Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Veranstaltungen | 07.03.2019

Aus IZSpecial anlässlich der Immobilienmesse MIPIM/2019, S. 107

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

Die Mipim wird 30

Quelle: Immobilien Zeitung
2008 feierten die Besucher die größte Mipim aller Zeiten.

Quelle: Immobilien Zeitung

Als genaues Spiegelbild des Aufs und Abs der Immobilienzyklen gibt ein Mipim-Besuch stets ein verlässliches Gefühl dafür, wie gut gerade die Geschäfte laufen. Der Seismograph arbeitet verlässlich seit nunmehr 30 Jahren.

Im März 1990 öffnete die allererste Mipim in Cannes ihre Tore für 2.973 Gäste. Laut Statistik versammelten sich schon damals Vertreter aus 22 Ländern an der Cote d'Azur, laut den Veteranen der ersten Stunde waren die Anfangsjahre aber zahlenmäßig doch stark von Briten und Franzosen dominiert. "Wir diskutierten dort über die zunehmenden grenzüberschreitenden Aktivitäten der Investoren und wie sich das internationale Geschäft entwickelt", erinnert sich der Brite Rod Jones, damals Partner des britischen Traditionsmaklers Drivers Jonas. "Aber es trafen sich auch Londoner Investmentmakler mit ihrem Kollegen von der anderen Straßenseite und stellten damals schon die Frage, ob man dafür wirklich nach Cannes fliegen musste."

Die deutschen Immobilienprofis hatten in den ersten Mipim-Jahren offenbar noch zuhause im eigenen Land genug zu tun. "Die meisten entdeckten das internationale Immobiliengeschäft erst nach dem Wiedervereinigungsboom, also in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre", blickt Thomas Beyerle von Catella Property Valuation zurück. Dann aber kamen sie in großer Zahl: Traditionell schickt Deutschland jedes Jahr eine der drei größten Länderdelegationen nach Cannes.

Die Suche nach Messeveteranen wird schnell zur Zeitreise durch die deutsche Wirtschaftsgeschichte. Große Namen der ersten Stunde existieren heute längst nicht mehr. Die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen, seinerzeit einer der ersten deutschen kommunalen Vertreter in Cannes, wurde 2008 privatisiert und anschließend zur Beute von renditehungrigen Private-Equity-Fonds. Die WestLB, in den Mipim-Anfangsjahren noch eine Immobilienbank mit internationalen Ambitionen, ruinierte sich in der Finanzkrise und wurde 2012 zerschlagen.

Die 1998 formierte Dresdner-Bank-Immobiliengruppe beendete ihr Dasein bereits 2002 mit dem Management-Buyout von Dr. Lübke. Extra für die Dresdner Banktochter hatte der auf Filme, Kongresse und Abendshows spezialisierte Palais des Festivals seinerzeit seine vierte Etage samt Aussichtsterrasse als Ausstellungsfläche geöffnet - für die übrigen deutschen Aussteller war das der Anfang vom Ende der legendären "Tiefgarage" im Untergeschoss, auf die sich das Geschehen bis dahin konzentriert hatte - nun wollte jeder seinen Platz an der Sonne.

Quelle: Immobilien Zeitung
1996 war noch eine Standpräsenz in der "Tiefgarage" ein Muss.

Quelle: Immobilien Zeitung

Das zwang die Veranstalter über die Jahre zu immer listigeren Maßnahmen, um auch dann mitzuverdienen, wenn nur der Außenbereich des Messegeländes genutzt wurde. Als immer mehr zahlungskräftige Firmen begannen, ihre Meetings auf Boote im angrenzenden Yachthafen auszulagern, wurde das Hafengelände zur ticketpflichtigen Zone erklärt. Gleiches galt für den Restaurantbereich des Nobelhotels Majestic gegenüber dem Palais.

Um möglichst vielen Ausstellern eine Aussicht aufs Mittelmeer verkaufen zu können, gab der Veranstalter schließlich auch die Mole vor dem Palais für kleine und große Zeltstände frei. Dadurch kennen die Besucher das vieleckige Betonmonster Palais des Festivals heute vor allem als lästiges Hindernis, das den Fußweg vom Hafen ans Meeresufer oder in die Altstadt unnötig verlängert.

Trotz der Vergrößerung des Messegeländes wurde es über die Jahre hinweg für die Gäste immer enger. Die anfänglich knapp 3.000 Besucher verfünffachten sich bis 2001 auf 15.146. Nach dem Platzen der Dotcom-Aktienblase ging es zunächst auch in Cannes wieder ruhiger zu, doch nur wenige Jahre später war die Krise ausgesessen. Im Frühjahr des großen Finanzkrisenjahrs 2008 fand mit 29.318 Besuchern die größte Mipim aller Zeiten statt, allein nach Deutschland wurde ein Rekordkontingent von 3.000 Tickets verkauft. Wegen des großen Ansturms aus Ländern mit, vorsichtig gesagt, international noch wenig erschlossenen Immobilienmärkten wie z.B. Tartastan, der Mongolei oder den Arabischen Emiraten beschloss Reed Midem, im Herbst 2008 eine zweite Mipim speziell für die Emerging Markets dieser Welt aufzuziehen. Das Timing hätte kaum schlechter sein können - als eines von vielen Opfern der großen Finanzkrise überlebte die Mipim Horizons ihr Premierenjahr nicht.

Fast ein Drittel weniger deutsche Besucher reisten ein Jahr später zur Kater-Mipim 2009 an. Statt der gewohnten geradezu klaustrophobischen Enge fanden die nur noch 18.000 Messegäste überall freie Restaurantplätze und zuvorkommende Zimmervermieter vor. Um trotz klammer Banken und großer Unsicherheit bei den Investoren die Mipim als internationalen Branchentreff hochzuhalten, versuchte sich die Reed Midem 2010 mit dem Country-of-Honour-Konzept, bei dem bestimmte Länder einen Ehrengaststatus erhielten. Das wurde allerdings schon fünf Jahre später wieder eingestampft. Ausgebaut haben die Veranstalter stattdessen das System der Mipim Awards, bei denen die Messebesucher besonders gelungene Projekte mit ihrer Stimme belohnen sollten. Gestartet mit fünf Kategorien, sind es mittlerweile elf Einzelwettbewerbe und entsprechend viele Gewinnchancen für dieses Jahr insgesamt 45 Finalisten.

Um die Folgen der Finanzkrise bzw. Staatsschuldenkrise von 2008 zu mildern, senkten die großen westlichen Volkswirtschaften ihre Leitzinsen. Die Immobilienbranche profitierte davon, den Firmen ging es von Jahr zu Jahr besser, und die Messe gewann ebenso. 2018 erreichte die Mipim erneut eine Teilnehmerzahl von rund 26.000. Das entspricht fast punktgenau dem Besucheraufkommen, das die Messe im Jahr vor dem Ausbruch der Finanzkrise erreichte: 2007. Die Stimmung, hier waren sich rückblickend alle einig, war damals ausgezeichnet. mol

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!