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Märkte | 21.03.2019

Aus IZ12/2019, S. 27

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:

Spagat zwischen Leerstand und Neubaubedarf

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
Wohnungsüberhang ist in der Landeshauptstadt Erfurt überhaupt kein Thema.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Thüringen. Der Freistaat steht in den nächsten Jahren vor der großen Herausforderung, den heterogenen Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen: Während einerseits Bedarf für rund 40.000 neue Wohnungen besteht, wird in manchen ländlichen Gegenden ein hoher Leerstand prognostiziert.

Schätzungsweise 44.200 Einheiten könnten 2030 landesweit ohne Nutzer sein. Das geht aus dem aktuellen Wohnungsmarktbericht des Freistaats Thüringen hervor, den das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft erstmals seit 2012 herausgegeben hat. Der Bericht zeigt die divergente Entwicklung des Wohnungsmarkts in den verschiedenen Regionen und in den kreisfreien Städten auf und errechnet den künftigen Bedarf bzw. Überhang von Wohnraum anhand der Bevölkerungsprognose.

Demnach lebten Ende 2017 rund 2,15 Mio. Menschen im Freistaat. Dieser Wert sei zwar nach langen Jahren anhaltender Bevölkerungsverluste stabil, trotzdem sei dies nicht der natürlichen Bevölkerungsentwicklung, sondern Wanderungsbewegungen zu verdanken: Nur durch die Zuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten und durch arbeitsmarktorientierte Zuwanderung aus den EU-Mitgliedsstaaten konnte die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung seit 2015 mehr als ausgeglichen werden. In den kommenden elf Jahren wird Thüringens Bevölkerung aufgrund des demografischen Wandels aber wieder schrumpfen. Knapp 10% weniger Einwohner (-211.400) wird der Freistaat der Prognose zufolge 2030 haben.

Das sind keine schönen Aussichten, zumal einigen ländlichen Regionen, vor allem im Südosten und Osten von Thüringen, besonders starke Einwohnerverluste drohen. Im Altenburger Land werden beispielsweise 16,5% weniger Menschen leben, in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg wird ein Bevölkerungsverlust von 14,5% erwartet, in der Stadt Suhl fast 20%. Lediglich für Erfurt und Jena wird ein Bevölkerungswachstum von rund 2% bzw. 1,7% erwartet.

Die landesweit schrumpfende Zahl der Einwohner wird sich dennoch nicht überall auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar machen, weil gleichzeitig mit der alternden Bevölkerung und dem Trend zur Singularisierung die Zahl der kleineren Haushalte steigt und die zurückgehende Zahl der Familienhaushalte zunächst auffängt. Bis Anfang 2020 werde die Zahl der Haushalte entgegen der Bevölkerungsentwicklung sogar weiter ansteigen, dann aber langsam sinken. Landesweit wird es etwa 25.000 weniger Haushalte geben (-2,3%). Allerdings profitieren längst nicht alle Regionen oder kreisfreien Städte von den steigenden Haushaltszahlen. Während zum Beispiel Erfurt mit einem Plus von 8,9% rechnen darf, sieht die Prognose für Suhl finster aus. Ein Rückgang von 21,1% wird dort bis 2030 erwartet.

So uneinheitlich wie die Entwicklung der Haushaltszahlen stellt der Wohnungsmarktbericht auch die Entwicklung von Leerstand und Wohnraumbedarf im Prognosezeitraum dar. Erfurt ist dem Bericht zufolge die einzige Stadt, in der es auch in Zukunft keinen Wohnungsüberhang geben wird. Hier müssten bis 2030 auch mit großem Abstand die meisten neuen Bleiben entstehen. Laut dem Bericht liegt der Bedarf bei 13.140 Einheiten. Unter den Landkreisen droht lediglich dem Weimarer Land kein Leerstand, in manchen Ecken des Landes wie im Kyffhäuserkreis oder in Jena halten sich Neubaubedarf und Überhang in etwa die Waage, während an anderen Orten der Leerstand überwiegt und sich landesweit auf mehr als 44.000 Einheiten summiert. Dennoch gibt es flächendeckend einen Neubaubedarf von rund 40.000 Wohnungen, vor allem weil Wohnqualitäten wie zeitgemäße Grundrisse oder Barrierefreiheit im Bestand nicht gegeben sind. Das Fazit von Infrastrukturministerin Birgit Keller (Die Linke): "Auf dem Land konzentrieren wir uns auf die Modernisierung von vorhandenem Wohnraum, um Leerstand zu vermeiden. Und da der Altersdurchschnitt überall in Thüringen steigt, werden wir weiterhin barrierereduzierte und altersgerechte Wohnungen fördern."

Den vollständigen Wohnungsmarktbericht finden Sie unter: https://www.thueringen.de/th9/

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