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Finanzen | 21.02.2019

Aus IZ08/2019, S. 4

Von Daniel Rohrig

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Deutsche Bundesbank, Berlin Hyp
  • Organisationen:
    Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp), Europäische Zentralbank (EZB), Bundesministerium der Finanzen, Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB), Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Deutsche Kreditwirtschaft
  • Personen:
    Nicole Hanke, Anne Grüttner, Sabine Lautenschläger, Norman Schirmer, Steffen Steudel

Bundesbank startet Großabfrage von Finanzierungsdaten

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Daniel Rohrig
Langsam dämmert es den betroffenen Banken und deren Verbänden, dass durch das Bundesbank-Vorhaben jede Menge Arbeit auf sie zukommt.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Daniel Rohrig

Die Europäische Zentralbank (EZB) fordert es, die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) werden es vollziehen: Kleine und mittelgroße Kreditinstitute müssen schon bald umfangreiche Auskünfte über ihre Immobilienfinanzierungen und Kreditvergabestandards geben. Bankenverbände und betroffene Banken sind wenig begeistert.

Deutschland gehört zu den Schlusslichtern bei der Datenerfassung von Immobilienfinanzierungen. So steht es im aktuellen Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank. Auch bei der EZB liest man es ähnlich. Dabei sind "für eine umfassende Einschätzung der Risikolage detaillierte Informationen über die Entwicklung der Preise für Immobilien, die Verschuldung der Investoren und vor allem der privaten Haushalte" notwendig. Auch die Konditionen der Kreditvergabe sollten für die Kontrolleure klar erkennbar sein. Genau das sind sie aber aus Sicht der Kontrolleure derzeit nicht. "Die Datenlage lässt keine vertiefte Analyse zu", bemängelt Anne Grüttner von der Bundesbank. Für mehr Transparenz soll jetzt ein Umfragebogen sorgen, der laut Bundesbank zunächst an alle Banken mit einer Bilanzsumme von unter 30 Mrd. Euro gehen soll. Bevor das "institutsübergreifende Auskunftsersuchen zu Immobilienfinanzierungen und Kreditvergabestandards", wie die geplante Aktion offiziell heißt, jedoch starten kann, sind zunächst Konsultationen mit den Bankenverbänden anberaumt. Noch in dieser Woche soll dazu nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ein Präsenztermin bei der Bundesbank in Frankfurt stattfinden. "Wir sind gebeten worden, unsere Anmerkungen zu den Erhebungsbögen zu sammeln und an die Aufsichtsbehörden zu schicken", teilt auf Anfrage der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) mit. Die Aufsicht möchte einen tieferen Einblick in die Konditionen neu vergebener Kredite, die Bewertung von Kreditsicherheiten sowie die erwartete Geschäftsentwicklung gewinnen.

Der Zeitrahmen ist laut vdp straff: "Der fachliche Austausch soll noch im Februar abgeschlossen sein und die Umfrage im Frühjahr gestartet werden." In Branchenkreisen ist zu hören, dass jedoch damit gerechnet werde, dass die Umfrage sich bis ins kommende Jahr hinziehen kann. Das ist auch einer der Gründe, warum sich die Begeisterung der Verbandsvertreter eher in Grenzen hält. Grundsätzlich wolle man natürlich kooperieren, aber der Aufwand für die Kreditinstitute sei immens. "Viele abgefragte Daten sind bei den Banken zwar vorhanden, müssen aber speziell aufbereitet werden", sagt Norman Schirmer vom Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). Auch Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) macht seinem Unmut Luft: Die Daten seien IT-technisch nicht zu verarbeiten und daher "in der vorgesehenen Form und geplanten Frist schlicht nicht lieferbar". Nicht zuletzt deshalb hat die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) mit einer gemeinsamen Stellungnahme in Richtung BaFin, Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium bereits ihr Leid geklagt.

Auffällig zurückhaltend sind die betroffenen Banken selbst: Die meisten wollen von den bevorstehenden Prüfungen noch gar nichts mitbekommen haben, die anderen geben sich nach außen demonstrativ gelassen oder spielen den Ball sicherheitshalber gleich wieder zurück an ihre Verbände. Einzig die Berlin Hyp wagt sich aus der Deckung: Grundsätzlich unterstütze das Institut natürlich jede Maßnahme, die der Sicherung der Finanzmarktstabilität dient, heißt es dort. Dennoch verstehen die Verantwortlichen nicht ganz die Notwendigkeit. Die Bank habe in den vergangenen Jahren schließlich umfangreiche aufsichtsrechtliche Neuregelungen umgesetzt und die Bankenaufsicht werde doch ohnehin weiter europäisiert, sagt Sprecherin Nicole Hanke. "Daher sollten aus unserer Sicht zunächst die seit 2018 gemeldeten Einzelkreditnehmer-Informationen zum europäischen Kreditregister (AnaCredit) umfassend von der Aufsicht analysiert werden."

Möglicherweise ist dieser Rundruf an die kleinen und mittleren Institute aber nur der Vorbote weiterer Prüfungen. Sabine Lautenschläger, ihres Zeichens stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht, gab jüngst in einem Interview mit der US-Zeitung Politico die Richtung für Banken ab einer Bilanzsumme über 30 Mrd. Euro vor: "Wir werden Vor-Ort-Inspektionen durchführen, um die Qualität bestimmter Anlageklassen zu bewerten." Insbesondere gehe es dabei um die Kreditversicherungsstandards. "Wir beginnen bereits mit der Ausarbeitung einer Methodik", fügte sie hinzu. Insider vermuten sogar schon eine ähnlich tiefe Analyse wie bei den Schiffsengagements der Institute. Hier prallten 2014 verschiedene Bewertungsgrundsätze aufeinander.

Sowohl die Berlin Hyp als auch die Bankenverbände geben sich allerdings gelassen: "Wir haben eine sehr konservative Geschäftspolitik und eine hohe Portfolioqualität", sagt Hanke. Der vdp verweist auf seine Researchergebnisse, die zeigten, "dass sich die relevanten Parameter, also die Kreditvergabestandards, hinsichtlich Eigenkapital der Kunden, Beleihungsauslauf und Kapitaldienstfähigkeit im normalen Rahmen bewegen". Bleibt abzuwarten, ob die Bankenprüfer nach der Lektüre der Fragebögen auch so entspannt bleiben.

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