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Unternehmen | 21.03.2019

Aus IZ12/2019, S. 7

Von Peter Maurer

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    A&O Holding, TPG Capital
  • Organisationen:
    International Hotel Investment Forum (IHIF)
  • Personen:
    Oliver Winter
  • Immobilienart:
    Hotel & Gastronomie

"Billiger ist es nur unter der Brücke"

Urheber: Peter Maurer
A&O war erstmals als Aussteller auf dem International Hotel Investment Forum vertreten. Der Stand wirkte etwas deplatziert, aber so präsent wie diesmal war das Thema Hostels auf der Konferenz noch nie.

Urheber: Peter Maurer

Ziel der Hostelkette A&O ist die Preisführerschaft - sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den gezahlten Pachten. A&O-Chef Oliver Winter weiß aber auch, dass er deshalb bei den Projekten nicht zu wählerisch sein darf. "Aus fast jeder Immobilie können wir etwas machen!", sagt er.

Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor TPG vor zwei Jahren hat das Wachstum bei A&O nochmals einen Schub bekommen: Um 15% auf 152 Mio. Euro ist der Umsatz vergangenes Jahr gestiegen, für dieses Jahr ist eine ähnliche Wachstumsrate geplant. Bei den Übernachtungen lag der Zuwachs ebenfalls bei 15% auf 5 Mio. Dabei punktet die Hostelkette vor allem mit günstigen Preisen: Ab 12 Euro kostet die Übernachtung in einem A&O, im Schnitt sind es 25 Euro. "Billiger ist es nur unter der Brücke", warb Winter auf dem Podium des International Hotel Investment Forums (IHIF).

Auf der anderen Seite hat A&O ein Imageproblem, weil es bei den Berlinern doch recht schlicht zugeht. Diese Grundhaltung zeigte auch der Stand auf dem IHIF, wo A&O erstmals als Aussteller vertreten war: Während Nachbar Accor die eigenen Markennamen auf einer großen Videowand präsentierte, hatte A&O Luftballons dabei. Und während andere Hotelketten mit ihren luxuriösen Betten warben, hatte A&O ein Hochbett aufgebaut.

Als Folge dieser Haltung kommen die Gäste zwar wegen des Preises gerne zu A&O, haben dann aber viel zu meckern - die einschlägigen Onlineportale sind voll von mäßigen Bewertungen. Das Problem hat Winter erkannt und will mit einer Designoffensive gegensteuern. Über 30 Mio. Euro sollen in deren Rahmen in die Bestandhäuser investiert werden. Im A&O Berlin Mitte wurde das Konzept bereits umgesetzt. In der Folge sei die Durchschnittsbewertung bei Booking.com von 6,2 Punkten auf 7,6 (von maximal 10) gestiegen, berichtet Winter stolz.

Über die Aufwertungen von Konkurrenzprodukten wie z.B. bei Generator Hostels freut sich Winter, denn dadurch würde der Preisabstand steigen. Einen Widerspruch zu den eigenen Designinvestitionen sieht Winter nicht. Durch das neue Design will er eine breitere Zielgruppe ansprechen und so die Bettenauslastung von aktuell 61% auf 65% bis 70% steigern. "Wenn das aufgeht, müssen wir gar nicht teurer werden."

Um die niedrigsten Preise anbieten zu können, bietet A&O auf der Immobilienseite die niedrigsten Pachten. "Hoffentlich", wie Winter sagt. Deswegen sei allerdings klar, dass A&O keine Deals ohne Haken und Ösen bekommt. "Schrullige Gebäude, die irgendeine Macke haben", sind Winters Beuteschema. Das können ungünstige Innenmaße oder zu wenig Parkplätze für eine normale Hotelnutzung sein, aber auch eine Asbestsanierung schreckt A&O nicht.

Das Unternehmen bietet Eigentümern zudem ein Rundumsorglospaket und nimmt ihnen das Developmentrisiko ab. Das heißt, A&O kümmert sich für einen Festpreis um den Umbau der Immobilie und zahlt ab einem festgelegten Datum die Miete - ob das Projekt bis dahin fertig ist oder nicht. Auch sonst sei A&O ein sehr pflegeleichter Mieter, wirbt Winter. "Wir zahlen über die Vertragslaufzeit von 25 oder 30 Jahren die Miete, schicken jährlich eine Weihnachtskarte und sonst hört der Vermieter nichts von uns."

Trotzdem sei es momentan schwierig, in Deutschland "die Schnäppchen zu finden, die wir brauchen". Deswegen expandiert A&O derzeit in Spanien, Portugal, Italien, Polen und Ungarn. Noch vor zwei Jahren wäre das richtig schwer gewesen, berichtet Winter von den Problemen, das erste italienische A&O in Venedig zu realisieren. "Die deutschen Banken waren froh, dass sie aus Italien raus waren, und bei den italienischen Banken war es undenkbar, dass ich als Oliver Winter Geld bekomme." Mit dem Investor TPG im Rücken gingen dagegen die Türen der Banken in Italien oder Spanien auf. Zudem habe A&O durch TPG Cash auf der hohen Kante - und das brauche das Unternehmen, um in Italien oder Spanien die Schnäppchen zu realisieren, die ins A&O-Preisgefüge passen.

Der Autor: Peter Maurer ist Journalist in Wiesbaden.

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