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Politik | 21.03.2019

Aus IZ12/2019, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Cannes
  • Organisationen:
    Mipim
  • Personen:
    Ulrich Schüppler, Ronan Vaspart, Jacqueline Best

Letzte Runde im Caffé Roma

Die Immobilienbranche war einer der größten Profiteure der Folgen, die sich aus der Finanzkrise vor elf Jahren ergaben. Sie muss daher aufpassen, im Falle einer wirtschaftlichen Abkühlung nicht zum großen Sündenbock zu werden, meint IZ-Redakteur Ulrich Schüppler.

Quelle: IZ
Ulrich Schüppler.

Quelle: IZ

Am Abend des ersten Mipim-Tages, so wurde mir berichtet, feierten die überwiegend britischen Vertreter der Immobilienbranche im berühmten Caffé Roma, genau gegenüber dem Haupteingang der Messe in Cannes. Die Stimmung war ausgelassen, wie in den Jahren zuvor. Dass Frau May zur gleichen Zeit im Unterhaus zum zweiten Mal die Abstimmung über das ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU vergeigte, schien niemanden zu interessieren. Irgendwie würde es schon gutgehen, irgendwie würde sich die Vernunft schon durchsetzen. Doch die Politik, nicht nur in Großbritannien, sondern in allen westlichen Demokratien, handelt schon lange nicht mehr rational. Sie ist zusehends von populistischen Strömungen getrieben. Und das wird für die Immobilienbranche zum Problem.

Der Höhenflug der Immobilienbranche und der Populismus beruhen im Kern auf derselben Ursache, nämlich auf der Finanzkrise vor elf Jahren. Dass die Krise das Niedrigzinsumfeld und damit steigende Immobilienpreise begünstigt hat, bestreitet wohl niemand. Dass sie gleichermaßen soziale Verlierer produzierte und somit den Populismus nährte, ist von den Experten ebenfalls erforscht. So schrieb die kanadische Politikprofessorin Jacqueline Best im Oktober 2018: "Es hat sich herausgestellt, dass die größten Kosten der Finanzkrise von 2008 nicht die Bail-outs waren, sondern der Schaden an unserem demokratischen System."

In einem demokratischen System, das nicht richtig funktioniert, werden statt Lösungen lieber Sündenböcke gesucht. Leider bietet sich die Immobilienbranche dafür geradezu an. Finanziell hat sie in den letzten Jahren profitiert. Bei Kritik an zu hohen Preisen verweist sie jedoch reflexartig auf starre Regulierung, die die Bautätigkeit erschwere. Das mag faktisch so sein. Doch wenn die Wirtschaft schwächelt, wonach es gerade aussieht, und die Verteilungskämpfe sich verschärfen, pfeifen Politiker gerne auf Fakten.

Bei der Mipim-Abschlussdiskussion bat Messedirektor Ronan Vaspart das Publikum um Themenvorschläge für nächstes Jahr. Er war sichtlich überrascht, was da gewünscht wurde: Gespräche mit den Gelbwesten, eine Diskussion über bezahlbaren Wohnraum, Beiträge zum Klimawandel und zur Gesundheit in Gebäuden. Da waren sie, die verdrängten Themen. Vaspart versprach, sie sich genau anzusehen. Das sollte auch die Immobilienbranche tun, um zu zeigen, dass sie nicht nur an ihr eigenes Wohl denkt. Sonst könnte ihr die Politik mit Steuern und Auflagen das Spiel vermasseln und im Caffé Roma die letzte Runde einläuten.

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