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Projekte | 10.01.2019

Aus IZ01-02/2019, S. 23

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:

Ingolstadt bekommt einen neuen Stadtteil für 800 Mio. Euro

Quelle: Gerchgroup, Urheber: Hajo Dietz
Auf dem 128.000 m2 großen Grundstück an der Römerstraße entwickelt die Gerchgroup in den nächsten Jahren ein Stadtquartier.

Quelle: Gerchgroup, Urheber: Hajo Dietz

Ingolstadt. Der Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup kauft das 128.000 m² große Firmengelände des Maschinenherstellers Rieter. Der Kaufpreis überrascht zwar die Analysten, doch er geht in der Gesamtinvestition unter. Insgesamt will die Gerchgroup rund 800 Mio. Euro in die Entwicklung des Stadtteils stecken.

Die Düsseldorfer Gerchgroup hat in Ingolstadt Großes vor. Kurz vor Weihnachten unterzeichneten Vertreter des Projektentwicklers und des Spinnereimaschinenherstellers Rieter den Kaufvertrag über das Firmengelände im Ingolstädter Nordosten. Auf dem gut 128.000 m² großen Grundstück entlang der Römerstraße und der Friedrich-Ebert-Straße soll in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier entstehen.

Geplant sind laut Gerchgroup vor allem Wohnungen, aber auch gewerbliche Nutzungen wie Büros und Einzelhandelsflächen sowie eine Kindertagesstätte. Mit dem Baubeginn rechnet die Gerchgroup nicht vor dem Jahr 2024.

Vor zwei Jahren kündigte der Schweizer Rieter-Konzern an, seine Produktion von Spinnmaschinen aus Ingolstadt nach Tschechien verlagern zu wollen. Seitdem rechneten Analysten mit dem Verkauf des Grundstücks. Der erzielte Preis überraschte allerdings die Banken. Rieter erwartet nach eigenen Angaben nach dem Abschluss der Transaktion im Laufe des dritten Quartals 2019 einen außerordentlichen Beitrag am Gewinn nach Steuern von rund 60 Mio. Euro. Die Analysten des an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange notierten Mutterkonzerns mit Sitz in Winterthur gingen angesichts möglicher Altlasten von einem deutlich niedrigeren Erlös für das Gelände aus. Die Zürcher Kantonalbank rechnete etwa mit lediglich 44,5 Mio. Euro. "Dafür hätten wir das Gelände nie bekommen", sagt Gerchgroup-Chef Mathias Düsterdick. Der Kaufpreis bewege sich vielmehr am unteren Ende des Marktes. Die Altlasten sind dennoch ein Problem. Für deren Beseitigung hat die Gerchgroup einen zweistelligen Millionenbetrag einkalkuliert. Einst stand auf dem Gelände die Königlich Bayerische Geschütz- und Geschoßgießerei, die von 1883 bis zum Ersten Weltkrieg in Ingolstadt den größten Teil der Geschützrohre und Artilleriemunition für das bayerische Heer herstellte. Aus der Zeit sind noch zwei denkmalgeschützte Gebäude übrig geblieben: der Wasserturm und ein rund 10.000 m² großer Backsteinbau mit Sheddächern. Diese sollen in das künftige Konzept integriert werden.

Kurz vor dem Notartermin legte sich der Stadtrat auf seiner letzten Sitzung im vergangenen Jahr zudem auf konkrete Bedingungen fest. Unter anderem soll künftig ein grünes Band das bisher nahezu komplett versiegelte Industriegelände durchziehen. Bis zu zwei Drittel der geplanten Geschossfläche sollen für Wohnungen reserviert sein. Düsterdick rechnet mit rund 100.000 m² Geschossfläche. Damit dürften deutlich über 1.000 Wohnungen entstehen. Ein Teil davon werden geförderte Wohnungen sein, die über einen städtebaulichen Vertrag festgelegt werden. Großflächige Einzelhandelsbetriebe hat die Stadt dagegen ausgeschlossen. In der Umgebung befinden sich bereits zahlreiche Geschäfte wie Lidl und Rossmann sowie ein EdekaCenter und eine Aldi-Süd-Filiale. "Aufgrund der bereits vorhandenen Lebensmittelmärkte wird kein Bedarf an weiteren großflächigen Einzelhandelsbetrieben gesehen", erklärt die Stadt. In den Erdgeschossen seien aber Einzelhandelsflächen möglich. Ein erster Nutzer steht fest. Etwa 150 Rieter-Beschäftigte der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bleiben am Standort. Allerdings wird nicht Gerchgroup, sondern ein anderer Bauherr das Bürogebäude im Osten des Areals ab dem kommenden Jahr realisieren.

IZ

Um das restliche Quartier zu entwickeln, soll noch in diesem Jahr ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt werden. Der Wettbewerb umfasst dabei auch das angrenzende Gewerbegebiet im Nordosten mit zwei Supermärkten und zwei Bürogebäuden sowie das sogenannte Bäumler-Areal im Südwesten des Areals. Das etwa 3 ha große Gelände entlang der Friedrich-Ebert-Straße gehörte einst dem Herrenmodehersteller Bäumler. Die Gerchgroup hat sich bereits die Kaufoption für das Areal gesichert, wie Düsterdick der Immobilien Zeitung bestätigt. Bisher gehört das Grundstück dem Ingolstädter Bauunternehmer Achim Schlafke. Seine Firma RMN Wohnbau erhielt 2010 für 2,75 Mio. Euro den Zuschlag bei der Zwangsversteigerung des Geländes nach der Insolvenz Bäumlers.

"Das Entwicklungspotenzial in der prosperierenden Stadt Ingolstadt ist enorm", begründet Düsterdick die Akquisition. Das Grundstück liege im einwohnerstarken Stadtbezirk Nordost. Die Autobahn, der Nordbahnhof und auch das Audi-Werk seien schnell zu erreichen. Für Düsterdick ist es das zweite Engagement in der Stadt. Noch unter dem Namen PDI Property Development Investors (heute 6B47 Germany) kaufte er Anfang 2014 ein Grundstück, auf dem heute der IN-Tower steht.

Das Gesamtinvestitionsvolumen für das neue Projekt soll bei rund 800 Mio. Euro liegen. Solche Großprojekte sind für die Gerchgroup keine Ausnahme mehr. Aktuell hat das Unternehmen Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 3,8 Mrd. Euro in der Entwicklung. So entstehen etwa auf dem rund 16 ha großen Gelände des Motorenherstellers Deutz in Köln-Mühlheim die Deutz-Quartiere mit 305.000 m² Bruttogrundfläche (BGF) und einem Investitionsvolumen von etwa 1 Mrd. Euro. In Nürnberg will das Unternehmen rund 700 Mio. Euro in den Neu- und Umbau der früheren Quelle-Zentrale investieren. Auf dem Areal entstehen unter der Bezeichnung The Q hauptsächlich Wohnungen mit einer BGF von bis zu 190.000 m².

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