Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Unternehmen | 14.03.2019

Aus IZ11/2019, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Das Decathlon-Motto: Besser eine kleine als keine Filiale

Quelle: Decathlon
Partystimmung: Eröffnung einer Decathlon-Filiale.

Quelle: Decathlon

"Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich." Was der Soziologe Max Weber einst über den Beruf des Politikers schrieb, trifft auch auf die Expansion des Sportfachmarkts Decathlon zu. Die Franzosen kommen in Deutschland zwar voran, müssen bei den Standorten aber häufig Kompromisse schließen. Viele Märkte, die eröffnen, sind aus Decathlon-Sicht zu klein oder liegen nicht optimal.

Frankfurt stand schon lange auf der Expansionsliste von Decathlon, aber ein passender Standort war in der Mainmetropole einfach nicht aufzutreiben. So kam es, dass die Franzosen schließlich im August 2018 auf rund 820 m² im Nordwestzentrum eröffneten, obwohl der Laden eigentlich viel zu klein ist. "Manchmal sind wir gezwungen zu nehmen, was wir kriegen können, um überhaupt in den Markt zu kommen", begründet Ludger Niemann, Sprecher Unternehmensentwicklung Expansion, die Anmietung in Frankfurt. "Außerdem bietet sich die Möglichkeit, den Markt irgendwann zu vergrößern."

Ähnlich lief es in Mainz. Seit Jahren versuchen Niemann und sein Team, in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt einen Fuß in die Tür zu bekommen, doch die Karnevalshochburg ist verschlossen wie eine Auster. Schlussendlich eröffnete Decathlon Anfang 2017 direkt auf der anderen Rheinseite in Wiesbaden auf rund 1.000 m² auf einer ehemaligen Shoe4You-Fläche. "Wenn wir nicht in einen Markt kommen, muss man die Umsätze von außen abgreifen", sagt Niemann. Auch Frankfurt hatte Decathlon mit Märkten in Wallau, Dreieich, Wiesbaden und Offenbach eingekreist, bevor es im Nordwestzentrum losging. In Großstädten haben zentrale Standorte noch einen anderen Hintergrund. "Je größer eine Stadt ist, desto weniger sind es die Kunden gewohnt, zum Einkaufen nach draußen zu fahren. Denen müssen wir aber auch etwas bieten."

"Wenn wir unser volles Sortiment darstellen wollen, brauchen wir mindestens 2.500 m² Verkaufsfläche. Alles darunter ist ein Kompromiss für uns und für den Kunden", sagt Niemann. Doch selbst die 2.500 m² werden bei einigen Filialen nicht erreicht. Außerdem liegen einige Standorte innerstädtisch und damit für Autokunden nicht optimal oder haben zwei Verkaufsebenen, was Decathlon eigentlich auch nicht mag. "Mit jeder Etage verliert man 30% Frequenz", zitiert Niemann eine Händlerregel.

Mehr als zwei Verkaufsebenen macht Decathlon nach den Erfahrungen mit einem viergeschossigen Laden in der Mannheimer Innenstadt, der nach zwei Jahren Betrieb 2016 wieder geschlossen wurde, grundsätzlich nicht mehr. Auch in zwei weiteren Punkten werden keine Zugeständnisse gemacht: Nach fünf Jahren sollte der Mietvertrag die erste Ausstiegsmöglichkeit eröffnen, und die Verlängerungsoptionen sollten sich auf mindestens 20 Jahre belaufen.

Kompromisse bei der Standortwahl stehen bei Decathlon gleichwohl an der Tagesordnung. Die idealtypische Filiale - ein eingeschossiger Verkaufsraum mit rund 4.000 m² Verkaufsfläche in einem Fachmarkt-Milieu mit vielen Parkplätzen - findet sich im Store-Portfolio nur selten. Laut der Transaktionsdatenbank der Immobilien Zeitung (IZ) sogar nur einmal: in Bielefeld-Sennestedt. Ansonsten hat Decathlon ein breites Spektrum: Es beginnt bei 50 m² in der Stuttgarter Fußgängerzone reicht über rund 2.400 m² im Krohnstieg-Center in Hamburg-Langenhorn und endet bei 6.000 m² am Berliner Alexanderplatz.

Obwohl einige Filialen nicht genau das sind, was Decathlon eigentlich will, ist Niemann mit der Entwicklung nicht unzufrieden. "Die letzten zwei Jahre waren schon gut, auch wenn wir viel dabei haben, was aus unserer Sicht kein vollwertiger Store ist." Nach Jahren des Herumdümpelns hat die Expansion des Handelsriesen, immerhin schon seit 1985 in Deutschland vertreten, nämlich Fahrt aufgenommen. Mittlerweile gibt es 65 Filialen, darunter 13 Eigentumsobjekte (Lübeck, Berlin-Schöneweide, Hückelhoven, Plochingen, Ludwigshafen, Bremerhaven, Baden-Baden, Aalen, Neunkirchen, Herne, Würzburg, Neustadt a. d. Weinstraße, Schwetzingen).

"In diesem Jahr könnten wir es wieder schaffen, mehr als zehn Standorte zu eröffnen", sagt Niemann. 2017 hat das Unternehmen hierzulande seinen Umsatz um 30,6% auf 435,1 Mio. Euro (2016: 333,1 Mio. Euro) gesteigert und nach einem Verlust von 1,7 Mio. Euro im Jahr davor einen Jahresüberschuss von 3,2 Mio. Euro erzielt. "2018 sind wir ebenfalls zweistellig gewachsen und haben auch auf vergleichbarer Fläche zugelegt." Der Frage nach dem Gewinn weicht Niemann allerdings aus. "Wir haben kein Minus gemacht, sagen wir es so. Es lohnt sich und wir werden weitermachen." Weltweit machte Decathlon 2018 rund 11,3 Mrd. Euro Umsatz und betrieb 1.511 Filialen.

Dass die Expansion aus Sicht von Decathlon mühsam verläuft, hat laut Niemann einen Grund: "Wir kommen als Vertriebsform im deutschen Baurecht nicht vor." Genehmigungsbehörden würden Decathlon häufig mit Intersport oder Karstadt Sport in einen Topf werfen, die im Kern Sportmode verkauften. Decathlon sei aber viel technischer und geräteorientierter und habe zudem den Anspruch, für alle Sportarten etwas zu bieten. "Wir sind kein Intersport in groß." Decathlon nur unter dem Gesichtspunkt der Innenstadtrelevanz zu betrachten, sei darum Unfug. "Wir sind ein Fachmarktlagenanbieter, der Test- und Ausstellungsflächen braucht, um auch großvolumige Geräte präsentieren zu können."

Schon länger versucht der französische Sporthändler daher, über die EU-Kommission und die Einflussnahme auf Landesentwicklungspläne gegen das seiner Ansicht nach wettbewerbsfeindliche deutsche Planungs- und Baurecht vorzugehen.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!