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Digitales | 14.02.2019

Aus IZ07/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

"Ein Start-up hat die gleichen Probleme wie eine Rockband"

Nikolas Samios ist Managing Partner von Proptech1 Ventures, dem ersten deutschen Wagniskapitalgeber, der einen speziellen Proptechfonds aufgelegt hat. Um die Start-ups aktiv zu begleiten, setzt er auf ein Netzwerk aus versierten Branchenexperten.

Nikolas Samios, Managing Partner Proptech1 Ventures
"Ein guter Investor wird die Gründer bei ihrer Persönlichkeitsfindung unterstützen."

Nikolas Samios, Managing Partner Proptech1 Ventures

Immobilien Zeitung: Herr Samios, bei Ihrem Wagniskapitalfonds, der in Proptechs investiert, ist in jüngster Zeit ziemlich viel passiert. Seit Ende 2018 zähle ich fünf Investments. Geht das in diesem Tempo weiter?

Nikolas Samios: Auf den ersten Blick sieht das vielleicht in der Tat etwas geballt aus. Im September haben wir in Simplifa investiert, ein Start-up für die digitale Optimierung der Aufzugswartung, in Inpera, das die Bestellprozesse in der Bauindustrie optimiert, und in Seniovo, den führenden Anbieter für barrierefreie Sanierung von Immobilien. Im November kam Archilyse hinzu, das auf Basis einer einzigartigen Technologielösung Architektur bewertbar macht, und vor einer Woche der Datenmanager Architrave. Diese fünf Beteiligungen haben allerdings allesamt einen langen Vorlauf gehabt, den Start unseres Fonds hatten wir ja bereits im März 2018 kommuniziert. Daher hat sich um das Jahresende herum einiges entladen. Für 2019 planen wir fünf bis acht neue Investments und ergänzende Finanzierungsrunden in den bestehenden Beteiligungen.

IZ: Die thematische Bandbreite Ihrer Investments ist ziemlich groß. Welche Anlagephilosophie steckt dahinter?

Samios: Wir haben 2018 rund 200 Proptechs im Dealflow gehabt, also in unterschiedlicher Tiefe einer Beteiligungsprüfung unterzogen. Dabei haben wir uns das Thema Proptech bewusst als Leitplanke gesetzt, wir machen also z.B. keine Investments in reine Fintechs oder Unternehmen, die Lösungen für das Internet der Dinge erarbeitet haben, jedoch keinen ausgeprägten Immobilienbezug besitzen. Um eine harte Selektion betreiben zu können, ist es aber zugleich wichtig, dass das Anlageuniversum nicht zu klein wird. Deswegen schauen wir uns im Proptech-Bereich so gut wie alles aus Europa an und das auch über die verschiedenen Wachstumsphasen hinweg. Dabei erheben wir allerdings nicht den Anspruch, ein Company Builder zu sein, also jemand, der ein Start-up-Unternehmen von Grund auf selber hochzieht.

IZ: Wie stellen Sie den Erfolg des Investments sicher?

Samios: Zunächst ist es wichtig, dass eine gewisse kulturelle und räumliche Nähe zu den Gründern da ist. Daher haben wir uns in der Vergangenheit bei unseren Beteiligungen bisher auf Deutschland und die Schweiz beschränkt und weiterhin erste Themen in Großbritannien und Skandinavien geprüft. In den USA oder Asien zu investieren macht für einen Wagniskapitalgeber aus Deutschland, der in frühen Phasen einer Gründung in ein Unternehmen einsteigen will, einfach keinen Sinn. Zweitens suchen wir uns aus unserem Investorenkreis und dem damit verbundenen Netzwerk erfahrene Branchenexperten, die sowohl in der Generierung des Dealflows, in der Validierung der Beteiligungsmöglichkeiten als auch als Beirat in einem der Start-ups tätig werden können.

IZ: Bewirkt so ein Beirat wirklich etwas oder beruhigt er nur das Gewissen der Investoren?

Samios: Im Beirat zu sein bedeutet echte Arbeit, wenn es denn richtig gemacht wird. Ein gutes Board hat mehrere Funktionen, die den Erfolg eines Unternehmens durchaus beeinflussen: Die Beiräte dienen zum einen als Puffer zwischen einem wachsenden Gesellschafterkreis und den Gründern, damit diese nicht jedes Detail allen Investoren einzeln erklären müssen. Zum anderen sind sie aber idealerweise auch Trainer, die durch gutes Coaching den Gründern helfen, einen Tunnelblick zu vermeiden und die vielfältigen Herausforderungen einer schnell wachsenden Firma zu meistern. Idealerweise hat ein solches Beiratsmitglied daher den Start-up-Prozess selbst schon ein paar Mal als aktiver Gründer oder Investor durchlebt und weiß entsprechend, wo es haken kann. Dann gibt es nach unserer Erfahrung auch wenig Spannungen im System, da gute Gründer diese Form des Sparrings gerne annehmen.

