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Märkte | 31.01.2019

Aus IZ05/2019, S. 4

Von Katja Bühren

In diesem Artikel:

Das Preisargument zieht nicht

Künftig entstehen in Deutschland mehr Wohnungen in Holzbauweise. Davon ist Karl-Heinz Roth, Leiter Akquisition beim Holzbauunternehmen Züblin Timber, überzeugt. Seine Gründe dafür nennt er im IZ-Interview.

Quelle: Züblin Timber
Karl-Heinz Roth, Leiter Akquisition bei Züblin Timber

Quelle: Züblin Timber

"Die Verschärfungen der Energieeinsparverordnung tun uns gut."
Immobilien Zeitung: Herr Roth, haben Sie den Eindruck, dass im Geschosswohnungsbau Holz häufiger zum Einsatz kommt?

Karl-Heinz Roth: Ja, wir registrieren hier seit den vergangenen fünf Jahren eine positive Entwicklung, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau (siehe "Schritt für Schritt auf dem Vormarsch"). Leuchtturmprojekte wie das Skaio oder die Wildspitze sorgen für Aufmerksamkeit. Aber der Volumenmarkt sind immer mehr vergleichsweise unscheinbare Gebäude in Holzbauweise, meist sind es Drei- oder Viergeschosser. Hier, im klassischen Geschosswohnungs- und Schlüsselfertigbau, sehen wir für uns auch das größte Potenzial.

IZ: Das heißt, Sie rechnen damit, dass dieser Aufwärtstrend im Holzbau anhält?

Roth: Vor etwa 20 Jahren wurde der mehrgeschossige Holzbau schon einmal durch verschiedene Programme gefördert, doch das war nicht so erfolgreich. Aber der aktuelle Trend wird nach unserer Einschätzung anhalten. Vor allem, weil Nachhaltigkeit und Rückbau heute einen ganz anderen Stellenwert haben. Beim Skaio in Heilbronn, wo wir als Generalunternehmer tätig sind, können z.B. bei einem Rückbau die Materialien zu einem großen Teil stofflich getrennt und recycelt oder weiterverwendet werden.

IZ: Trotzdem setzen bisher nur wenige Bauherren auf Holz. Welche Hindernisse gibt es?

Roth: Die Einstellung des Architekten zum Holzbau ist maßgeblich. Derzeit berücksichtigen viele Planer die traditionellen Baustoffe. Folglich muss mehr Planungssicherheit mit dem Werkstoff Holz gewonnen werden. Außerdem gilt: Wenn ein Projekt zu Beginn im Massivbau geplant wird und es auf Holz umprojektieren werden soll, wird es deutlich teurer. Die Vorteile der seriellen Fertigung lassen sich nicht mehr problemlos nutzen. Grundsätzlich lebt der Holzbau von der Vorfertigung. Das bedeutet, dass Informationen viel früher im Planungsprozess benötigt werden als beim konventionellen Bau. Ein Beispiel: Wenn man in der Vorfertigung Kabel in die Bauteile einziehen will, muss man zwei bis drei Monate früher als auf einer klassischen Baustelle wissen, wo genau. Das macht manchen Bauherren zu schaffen, vor allem wenn der Nutzer des Gebäudes noch nicht bekannt ist.

IZ: Sind die rechtlichen Vorgaben auch ein Hindernis im Holzbau?

Roth: Da gibt es zwei Richtungen: Die Verschärfungen der Energieeinsparverordnung tun uns gut, da Holz sehr gute Dämmeigenschaften hat. Die Landesbauordnungen sind dagegen nicht sehr förderlich, in vielen Bundesländern gibt es vor allem in den Gebäudeklassen 4 und 5 relativ große Hemmnisse. In Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin und NRW gibt es mittlerweile Erleichterungen für den Holzbau, sodass er dem Massivbau gleichgestellt ist. Hier gibt es nicht die Vorgabe, dass Holz gekapselt, also mit nicht brennbarem Material umhüllt werden muss. Es reicht ein Nachweis über den Abbrand. Das bedeutet, man muss nachweisen, dass das Holz bei einem Brand über eine bestimmte Zeit seine Stabilität behält.

IZ: Und wie sieht es bei den Kosten aus? Ist das Bauen mit Holz günstiger als der konventionelle Bau?

Roth: Die Frage ist nicht mit ja oder nein zu beantworten. Der Holzbau ist etwa 3% bis 5% teurer als der konventionelle Massivhausbau mit Stein und Stahlbeton. Wer also nur über den Preis ein Projekt im Holzbau für sich gewinnen will, steht vor einem steinigen Weg. Aber man muss sich auch die Frage stellen, ob man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

IZ: Inwiefern?

Roth: Zum einen sind beim Holzbau oftmals gelernte Zimmerer im Einsatz, die deutlich höhere Löhne erhalten als z.B. ungelernte Bauhelfer, die meist bei Stahlbetonarbeiten eingesetzt werden. Das bedeutet, durch Holzbau entsteht Platz für qualifizierte Arbeitsplätze auf unseren Baustellen. Zweitens lohnt sich ein Blick auf die Qualität: Bei der Vorfertigung im Werk gibt es eine viel bessere Kontrolle als beim Bau auf der Baustelle. Und die reine Bauzeit verringert sich dadurch deutlich. Außerdem sind die Bauteile in der Regel dünner, es wird also weniger Platz dafür benötigt. Das ist vor allem dort ein Vorteil, wo die Preise für Grundstücke sehr hoch sind. Ganz zu schweigen vom ökologischen Nutzen: Ein Kubikmeter verbautes Holz bindet etwa eine Tonne CO2. Zu wenig wird meiner Meinung nach über den Rückbau von Gebäuden gesprochen: Werden die Rückbaukosten in die Berechnung der Baukosten einbezogen, dann wäre der Holzbau vorne. Hier fehlt vielleicht auch die richtige Lobby, um das an geeigneter Stelle zu vermarkten.

IZ: Die Akzeptanz von Holzgebäuden scheint in Deutschland ohnehin von Region zu Region sehr unterschiedlich zu sein. Die Zahlen des Verbands Holzbau Deutschland - Bund Deutscher Zimmerer zeigen bei den Genehmigungen für Gebäude, die überwiegend mit Holz gebaut werden, ein starkes Süd-Nord-Gefälle. Wie erklären Sie das?

Roth: In Süddeutschland wird traditionell mehr mit Holz gebaut. Mit der Konsequenz, dass es bei der Verteilung von Zimmereibetrieben ein ähnliches Bild gibt: In Mecklenburg-Vorpommern finden sie höchstens fünf oder sechs Zimmereien, die größere Projekte im Geschosswohnungsbau stemmen könnten. Es gibt also in manchen Regionen gar nicht ausreichend Handwerker, um mehr Holzbauten zu errichten.

IZ: Sollte es einen Boom beim Holzbau geben - müsste man dann befürchten, dass es künftig auch zu wenig Holz gibt?

Roth: Derzeit wird in Deutschland und auch Österreich weniger Holz geschlagen als zur Verfügung steht. Da sehe ich kein Problem. Wichtiger ist, dass die Holzwirtschaft auf den Klimawandel reagiert und Bäume pflanzt, die die künftigen klimatischen Veränderungen verkraften.

IZ: Herr Roth, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Katja Bühren.

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