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Märkte | 14.02.2019

Aus IZ07/2019, S. 2

Von Pål Ahlsén

In diesem Artikel:

Warnendes Beispiel Schweden

Deutsche neigen dazu, das Schweden von heute zu idealisieren. Beim Vergleich der nationalen Mietwohnungsmärkte sollten sie dieser Neigung besser nicht nachgeben, sagt Akelius-Chef Pål Ahlsén. Hier hat sich wegen starker Regulierung ein brutaler Schwarzmarkt etabliert.

Quelle: Immobilien Zeitung
Pal Ahlsén.

Quelle: Immobilien Zeitung

Pippi Langstrumpf, Ikea und ein funktionierender Sozialstaat: So ist das gängige deutsche Bild von Schweden. Auch der schwedische Wohnungsmarkt gilt als Vorbild und wird gern in einem Atemzug mit dem sogenannten Wiener Modell genannt. Bezahlbares Wohnen dank Mietpreisbremse und Regulierung für alle - Stockholm und Wien haben das erfolgreich vorgemacht, die deutschen Metropolen können das auch.

Ich bin Schwede. Und ich schlage Ihnen vor, in Stockholm auf Wohnungssuche zu gehen. Bei uns gibt es eine offizielle Warteliste, Bostadsförmedlingen. Jeder über 18 und mit schwedischer Aufenthaltserlaubnis kann sich dort registrieren. Die Liste hat derzeit knapp 600.000 offizielle Gesuche. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt laut Homepage sieben bis elf Jahre. In begehrten Innenstadtlagen dauert es über 20 Jahre, weiter außerhalb können es auch vier bis fünf Jahre sein, bis Ihnen eine Wohnung angeboten wird. Die jährliche Gebühr für eine Wartenummer beträgt 200 schwedische Kronen, rund 20 Euro.

Hat man eine Wohnung gefunden, beläuft sich dann aber die Nettokaltmiete auf sieben bis zehn Euro auf den Quadratmeter. Denn der schwedische Wohnungsmarkt ist streng reguliert. Seit 1949 werden Mieter vor Mietpreissteigerungen geschützt, 22% der Mietshäuser sind in kommunaler Hand.

Nun will man in den seltensten Fällen 20 Jahre auf eine Wohnung warten. Stellen Sie sich das einmal vor: Sie sind gerade erst mit dem Studium fertig und der Staat empfiehlt Ihnen, sich vorsorglich schon einmal in der Senioren-WG anzumelden. Die logische Folge: Der Schwarzmarkt boomt.

Wer es sich leisten kann, findet ohne Weiteres eine Wohnung in gewünschter Umgebung. Je nach Lage und Größe kann man Mietverträge von den bisherigen Mietern kaufen: Pro Zimmer zahlt man rund 15.000 Euro, um einen Vertrag zu übernehmen, und anschließend zahlt man wiederum sieben bis zehn Euro Miete.

Das viel gelobte schwedische Modell entpuppt sich so zu einer Fallgrube des doppelten Standards. Wer genügend Geld hat, kauft sich in die Miete ein, und wer kein Geld hat, muss warten. Aber am Ende des Tages können die Verantwortlichen stets behaupten: Die Mieten sind niedrig, die Mieter vor Miethaien geschützt und die Wohnungen in öffentlichem Eigentum. Ich kann die Deutschen nur davor warnen, auf die heilbringende kommunale Hand und deren strengere Regulierung zu setzen.

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