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Projekte | 21.02.2019

Aus IZ08/2019, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Ruhe und Natur statt Saint-Tropez des Ostens

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Für eine Vier-Sterne-Anlage nicht gut genug. Die Häuschen werden umgebaut.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Hohen Wieschendorf. Vor stolzen 16 Jahren begann in dem kleinen Örtchen im Westen Mecklenburg-Vorpommerns der Bau einer Ferienanlage mit geplanter Shopping-Mall und Halligalli. Nach Pleiten, Pech und Pannen sowie Subventionsbetrügereien kann der Bau unter neuer Regie jetzt fortgeführt werden. 30 Mio. Euro will ein Österreicher an der ostdeutschen Waterkant verbuddeln. Sanft und naturverbunden lautet die neue Marschrichtung.

Ein Saint-Tropez des Ostens - mit Marina und 100 Liegeplätzen, Golfplatz, Apartmenthäusern und einer Diskothek auf dem Anleger - der Traum war ein großer. Und er zerschellte wie die Wellen am kilometerlangen Ostseestrand. Übrig blieb eine der größten Investitionsruinen des Landes. 15 km von der Unesco-Welterbestadt Wismar und 127 km von Hamburg entfernt, wollte zuletzt der Investor und Hotelier Michael Veit Iwanschitz nicht kleckern, sondern klotzen. Doch die Rechnung in dem kleinen, 120 Seelen zählenden Dörfchen, wo die Ferienwohnungen Schwedenschanze und Dat Spatzenhus heißen, ging nicht auf. Dabei half das Land, zahlte via seiner Landesförderanstalt 3,7 Mio. Euro Fördergeld aus, die der Investor in die Marina stecken sollen.

Das tat er aber nicht. Lieber pumpte er das Geld in seine Immobilien. Doch die waren nicht förderfähig. Als er das Geld zurückzahlen sollte, war das der Anfang vom Ende. Ganz am Ende, im Jahr 2005, kam der ganze Segen unter den Hammer. Und das nicht nur einmal.

Bei der letzten Zwangsversteigerung im nahen Grevesmühlen im Jahr 2011 saß auch der Österreicher Oliver Soini im Saal, argwöhnisch bestaunt von Politik, Gläubigern und Banken. Bei 3,5 Mio. Euro erhielt der Chef der Salzburger Investment-Boutique Soini Asset Immobilien als einziger Bieter den Zuschlag.

Friede, Freude, Ferienwohnungen also? Nicht ganz. Zwei Jahre nach dem denkwürdigen Tag spricht der Landkreis einen Baustopp aus. Remmidemmi im Vogelschutzgebiet war nicht mehr gewollt. Fünf lange Jahre lang rang der Österreicher um einen neuen Bebauungsplan. "Wir haben Vögel gezählt, Nester kartografiert und unsere Vorstellungen von einem sanften Tourismus erklärt." Heraus kam, was heute Mode ist - ruhig und naturverbunden, mit Golf, Tauchen, Reiten, Radfahren und Rangerstation, die den gestressten Großstädtern das Liebesleben der Vögel zeigt.

Am 13. September 2018 war die Kuh vom Eis. Seit diesem Tag hält Soini den Bebauungsplan Nr. 27 "Marina Hohen Wieschendorf" in Händen. Und jetzt, wo sich auf den dunklen Dächern der Häuschen das erste Moos gebildet hat, liegt auch Baurecht vor. Aus der Marina Hohen Wieschendorf wird das Ferienparadies Bades Huk.

Der Name soll an den Seefahrer Wilhelm Bade aus Hohen Wieschendorf erinnern, der ab 1894 Polarkreuzfahrten anbot. Ein Huk ist eine Landzunge, die den geraden Verlauf der Küste unterbricht.

"Wir streben das Vier-Sterne-Segment an", betont der Geschäftsführer des Hamburger Immobilienunternehmens Clavis, Hamid M. Farahmand, dessen Expertise Soini hinzugezogen hat.

Quelle: Bades Huk Immobilien
Rund um die zukünftige Ferienanlage Bades Huk ist eher nichts. Und das sei gut so, heißt es. Gäste sollen Ruhe und Natur genießen.

Quelle: Bades Huk Immobilien

Doch noch wiegt das Unkraut hüfthoch um die rot verklinkerten 17 kleinen Häuser mit 71 Apartments, die äußerlich fast fertig wirken. Die Dächer sind gedeckt, Fenster und Türen sind drin. Alles ist gestrichen. "Aber nicht mehr zeitgemäß", winkt Farahmand ab. Die Fenster sind zu klein, die Grundrisse ungünstig, Platz ist verschenkt. Zugunsten neuer Sichtachsen, um die kasernenartige Struktur aufzubrechen, hat Soini sogar vier Häuser abreißen lassen. "Das tut einem Entwickler weh", seufzt der Österreicher. Hinten heraus kommen sollen rund 6.500 m² Wohnfläche, angereichert mit Wellnesseinrichtungen und Gastronomie. Im Frühjahr sollen die Bauarbeiter anrücken, sagt der Alpenländer mit gut situierten privaten Investoren im Rücken, im März beginnt Farahmand mit dem Verkauf.

Geboten wird ein Rundum-sorglos-Paket aus Vermietung, Reinigung und Hausmeisterservice, wie es bei Ferienanlagen dieser Art üblich ist. Verkauft werden die komplett im dänischen Stil eingerichteten Häuschen für im Schnitt 5.000 bis 6.000 Euro/m². Kapitalanleger sollen 3,5% bis 5% Rendite auf den Kaufpreis erwirtschaften, die Auslastung, so Farahmands Prophezeiung, wird konservativ gerechnet bei 35% bis 50% jährlich liegen. Dass die Rechnung aufgeht, ist für den Hanseaten, der Einrichtungen auf Mallorca und den Seychellen betreibt, keine Frage. "Die Ostsee boomt."

Das sieht auch Soini so. Und denkt weiter. Wer vom Dorf Hohen Wieschendorf gen Ostsee fährt, muss eine kleine Kuppe überwinden. Unwillkürlich halten Besucher an, lassen den Blick über Wiesen und Wasser schweifen. "Hier habe auch ich mich damals in die in goldene Sonne getauchte Ostsee verliebt", erinnert sich der Investor. Und genau hier, auf dieser kleinen Anhöhe, links und rechts der Zufahrtsstraße, ist der Bebauungsplan Nr. 28 in Arbeit. Wohnhäuser, Ferienhäuser und ein Hotel. Gerne, "soo gerne", würde Soini hier auch mitmachen dürfen.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ein einsamer Angler steht auf dem Steg der teuren Marina, ein Rentnerehepaar zerrt einen dicken Hund am Wasser entlang. "Touristen? Hier? Eher wenig", sagt der Mann.

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