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Märkte | 24.01.2019

Aus IZ04/2019, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Bank of England
  • Organisationen:
    Europäische Zentralbank (EZB)
  • Personen:
    Haruhiko Kuroda

Vergesst die Zinswende!

Die Zinswende kommt vielleicht gar nicht, weil Niedrigzinsen eine zwangsläufige Folge überalternder Gesellschaften sind. Das bedeutet aber nicht, dass es keinen Zyklus mehr gibt. Zusammen verheißt das nichts Gutes, findet IZ-Redakteur Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung
Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung

Seit sieben Jahren ist der Hauptrefinanzierungszins der EZB nicht mehr über 1% geklettert. Fast ebenso lange starrt die Immobilienbranche wie ein hypnotisiertes Kaninchen gebannt darauf, ob sich die Finanzierungskosten wieder deutlich verschlechtern und einen Preisrutsch ankündigen könnten. Sie wird womöglich noch lange starren. Kurzfristig dürfte die Zinswende ohnehin ausbleiben, weil die Notenbank angesichts der sich momentan abkühlenden Weltwirtschaft das Wachstum nicht wird abwürgen wollen. Langfristig ist ein nennenswerter Anstieg des Kapitalmarktzinses in den reifen Ökonomien jedoch gleichfalls unwahrscheinlich, nämlich aus demografischen Gründen. Über welch langfristige Zeiträume wir dabei reden, zeigt ein Blick in das schon lange überalternde Japan. Da lag der Notenbankzins seit 24 Jahren nicht über 1%.

Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomens findet sich in einer bisher wenig beachteten Studie, die die Bank of England (BoE) 2017 veröffentlichte. Die BoE-Ökonomen zeigen darin, dass es der gesamte angesammelte Kapitalstock ist, der die Zinssätze einer Volkswirtschaft beeinflusst, nicht etwa nur die aktuellen Zu- und Abflüsse. Bei steigender Lebenserwartung und längerer Rentenbezugszeit gibt es immer mehr Menschen, die zusätzliches Geld fürs Alter zurücklegen und dieses Kapital im Ruhestand nur allmählich aufbrauchen. Drei Viertel des Verlustes an weltweiter Durchschnittsrendite seit 1980 lassen sich mit diesem Kapitalaufbau erklären, bei den Immobilienpreisen sei dieser Anteil noch größer. Selbst der gerade stattfindende Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge, so eine wichtige Schlussfolgerung der Studie, ändere an diesem aufgebauten Kapitalstock bis 2050 nichts Wesentliches. Denn die jungen Leute werden ererbtes Vermögen wegen der eigenen gestiegenen Lebenserwartung nicht verschleudern und die, deren Eltern ihnen nichts hinterlassen konnten, werden selbst vorsorgen müssen.

Na super, mag da mancher Immobilieninvestor nun denken, dann ist ja alles in Butter! Dem ist leider nicht so. Denn ein dauerhaft niedriges Zinsniveau eliminiert keineswegs zyklische Schwankungen. Da aber der Zins als Signalgeber weitgehend ausfällt, sind Marktumschwünge viel schwerer vorherzusehen. Zudem, und darauf wies vergangene Woche ausgerechnet der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda hin, neigen Investoren in einem dauerhaften Niedrigzinsumfeld dazu, sich auf zu hohe Risiken einzulassen, was zur Instabilität im gesamten Finanzsystem führen könne. Nur weil das Zinsniveau schön niedrig bleibt, heißt das also nicht, dass die Gefahr einer Marktüberhitzung abgenommen hat. Das Gegenteil ist der Fall.

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