Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Unternehmen | 31.01.2019

Aus IZ05/2019, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Vermieters Liebling steht vor der Pleite

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Räumungsverkäufe sind bei Gerry Weber an der Tagesordnung.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Zu viel biedere Mode in zu vielen Geschäften: Rund zehn Jahre lang hat der Modekonzern Gerry Weber auf Teufel komm raus Läden gemietet, nun kommt das Unternehmen wegen einer ungeklärten Finanzierung um einen Insolvenzantrag nicht herum. "Wir haben nicht auf die Effizienz der Standorte geachtet", räumt die Firma ein. Derweil schließt das angeschlagene Modekaufhaus K&L aus Süddeutschland 14 von 54 Geschäften.

Der börsennotierte Modekonzern Gerry Weber hat am 25. Januar beim Amtsgericht Bielefeld die Anordnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens beantragt. Verhandlungen mit Gläubigern waren zuvor gescheitert. "Wir haben das Thema Finanzierung nicht so hinbekommen, wie wir uns das vorgestellt haben", begründete Vorstandssprecher Johannes Ehling den Schritt. "Wir sind auf den letzten Metern gestrauchelt." Zu den Gläubigern zählen neben Banken und Schuldscheininhabern auch die Familien Hardieck und Weber mit zusammen rund 51% der Aktien. Die Zahlungsfähigkeit der Firma sei durch eigene Liquidität und den Verkauf des Showrooms Halle 29 in Düsseldorf bis Anfang 2020 gewährleistet, wird versichert.

Von dem Insolvenzantrag betroffen sind auch die Marken Taifun und Samoon, nicht aber die zu Gerry Weber gehörende Modekette Hallhuber. Ziel der Eigenverwaltung sei es, "das Unternehmen im Zuge der laufenden Restrukturierung zu sanieren", heißt es. Das Gericht nahm den Antrag an und bestellte zum vorläufigen Sachwalter Rechtsanwalt Stefan Meyer aus Lübbecke.

Ehling zufolge wird sich durch den Insolvenzantrag am Sanierungskurs nichts ändern. "Wir machen konzeptionell genauso weiter, wie wir es ohnehin getan haben." Vorstandsmitglied Florian Frank erklärte: "Die Standortoptimierung und Filialschließung werden wir weiter vorantreiben." Dabei wird Gerry Weber wohl auch von der Möglichkeit Gebrauch machen, sich im Rahmen der Insolvenz mittels Sonderkündigungsrecht von Filialen zu trennen - zumindest fiel das Stichwort in der Pressekonferenz. Christian Gerloff, der neben seiner Tätigkeit als K&L-Geschäftsführer dem Vorstand von Gerry Weber als Sanierungsexperte zur Seite steht, sagte: "Jetzt könnte man sagen ‚Aha, ein weiterer Textiler in der Krise.‘ Bei Gerry Weber ist die Situation aber anders. Das Unternehmen hat ein klares Konzept. Gerry Weber hat eine Daseinsberechtigung im Markt."

Nach den drei größten Fehlern gefragt, nannte Ehling u.a. ein "biederes und altbackenes Produkt", eine schlecht getimte Belieferung des Handels und eine falsche Strategie im Einzelhandel. "Wir haben lange nur auf Standortsicherung geachtet und nicht auf die Effizienz der Standorte." Zuletzt sei der Einzelhandel aber sehr vielversprechend gelaufen. "Wir hatten in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres ein deutlich besseres Ergebnis als geplant."

Gerry Weber ist einer der wenigen deutschen Modekonzerne mit internationaler Bedeutung. Zielgruppe ist die Frau über 50. Das 1973 von Weber gegründete Unternehmen hat in 60 Ländern einen Vertrieb. Insgesamt arbeiten 6.900 Menschen für die Firma aus Halle/Westfalen, die seit 1989 börsennotiert ist. Der Einstieg des Modeproduzenten in den Einzelhandel erfolgte 1999 mit der Eröffnung eigener Läden. 2014 wurde die Modekette Hallhuber übernommen.

Vor etwa 15 Jahren setzte eine rasante Filialisierung ein, was Gerry Weber zu einem Liebling von Maklern und Hauseigentümern machte. Hatte Gerry Weber im Geschäftsjahr 2006/2007 noch 66 eigene Läden, waren es keine zehn Jahre später inklusive der Marken Taifun und Samoon weltweit knapp 1.000 (siehe Grafik "Rasantes Filialwachstum"). In Deutschland stieg die Zahl der eigenen Läden von 61 (2007) auf 580 (2015). Wie viele es heute genau sind, war auf Anfrage nicht zu erfahren.

Mit Inkrafttreten des Sanierungsprogramms Fit4Growth wurde das Filialnetz ab etwa 2016 Zug um Zug verkleinert. Gerry Weber, der einstige Darling der Immobilienbranche, griff dabei auf die Hilfe derselben zurück. Mit dem Auflösen von Mietverträgen und dem Nachverhandeln der Miete war eine zeitlang Urban Plattes betraut, der zuvor bei Karstadt Immobilien und Multi Development tätig war. Im Frühjahr 2018 hieß es dann, man sei mit den Schließungen durch. Im Dezember 2018 wurde eine erneute Schließungswelle angekündigt, in deren Zuge sich Gerry Weber von 230 Verkaufsflächen trennen will.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Die Filiale von K&L im Marstall Ludwigsburg stellt spätestens Ende April den Betrieb ein.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Derweil stutzt auch das Modekaufhaus K&L mit Sitz in Weilheim (Bayern) im Rahmen des Insolvenzverfahrens sein Filialnetz. 14 Geschäfte machen zu. "Bei allen betroffenen Standorten sehen wir auch unter Annahme günstiger Rahmenbedingungen mittel- bis langfristig nicht die Chance, dass sie einen positiven Ergebnisbeitrag leisten können", erklärte Geschäftsführer Gerloff. Die Schließungen seien für die Sanierung ein "geplanter und notwendiger Zwischenschritt".

Das 1962 von Karl Ruppert gegründete Modehaus K&L hatte im Oktober 2018 einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Anfang des Jahres wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung formell eröffnet.

Diese 14 K&L-Geschäfte werden bis Ende April 2019 geschlossen: Ingolstadt (Ludwigsstraße 19), Straubing (Ludwigplatz 9), Rosenheim (Münchener Straße 2), Mühldorf (Stadtplatz 37), Neu-Ulm (Glacis-Galerie), Hof (Karolinenstraße 50-56), Pfaffenhofen (Hauptplatz 39), Schongau (Bahnhofstraße 4), Ulm (Hirschstraße 10 und Blautal-Center), Bad Mergentheim (Johann-Hammer-Straße 1), Ellwangen (Spitalstraße 10), Ludwigsburg (Marstall-Center), Plauen (Postplatz 1). Insgesamt betreibt K&L zurzeit noch 54 Filialen mit einer Größe von 500 m2 bis 3.200 m2 Verkaufsfläche. Derzeit sucht das Unternehmen einen Investor. Es gebe "erste indikative Angebote", verlautet aus Weilheim.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!