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Transaktionen | 14.03.2019

Aus IZ11/2019, S. 23

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:

Wirbel um Grundstücksverkauf auf Turley

Quelle: Verband Region Rhein-Neckar, Urheber: Tobias Schwerdt
Blick auf Turley mit den brachliegenden Baufeldern (vorne), die an ein Investorenkonsortium verkauft wurden.

Quelle: Verband Region Rhein-Neckar, Urheber: Tobias Schwerdt

Mannheim. Der Ankerinvestor auf Turley hat zwei im Jahr 2015 erworbene Baufelder zum sechsfachen Wert des Einstandspreises verkauft. Quer durch die Ratsfraktionen erregt man sich nun über die Bodenspekulation und rätselt über den weiteren Fortgang.

Zwei Grundstücke auf dem früheren US-Militärgelände Turley wurden von einem Investor an einen anderen verkauft. Ein Millionendeal, der für Aufregung in der Stadt sorgt. Es geht um die Frage, ob absichtlich spekuliert wurde und was die neuen Investoren im Sinne der Stadtentwicklung vorhaben. Der Frankfurter Investor Tom Bock hat die Baufelder IV und V auf Turley an die Hamburger Fortoon Development und an das Family-Office Qcoon mit Standorten in Hamburg und Karlsruhe verkauft. Er selbst bleibt mit 15% Anteilseigner. Der Kaufpreis für die 1,3 ha großen Grundstücke soll bei 36 Mio. Euro gelegen haben. Das ist sechsmal so hoch wie der Betrag, den die Tom Bock Group 2015 an die MWS Projektentwicklungsgesellschaft (MWSP) gezahlt hatte. Dies behauptet die Lokalzeitung Mannheimer Morgen und sorgt damit für empörte Reaktionen.

Der Verkauf der beiden Grundstücke wird auch deswegen heiß diskutiert, weil laut Mannheimer Morgen Geschäftsleute hinter Fortoon und Qcoon stehen, die mit Wettbüros viel Geld verdient, aber durch ihren Sitz in Steueroasen kaum Steuern gezahlt haben sollen. Demnach gehören vier Gründer des internationalen Sportwettenanbieters Tipico mit Sitz auf der Insel Malta zu den neuen Investoren.

"Die Verwaltung und die MWSP waren in den privaten Verkauf weder einbezogen noch vollumfänglich informiert", lässt die Mannheimer Stadtverwaltung wissen. Ein Eintrag ins Grundbuch habe noch nicht stattgefunden. Weder der Kaufpreis noch die Eigentümerstruktur seien gegenüber der Geschäftsführung der MWSP oder der Stadt bekannt gemacht worden. Dies bestätigt auch MWSP-Geschäftsführer Achim Judt gegenüber der Immobilien Zeitung und verweist auf eine Sitzung des Aufsichtsrats und danach mit Fortoon in den nächsten Tagen. Positiv sei die Ankündigung zu bewerten, dass die neuen Investoren auf dem Baufeld IV rund 250 Mietwohnungen errichten wollen, einen Teil davon als Sozialwohnungen. Tom Bock habe nur Eigentumswohnungen vorgesehen, da zum Planungszeitraum die Rahmenbedingungen noch anders gewesen seien, wie Achim Judt erklärt.

Das knapp 13 ha große Gelände der ehemaligen Turley-Barracks in der Neckarstadt-Ost hat die Stadt 2012, fünf Jahre nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte, als erste der sich auf insgesamt 500 ha erstreckenden Konversionsflächen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erworben. Zum Erwerb und zur Vermarktung der gesamten Konversionsflächen wurde die städtische Tochtergesellschaft MWSP gegründet.

Größter Investor auf dem Turley-Gelände ist die Frankfurter Tom Bock Group, die über die Projektgesellschaft SoHo Turley Development Group für die Entwicklung von insgesamt 35.000 m² Wohnfläche verantwortlich zeichnet. Der Architekt Tom Bock hat sich hier als Pionier betätigt, hat einen Großteil der historischen Sandsteingebäude rund um den Exerzierplatz gekauft und unter Beachtung des historischen Charakters saniert und zu Miet- wie Eigentumswohnungen entwickelt. In kurzer Zeit konnten auch die ersten gewerblichen Ansiedlungen vermeldet werden. Das zog weitere Investoren an. In der Stadt war man hochzufrieden über die Entwicklung. Die Erwartungen wurden über fünf Jahre "voll erfüllt", wie es seitens der Stadtverwaltung heißt. Doch diese positive Entwicklung sei "ersichtlich ins Stocken geraten". Sichtbar sei dies auf den Baufeldern IV und V geworden, eben jenen, die wohl bereits Ende 2018 weiterverkauft wurden. Dies hat zuerst letzte Woche die Lokalzeitung öffentlich gemacht. Vonseiten der Stadt werde der "zunächst gerüchteweise bekanntgewordene Einstieg neuer Investoren als Chance bewertet", um die festgelegten Projekte auf den Grundstücken umzusetzen.

Nun steht die Frage im Raum, ob absichtlich spekuliert wurde. Quer aus den Gemeinderatsfraktionen kommt Kritik an der Stadtverwaltung und der MWSP. Als "skrupellos" bezeichnete den Verkaufserlös Reinhold Götz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Gemeinderatsfraktion. Er unterstellt, dass die Grundstücke 2015 nur deshalb erworben wurden, um sie sich durch ein Weiterreichen "vergolden" zu lassen. "Jedenfalls ist ein solcher Preisaufschlag durch nichts zu rechtfertigen." Kritik kommt auch von den Grünen, der FDP, den Freien Wählern, der Linkspartei und von CDU-Fraktionschef Claudius Kranz. Letzterer warf die Frage auf, warum die MWSP nicht eine Wertschöpfungsklausel in den Kaufverträgen verankert habe. Dazu sagt Judt, 2012 sei die Wertentwicklung am Immobilienmarkt schwer vorhersehbar gewesen, zu nah war noch die Finanzkrise. Seit Mitte 2017 gibt es die Wertschöpfungsklausel in den Verträgen. Doch er sieht den Nutzen als fraglich an, denn die Projektentwickler würden sich bei den Kaufverhandlungen darauf einstellen.

Transaktion: Mannheim, Turley-Platz
  • Transaktionsdatum:
    2012
  • Immobilienart:
    Infrastruktur
  • Transaktionsart:
    Kauf
  • Volumen:
    130.000,00 qm Grundstücksfl.
  • Käufer:
    Stadt Mannheim
  • Projekt:
    Turley-Areal Mannheim

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