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Märkte | 10.01.2019

Aus IZ01-02/2019, S. 8

Von Monika Hillemacher

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Deutsches Institut für Normung (DIN), Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen
  • Personen:
    Christian Bruch, Dirk Salewski
  • Immobilienart:
    Wohnen

Die Immobilienbranche normt mit

Wer Standards wie DIN-Normen setzt, bestimmt, wo es langgeht, die anderen müssen folgen. Investoren und Bauträger stöhnen über eine Flut von Normen am Bau und deren Folgekosten. Seit Januar 2019 redet die Immobilienbranche bei der Normung mit.

Quelle: beta Eigenheim und Grundstücksverwertungsgesellschaft mbH
Dirk Salewski vertritt seit 1. Januar die Immobilien- und Wohnungswirtschaft im Präsidium des DIN-Instituts.

Quelle: beta Eigenheim und Grundstücksverwertungsgesellschaft mbH

Erstmals zieht ein Branchenvertreter in das höchste Gremium des Deutschen Instituts für Normung (DIN) ein. Die Organisation legt die fast gesetzesgleichen Standards fest. Dirk Salewski nimmt seinen Sitz im DIN-Präsidium offiziell am 1. Januar 2019 ein. Der Mann kommt als Geschäftsführer des Bauträgers beta Eigenheim aus der Praxis, er hat ein klares Ziel: "Darauf hinwirken, dass Normung auf der Baustelle wieder praxisnäher, einfacher und kostengünstiger wird."

Diese Aspekte spielten nach Ansicht der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bislang so gut wie keine Rolle im Normungsverfahren. Im Ergebnis sind auf Deutschlands Baustellen inzwischen sage und schreibe rund 3.300 Standards zu beachten. Bauen wird auch deswegen stetig teurer. Zu dieser Erkenntnis kam schon 2015 die im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen etablierte Baukostensenkungskommission.

Sie forderte in ihrem Abschlussbericht, mögliche Folgekosten stärker zu analysieren. "Eine Gesamtschau, was jede DIN für das Gesamtprodukt bedeutet, findet nicht statt", kritisiert der Hauptgeschäftsführer des BFW, Christian Bruch, der in der Kommission saß.

Sie listet in ihrem Abschlussbericht auf mehreren Seiten Normprobleme auf. Dazu zählen abnehmender Einfluss der Anwender auf die Arbeit des privat organisierten DIN-Instituts, mangelnde Transparenz, zu hohe Standards, keine Rücksicht auf die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Bauprojekten und eine wenig ausgewogene Besetzung der maßgeblichen Normungsausschüsse.

Dort sitzen insbesondere Vertreter der Industrie. Von ihr vorgelegte Neuheiten werden meistens über Normung zu anerkannten Regeln der Technik. Über das Bauordnungsrecht der Länder wird wiederum DINStandard verbindlich, sodass jeder Bauherr die Vorgaben einhalten muss. Es werde "Produktmarketing durch Normung betrieben", meint Bruch.

Nun soll Dirk Salewski auf mehr Klarheit in den Normungsverfahren achten und beitragen, die Auswirkungen auf die Baukosten stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Dass er als BFW-Vorstandsmitglied gut vernetzt ist und mit beta 2014 eine Auszeichnung für bezahlbares Bauen beim Fiabci Prix d‘Excellence Germany erhielt, schadet vermutlich nicht. Auf den DIN-Präsidiumsposten ist er für drei Jahre berufen.

Das Deutsche Institut für Normung seinerseits erarbeitet eine Vorlage zur Kostenfolgeabschätzung speziell im Wohnungsbau. Am Beispiel eines Mustergebäudes - z.B. Mehrfamilienhaus, zwölf Einheiten, durchschnittliche Ausstattung - soll jede Norm gecheckt und durchgerechnet werden, ob und wie viel Mehrkosten entstehen. Auch das gehört zu den Ideen aus dem Jahr 2015, bezahlbare Wohnungen zu realisieren.

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