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Digitales | 21.03.2019

Aus IZ12/2019, S. 2

Von Jonas Enderlein

In diesem Artikel:

Techno-Hype verhindert sinnvolle Lösungen

Jonas Enderlein, Vorstand des Serviceanbieters Solutiance, weiß: Nichts schadet der Einführung sinnvoller digitaler Techniken im Unternehmen so sehr, als wenn das Management hier nur auf oberflächliche Showeffekte setzt.

Urheber: Matthias Baumbach, Quelle: Solutiance AG
Jonas Enderlein.

Urheber: Matthias Baumbach, Quelle: Solutiance AG

Als IT-Unternehmer überrascht mich immer wieder, wie oberflächlich die Immobilienbranche mit neuen Technologien umgeht. Statt sie als Buzzwords zu verschleißen, wäre es sinnvoll, die neuen Werkzeuge gezielt einzusetzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und weitere Mehrwerte zu schaffen.

Das Problem ist ernster, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die unreflektierte Beschäftigung mit Themen wie Blockchain, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Virtual Reality etc. gefährdet die dringend notwendige digitale Transformation der Branche.

Der digitale Rückstand des Immobiliensektors auf andere Branchen beträgt heute gut zehn Jahre. Die Menschen, die sich den täglichen Herausforderungen beim Betreiben von Immobilien stellen, kämpfen fast immer mit einer teilanalogen Systemlandschaft. Technologiebrüche und Informationsdefizite sind der Normalfall. Gleichzeitig verstärkt der wachsende Personalmangel den Druck, die Prozesseffizienz zu steigern.

Doch statt sich mit systematischer Analyse und tragfähigen, digital gestützten Lösungen zu befassen, wie bspw. der Zentralisierung von Informationen mit klaren Prozessen und Anreizen zur Datenpflege für alle Beteiligten, fallen oberflächliche Entscheidungen wie: "Lasst uns was mit VR-Brillen machen!" Dann folgt die eilige Suche nach dem Anwendungsfall und die Chefetage erklärt zufrieden: "Klasse, jetzt haben unsere Handwerker beim Arbeiten die Hände frei und alle Informationen direkt im Blick." Dass es sich dabei jedoch um teuer erkaufte "Vorteile" handelt, wird (zu) spät bemerkt: Klobige Energieversorgung, unwirtschaftliche Gerätepreise und mit hoher Wahrscheinlichkeit die Unzufriedenheit des Handwerkers führen zu Frust und schließlich zum leisen Tod der Innovation.

Nicht anders verhält es sich beim Einsatz von Software. Ihre Einführung allein löst so gut wie nie das Problem. Eine Technologie zu nehmen und sich erst danach Gedanken über ihre Anwendung zu machen, ist irrational, aber leider typisch für Technologie-Hypes. Denn über den Erfolg entscheiden am Ende immer die Nutzer.

Wer Innovation schaffen will, muss also den langen Bottom-up-Weg gehen. Er muss ein Projekt interdisziplinär aufsetzen, die Nutzer mit an Bord holen und sich den neuen Technologien auf der Basis von Problemanalysen nähern. Vorsicht: Mit der heißen Nadel gestrickte Lösungen bremsen den technologischen Fortschritt der Immobilienbranche. Und: Eine Technologie top-down zu dirigieren, funktioniert nicht.

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