IZ: Was sind Ihrer Erfahrung nach typische Probleme bei der Start-up-Gründung?

Samios: Das ist eine lange Liste, aber ein plakatives Beispiel ist sicher der Austritt eines Mitgründers nach ein paar Jahren. Das ist wie bei einer Rockband, die am Anfang von fünf gleichberechtigten Freunden gegründet wurde, die sich gar nicht vorstellen können, dass es mal Dissens gibt. Einer wird dann mit der Zeit fast zwangsläufig die dominante Figur der Gruppe, der Bandleader, also CEO. Spätestens, wenn die anderen sich dann nicht mit der Rolle im Background zufriedengeben wollen, gibt es Probleme. Das ist an sich nicht schlimm, denn nicht jeder ist dafür geeignet, permanent vorn auf der Bühne zu stehen. Oft ist es dann auch besser, dass ein Teil des Gründerteams das Unternehmen verlässt, als dass mehrere Chefs sich gegenseitig in die Haare kriegen und das Unternehmen im Wachstum damit blockieren.

IZ: Wäre es dann nicht eine besser Lösung, schon von Anfang an auf die richtige Mischung der Charaktere im Gründerteam zu achten?

Samios: Grundsätzlich schon, aber man darf da nicht naiv rangehen. Um ein Start-up zum Erfolg zu führen, müssen Gründer für ihre Idee brennen, dafür sind Macher nötig, die gerade zu Anfang anpackend, unbürokratisch und damit auch mal kreativ-chaotisch vorgehen. Wenn es gut läuft, hat das Unternehmen aber irgendwann nicht mehr fünf Mitarbeiter, sondern 50 oder gar 500. Dann sind nicht in erster Linie kreative Innovatoren gefragt, die bereit sind, jeden Tag alles über den Haufen zu werfen, sondern mehr und mehr auch klassische Manager. Vielen Gründern liegt diese zweite Rolle nicht. Für sie ist es dann gegebenenfalls besser, sie steigen aus und gründen neu, werden selber Board-Member und Business-Angel. Ein guter Investor wird immer versuchen, die Gründer bei dieser Persönlichkeitsfindung zu unterstützen.

IZ: Sie haben schon erklärt, warum Sie im deutschsprachigen Raum investieren. Was ist mit Investments in anderen Märkten?

Samios: Wir hatten 2018 aufgrund des Starts mit einem primär deutschen Team natürlich zunächst hier den größten Dealflow. Anfang 2019 haben wir mit Beat Schwab und Peter Staub zwei exzellente Schweizer Kollegen dazugewonnen und so eine Präsenz in Zürich geschaffen. Ähnlich werden wir zukünftig unsere Vernetzung in Großbritannien und Skandinavien ausbauen. Wir hatten 2018 bereits zwei oder drei recht fortgeschrittene Investmentprüfungen für ein mögliches Erstinvestment in Großbritannien, aber das haben wir mit Blick auf die leider unklare Brexit-Situation erst einmal zurückgestellt.

IZ: Ihr Unternehmen ist - anders als die übrigen deutschen Proptech-Investoren - eine Fondsgesellschaft. Wird es ein Nachfolgeprodukt zum jetzigen Fonds geben?

Samios: Das wird es, aber erst, wenn der erste Fonds aus der Investmentphase raus ist. 2019 läuft noch das Funding für den ersten Fonds weiter. Wir wollen mit ihm am Ende auf rund 40 Mio. bis 50 Mio. Euro Anlagesumme kommen, haben derzeit ca. 15 Investoren und werden im nächsten Closing grob auf 30 kommen. Damit wird auch kein einzelner Anleger den Fonds dominieren wie bei einem Corporate-Venture-Fonds eines etablierten Immobilienplayers. Dadurch können wir im Markt wirklich agil bleiben und für Start-ups einen oft bevorzugten, neutralen Finanzinvestor darstellen. Trotzdem haben wir dank der Gesellschafter und des erweiterten Teams, nicht zuletzt durch unsere Venture-Partner, eine tiefe Vernetzung in der Start-up-Szene. Nur so werden wir unserem Anspruch gerecht, für die besten Proptech-Gründer als Geldgeber attraktiv zu sein.

IZ: Herr Samios, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.

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