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Märkte | 28.02.2019

Aus IZ09/2019, S. 20

Von Thorsten Karl

In diesem Artikel:

Bonner Handel lebt auch ohne Viktoriakarree

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl
Die Generation Internet lockt es seltener in die Bonner Innenstadt. Die Nachfrage nach Flächen ist aber gut.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl

Bonn. Wenn Wohlstand auf eine durchaus hübsche Innenstadt trifft, dann ist das beinahe ein Garant für florierende Handelslagen. Das gilt weitgehend auch für Bonn. Selbst das zunächst geplatzte Handelsprojekt Viktoriakarree der Wiener Signa tut da keinen Abbruch. Signa indes scheint derzeit wenig Ambitionen zu haben, ihr Vorhaben doch noch in Angriff zu nehmen.

Knapp 330.000 Einwohner hat Bonn. Das ist für nordrhein-westfälische Verhältnisse eine eher mittlere Großstadt. Dass sich der Bonner Einzelhandelsmarkt dennoch gegen die Konkurrenz der Millionenstadt Köln durchsetzen kann, belegen die nackten Zahlen. Die Kaufkraftkennziffer von 111,1 liegt deutlich über dem Bundesschnitt (100). Und mit einer Umsatzkennziffer von 118,2 wird in Bonn pro Kassenbon mehr umgesetzt als es die Zentralität von 109,4 nahelegt. Dennoch bestätigt die Zentralitätskennziffer, dass Bonn auch Kunden aus dem Umland anzuziehen in der Lage ist - obwohl die Innenstadt mit dem Auto schwierig zu erreichen ist.

Wie in den meisten anderen Bereichen gehen in Bonn die Uhren in Sachen Handelsentwicklung langsamer als anderswo. Mehrere Dekaden hat es gedauert, bis das Projekt Bonner Loch endlich in die Realisierung ging und dessen Nordteil mit dem Namen Urban Soul nun bebaut wird. Neben den Handelsflächen errichten hier die Düsseldorfer developer Flächen zur Hotel- und Büronutzung. Auf der anderen Straßenseite zieht Ten Brinke die Handelsimmobilie Maximilian Center mit 22 Ladeneinheiten und Primark als Hauptmieter hoch. Das Maximilian Center wurde bereits im Juni 2017 als Rohbau für 112 Mio. Euro an die Bayerische Versorgungskammer verkauft.

Doch ist nicht alles wundervoll in der Bundesstadt. Das Kölner Maklerunternehmen Larbig & Mortag, das in Bonn ein Büro betreibt, hat die Handelslandschaft in der Stadt unter die Lupe genommen und zeichnet ein durchaus ambivalentes Bild. So seien auch in Bonn die Auswirkungen des Onlinehandels in der Fußgängerzone ablesbar. Das sei besonders in der schwindenden Passantenfrequenz in der Remigiusstraße zu erkennen. "Bemerkbar macht sich der Onlinetrend zudem bei den Höchstmieten im Innenstadtbereich", heißt es bei Larbig & Mortag. Diese seien in den letzten Monaten gesunken und erreichten in der Remigiusstraße und der Sternstraße nur noch maximal 125 Euro/m². In der Poststraße und der Wenzelgasse ist noch weniger zu erzielen: Mehr als 70 Euro/m² beziehungsweise 80 Euro/m² sind hier nicht mehr drin.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl
Das Quartier, in dem das Viktoriakarree entstehen sollte, steht seit Jahren weitgehend leer.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl

Dennoch gibt es nach Ansicht der Makler keinen Grund, Trübsal zu blasen. Noch immer sei die Nachfrage nach Ladenflächen in den Top-Lagen hoch. Und auch in den angrenzenden Lauflagen wie der Acherstraße und am Friedensplatz gebe es genügend Interessenten für vakante Handelsflächen - besonders von Textilfilialisten und aus der Gastronomie.

Etwas trist sieht es hingegen in der Poststraße aus, in der einige Leerstände zu verzeichnen sind. Nach Einschätzung von Larbig & Mortag liegt das allerdings an der zögerlichen Haltung einiger potenzieller Mieter, die die Bauphase des Bonner Lochs abwarten wollen - und damit auch die Immobilieneigentümer abstrafen, die für die Flächen noch eine unvermindert hohe Miete verlangen. Wenn Urban Soul und das Maximilian-Center fertiggestellt sind, rechnen die Makler wieder mit steigender Nachfrage und steigenden Mieten in der Poststraße. Sowohl sie, als auch die übrige Bonner Innenstadt dürften von den neuen Handelsflächen profitieren, heißt es.

Vorerst wohl keine neuen Handelsflächen wird es auf dem Areal geben, auf dem die Wiener Signa das Viktoriakarree geplant hatte. Mehr als 100 Mio. Euro wollten die Österreicher in dem Quartier rund um das nicht mehr genutzte Viktoriabad investieren. Die für Bonn typische Gemengelage aus Protestbürgern, die die Initiative Viva Viktoria gegründet hatten und einem wankelmütigen Rat sorgten dafür, dass das Projekt letztlich gekippt wurde.

Die Vorschläge der dann anberaumten Bürgerwerkstatt lehnte Signa "dankend ab", so ließ sie Ende 2017 verlauten. "Keine der Ideen (u.a. Park, Markthalle, d. Red.) für das gesamte Grundstück erfüllt auch nur ansatzweise das, was die Stadt an dieser Stelle will oder was jeder, der mit Stadtentwicklung zu tun hat, an dieser Stelle wollen kann", sagte Signa-Vorstand Timo Herzberg damals.

Viel hat sich seither nicht geändert. Die Stadt und Signa werden sich offenbar über die Zukunft des Quartiers nicht einig. Und so plant die Stadt, das Viktoriabad für Veranstaltungen rund um das Beethovenjahr 2020 zu nutzen.

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