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Digitales | 31.01.2019

Aus IZ05/2019, S. 9

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Frankfurt am Main
  • Organisationen:
    FondsForum
  • Personen:
    Jörg von Ditfurth, Antoinette Hiebeler-Hasner, Steffen Schaack, Sven Krumpholz, Johannes Zahn, Stefan Stüdemann, Anke Sonnenburg

Digitalisierung versandet im täglichen Kleinklein

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Sie sehen viel ungenutztes digitales Potenzial (v.l.): Jörg von Ditfurth, Sven Krumpholz, Anke Sonnenburg, Antoinette Hiebeler-Hasner, Steffen Schaack, Stefan Stüdemann.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Oberflächlich betrachtet schreitet die Digitalisierung in der institutionellen Immobilienwirtschaft mit beachtlichem Tempo voran. In der Praxis hemmen jedoch Erfolgsverwöhntheit und das Beharren auf althergebrachten Prozessen die erfolgreiche Umsetzung. Das zeigte die zweite Digitalkonferenz des Fondsforums in Frankfurt.

Institutionelle Immobilienanleger kämpfen im Moment mit einem Luxusproblem: Einerseits haben sie den enormen digitalen Investitionsbedarf erkannt und erwarten von ihren Dienstleistern ein geschärftes technisches Leistungsprofil (siehe "Digitalwunschliste der Fondsmanager ist lang"). Das Geld für die Umsetzung wäre dank des aktuell boomenden Geschäfts vorhanden. Aber genau dieses boomende Geschäft bindet die Kräfte in den Unternehmen, die für eine umfangreiche digitale Transformation nötig sind. Durchbrechen ließe sich dieses Dilemma durch eine gemeinsame Anstrengung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dass es daran noch hapert, zeigten die Vorträge und Diskussionen auf der Digitalkonferenz am 22. Januar in Frankfurt.

Zwar gibt es einzelne Leuchtturmprojekte, etwa zu unternehmensübergreifenden Datenstandards (siehe "Deka steigt bei Architrave ein"). In der Breite sieht es aber mit der Kooperation innerhalb der Branche nach wie vor mau aus. So habe die Bereitschaft zu horizontalen Allianzen im Vergleich zum Vorjahr sogar abgenommen, resümiert Jörg von Ditfurth, Partner bei Deloitte Consulting, und fügt hinzu: "Das sollte uns Sorgen machen." Neben Datenstandards sieht der Berater dringenden Harmonisierungsbedarf unter anderem bei Schnittstellen, Kennzahlen und IT-Systemen.

Doch das erfordert neben Geduld und einem intensiven Austausch mit den Wettbewerbern erst mal eine gehörige Portion Problembewusstsein. In dieser Hinsicht sieht Stefan Stüdemann, Geschäftsführer der auf die Immobilienwirtschaft spezialisierten Kommunikationsagentur fiveandfriends, noch viel Nachholbedarf. "Die Revisionssicherheit in der Kommunikation zum Beispiel wird in vielen Unternehmen noch vernachlässigt", findet er. Bei der Digitalisierung dürfe sich die institutionelle Immobilienwirtschaft nicht davor scheuen, dicke Bretter zu bohren. "Das scheint mir heute nicht mehr en vogue zu sein", fügt Stüdemann hinzu. "Viel zu häufig höre ich den Satz: Wir wollen da mal ein bisschen digitalisieren."

Johannes Zahn, Geschäftsführer des Prozessberaters Connos, rät institutionellen Anlegern dringend dazu, das digitale Potenzial nicht zu unterschätzen. "Die technischen Möglichkeiten sind da, werden aber häufig nicht konsequent genutzt", ist er überzeugt. Die Möglichkeiten der Automatisierung würden schon deswegen zunehmen, weil auch die aufsichtsrechtlichen Regelungen, z.B. im Reporting, zunehmend normiert würden. "Die Branche muss sich fragen, warum sie sich noch so viel Copy-and-Paste-Arbeit antut, obwohl bekannt ist, dass hierdurch immer eine gewisse Fehleranfälligkeit besteht", fügt Zahn hinzu. Steffen Schaack, Senior Vice President beim Datenraumanbieter Drooms, sieht die technischen Voraussetzungen ebenfalls gegeben, zudem würden sich diese ständig verbessern: "Ich denke, dass im Bereich Automatisierung von Arbeitsabläufen viel passieren wird. Dabei sind wir bei den Themen Massendatenspeicherung und künstlicher Intelligenz gerade erst am Anfang der Reise."

Antoinette Hiebeler-Hasner, Geschäftsführerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Vistra Deutschland, erkennt neben der branchenspezifischen Angst vor Veränderung falsche Vorstellungen über die Wirkungsweise von digitalen Abläufen als Ursache einer schleppenden Digitalisierung. "Wir haben früher gedacht, wir bräuchten für alles ein einheitliches IT-System. Heute bin ich anderer Ansicht: Wir brauchen Flexibilität in den Systemen und Leute, die ein gutes Schnittstellenmanagement ermöglichen. Das Ziel muss sein, händische Arbeit komplett zu eliminieren."

Eine umfangreiche Automatisierung von Prozessen löse aber Ängste aus, gibt Sven Krumpholz zu bedenken, Managing Director bei AXA Investment Managers Deutschland. "Viele denken doch, wenn sie sich digitalisieren, wird ihre eigene Arbeitsstelle redundant." Um derartigen Ängsten zu begegnen, brauche es ein umfassendes Change-Management, das nicht nur ermittelt, welche Ziele das Unternehmen erreichen will, sondern auch den Nutzen für den einzelnen sichtbar macht. "Daten konsistent in einer Maschine zu haben, kann extremen Wert freisetzen", ist Krumpholz überzeugt.

Für eine sorgfältige Planung von Digitalprojekten plädiert auch Anke Sonnenburg, Managing Director bei der Deutschen Pfandbriefbank. "Beim Aufbau unserer Digitalplattform für die Kommunalfinanzierung haben wir unsere Erfahrungen mit indischer Programmierarbeit gemacht. Am Ende haben wir alles wieder zurück nach Deutschland geholt." Auch sollte sich kein Unternehmen einbilden, andere Bereiche wegen der Digitalisierung links liegen lassen zu können: "Für Digitalprodukte muss man genauso Vertrieb machen wie für alle anderen auch."

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