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Digitales | 14.02.2019

Aus IZ07/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Amazon, Power Plus Communications
  • Organisationen:
    Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Stadtwerke München, Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne)
  • Personen:
    Andreas Schlesier, Thomas Menthe, Thomas Wolski, Bartosz Kwiatkowski
  • Immobilienart:
    Gewerbe allgemein

Die Versorger wollen an den Mieter ran

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Innovation wurde auf der e-world in Essen großgeschrieben. Das sollte die Immobilienbranche nicht kalt lassen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen wollen die Energieversorger die künftig verpflichtend vorgeschriebenen Smart Meter Gateways als Zugang für digitale Gebäudedienste nutzen. Auch Internetriesen wie Amazon stehen schon in den Startlöchern. Die Immobilienbranche läuft Gefahr, in diesem Spiel außen vor zu bleiben.

Die Energiewende stellt die Versorger vor ein gewaltiges Dilemma: Einerseits wird durch die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energieträger wie Wind und Sonne die Leistung in den Stromnetzen künftig stärker schwanken als bisher, das erhöht die Kosten des Netzmanagements. Andererseits dürften langfristig die Erträge der Versorger sinken, weil eine zunehmende Zahl der bisherigen Abnehmer diese Technologien dazu nutzt, um ihre Energie selbst zu erzeugen. All das wird vom Gesetzgeber aus Klimaschutzgründen bewusst in Kauf genommen.

Als flankierende Maßnahme der Energiewende hat die Bundesregierung jedoch 2016 das Messstellenbetriebsgesetz (MsBG) auf den Weg gebracht. Demzufolge sollen spätestens 2020 alle Verbrauchsstellen ab 6.000 kWh Jahresstromverbrauch verpflichtend an intelligente Messsysteme angeschlossen werden. Dazu ist es nötig, dass die jeweiligen Gebäude über eine Hardwarekomponente namens Smart Meter Gateway (SMGW) verfügen. Vordergründig dient das einer Verbrauchsermittlung in Echtzeit und soll es den Netzbetreibern erleichtern, die Schwankungsanfälligkeit der Stromversorgung zu minimieren. Eher ein Nebenaspekt ist die Integration des Submetering. Darunter fällt das Ablesen einzelner Endverbraucher, auch für andere Versorgungsleistungen wie die Heizwärme (siehe "Selbstabrechnung ist keine Utopie"). Auf den Diskussionen und Vorträgen der Versorgermesse e-World, die vergangene Woche in Essen stattfand, wurde hingegen deutlich, dass die Versorger das SMGW nutzen wollen, um den Gebäudenutzern Smart-Building-Lösungen zu bieten.

Die Versorger wittern eine Riesenchance, durch Zusatzangebote für die Gebäudenutzer aus Bereichen wie Energiemanagement, Verbrauchsdatenanalyse oder Elektromobilität ihr an anderer Stelle schwächelndes Geschäft zu kompensieren. "Der Gesetzgeber hat uns das Messstellenbetriebsgesetz geschenkt", konstatiert daher Andreas Schlesier, der bei der Infrastrukturtochter der Stadtwerke München für die Digitalstrategie verantwortlich ist. Satte 50 Mio. Euro stecken die Münchner jedes Jahr in ihre digitalen Netze. "Der Megatrend Digitalisierung führt dazu, dass die Grenzen zwischen den Branchen verwischen", ist Schlesier überzeugt.

Noch weiter geht Thomas Menthe, bei Amazon Web Services Manager im Bereich Energy-Utilities & Healthcare. Er sieht die Versorgerbranche vor der größten Revolution, seitdem erstmals Elektrizität industriell genutzt wurde. "Der Endkunde will nicht mehr als Zählstelle betrachtet werden, sondern als Individuum", glaubt Menthe. Amazon will an dieser Revolution teilhaben - und das Smart Meter Gateway soll es ermöglichen. Im Gegensatz zu bisherigen Messsystemen funktioniert die Informationsübertragung über das SMGW nämlich in beide Richtungen. Es ließe sich also nutzen, um von außen über eine sichere Schnittstelle - das Controllable Local System oder kurz CLS - jede vernetzte Komponente im Gebäude zu steuern. Die Hoheit darüber, welche Daten nach außen weitergegeben werden und welche Zusatzdienste über das Gateway ins Gebäude dürfen, hat der jeweilige Endverbraucher. Auf der Präsentationsfolie, anhand derer Menthe den Informationsfluss zwischen Energieerzeugern, Netzbetreibern und Endkunden erläutert, kommt der Vermieter konsequenterweise gar nicht vor.

"Der CLS-Kanal funktioniert genau wie das Internet, nur dass er verschlüsselt ist", erklärt Thomas Wolski, Marketingchef beim Messsystemanbieter PPC. Das Unternehmen hat im Dezember als erstes in Deutschland eine Zertifizierung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) für sein Smart Meter Gateway erhalten. Ohne dieses Zertifikat dürfen die Geräte nicht eingebaut werden. Die Gateways von acht anderen SMGW-Herstellern befinden sich laut BSI zurzeit in der Zertifizierungsphase. Sobald die Geräte von drei verschiedenen Herstellern am Markt verfügbar sind, soll der gesetzlich vorgeschriebene flächendeckende Rollout beginnen.

Doch bevor es überhaupt so weit ist, steht das SMGW schon in der Kritik. Die Erzeuger von erneuerbaren Energien beispielsweise beklagen den komplizierten Zertifizierungsprozess. Der liegt weit im Zeitplan zurück, daher erwägt das BSI laut Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne), die Kriterien für die Zertifikate der ersten Gerätegeneration zu lockern. Das jedoch könnte nach Ansicht des bne dazu führen, dass Geräte mit unterschiedlichen technischen Standards parallel auf dem Markt sind.

Relativ wenig ist bisher von den Datenschützern zu hören. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass der Mindestverbrauch von 6.000 kWh für den Rollout des SMGW die meisten Privathaushalte nicht betrifft, sodass auf deren Ebene keine individuellen Verbrauchsprofile erhoben werden können. Zielkunden von Versorgern, Datendiensten und den Energiemanagementunternehmen, die in deren Fahrwasser mitschwimmen, sind vor allem die Nutzer gewerblicher Immobilien. Bei der Kundenansprache herrsche derzeit Wildweststimmung, sagt Bartosz Kwiatkowski, Partner der polnischen Energieplattform Virtual Power Plant, die in Deutschland Kooperationspartner sucht.

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