "informelle Siedlungen" aus, wie die vielen Slums des Landes offiziell genannt werden. Manche der informellen Siedlungen wurden als "nicht sichere Areale" kategorisiert, etwa weil sie direkt unter Starkstromleitungen, zwischen Gleisanlagen oder an abrutschgefährdeten Hängen liegen. All diese Gebiete sollen in den kommenden Monaten aufgelöst, die Bewohner in Neubaugebiete umgesiedelt werden, sagt Abbas. Insgesamt geht es hier um 200.000 Wohnungen, die bis Mitte 2020 fertiggestellt sein sollen. Die restlichen Siedlungen können bleiben, hier gehe es nur darum, die Infrastruktur zu verbessern. Allein für den sozialen Wohnungsbau hat Ägypten in den vergangenen drei Jahren umgerechnet mehr als 15 Mrd. Euro investiert, eine ähnliche Summe ist für die kommenden drei Jahre budgetiert.

Doch auch die Mittelschicht wächst, sie braucht ebenfalls zusätzliche Bleiben. Also baut Ägypten ganze Städte neu - 25 Stück befinden sich im Bau oder sind wie die östlich gelegene Neubau-Variante der Hauptstadt Kairo (New Cairo) schon zu rund 70% fertiggestellt. Etwa 5 Mio. Ägypter wohnen bereits in diesen Siedlungen. "Die größte Herausforderung ist es, dort auch Jobs zu schaffen, damit es gute Gründe gibt, den Wohnort zu wechseln", weiß der Minister. Um die Bevölkerung zum Umzug zu motivieren, entstehen die neuen Städte nur vier, fünf Kilometer östlich der alten - "so hat keiner das Gefühl, er würde wirklich wegziehen". 15 weitere Städte sind bereits in Planung.

Hinzu kommt die neue, noch namenlose Hauptstadt. Sie entsteht wiederum östlich von New Cairo, die Distanz zwischen der neuen Hauptstadt und dem Zentrum der alten Metropole beträgt rund 60 km. Mitte kommenden Jahres will die Regierung den Umzug aus Kairo umgesetzt haben. Die Hauptstadt ist als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum geplant, während das alte Kairo zum Kultur- und Tourismuszentrum entwickelt werden soll. Wahrzeichen des künftigen Verwaltungssitzes ist der Nil Tower, der nach seiner Fertigstellung das höchste Haus auf dem afrikanischen Kontinent sein wird.

Stadtentwicklung ist, anders als in den entwickelten europäischen Ländern, in Ägypten eine Herkulesaufgabe. Ideen von außen seien daher willkommen, sagt Abbas. "Unsere Pläne und Konzepte sind nicht in Stein gemeißelt. Wir sind offen für Ideen aus der Privatwirtschaft, sei es in der Architektur, Stadtplanung, Finanzierung, Entwicklung und Vermarktung an Investoren." Zurzeit sind es vor allem die Golfstaaten und China, die sich am Nil engagieren.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!