Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 20.12.2018

Aus IZ51/2018, S. 18

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Bürgerbegehren verhindert Wohnungsbau in Winterhude

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Auf der Tiefgarage am Ufer des Mühlenkampkanals (grün) plant Robert Vogel sieben bis zu siebengeschossige Gebäude.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Hamburg. Mit über 71% der Stimmen wurde durch ein Bürgerbegehren der Bau von 109 Wohnungen in Winterhude gestoppt. Das Immobilienunternehmen Robert Vogel plant hier Wohnungen mit einer für fünf Jahre auf 9 Euro/m² begrenzten Miete.

"Das ist ein fatales Zeichen für den Wohnungsbau in Hamburg", kommentierte Sönke Struck, Vorstandsvorsitzender des BFW Nord, das Ergebnis des Bürgerbegehrens zum Projekt Dorotheenkai des Unternehmens Robert Vogel. 71.450 der 247.580 Abstimmungsberechtigten im Bezirk Nord beteiligten sich - eine für Bürgerbegehren ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von knapp 29% und die höchste jemals erzielte im Bezirk Nord. 71% der gültigen Stimmen bejahten die Frage der Bürgerinitiative SOS Mühlenkampkanal, ob man das Grün und den Nebenarm der Alster als Erholungsfläche erhalten wolle.

Das Hamburger Immobilienunternehmen plant im Rahmen des Neubaus beziehungsweise der Sanierung einer Tiefgarage auf dem Dach sieben versetzt zueinander entstehende Wohngebäude mit bis zu sieben Geschossen und über 100 Mietwohnungen. Der Clou: Für fünf Jahre sollten diese von Winking Froh Architekten direkt am Mühlenkampkanal entworfenen Wohnungen für unter 9 Euro/m² Kaltmiete vergeben werden. "An diesem Standort sind Mieten bis zu 17 Euro/m² möglich", betont Struck.

Kostendämpfend für das Immobilienunternehmen wirkt, dass ihm das Grundstück bereits gehört. 1961 hatte Robert Vogel drei Hochhäuser mit 200 Wohnungen auf einem früheren Fabrikgelände fertiggestellt. Entlang des Mühlenkampkanals entstand die inzwischen marode und begrünte Tiefgarage.

Während die Bezirkspolitik - bis auf die Linken - diesem Nachverdichtungsprojekt positiv gegenüberstand, organisierten sich Anwohner sowie Büronutzer des gegenüberliegenden Kanalufers in der Bürgerinitiative (BI) SOS Mühlenkampkanal und forderten den Erhalt des begrünten Kanalufers. Mit dem Bauprojekt würden etwa 100 Bäume fallen. Die für ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Grüns nötigen 7.115 Stimmen waren bis zum 8. Februar 2018 gesammelt worden.

Unter Mitwirkung von Oberbaudirektor Franz-Josef Höing gab es im Sommer 2018 Verhandlungen. Die BI forderte eine maximale Höhe von drei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss. Höing steuerte das Konzept einer fünfgeschossigen Bebauung bei und einen Abstandsstreifen von fünf Metern zum Kanal, der - samt der vorgesehenen drei Steganlagen - öffentlich nutzbar sein sollte.

Die BI brach die Gespräche ab, weil man beim Investor keine Bewegung sehe. Zudem sei das Argument der auf fünf Jahre auf 9 Euro/m² begrenzten Mieten eine Mogelpackung. Der Vermieter werde die Mieterschaft so filtern, dass es nach fünf Jahren eine hohe Fluktuation geben werde und damit Neuvermietungen zu Marktpreisen. Da es sich um einen Neubau nach 2014 handele, gelte die Mietpreisbremse nicht.

"Das Ergebnis zeigt, dass wir alle noch intensiver mit der gesamtgesellschaftlichen Frage befassen müssen, wo Wohnraum für wen entstehen soll", reagiert Lars Hansen, Geschäftsführer von Robert Vogel, diplomatisch auf die Abstimmungsniederlage, verweist aber auf drohende Gentrifizierung: "Wenn wir auf diese Frage keine fairen und über alle Stadtteile verteilten Antworten finden, wird unsere Stadt den Städten folgen, in denen die Wohlhabenden in der Innenstadt wohnen und diejenigen, die sich das nicht leisten können, in das Umland verdrängt werden." Hansen sieht den Bürgerbescheid nur als einen "Zwischenschritt". Er will "die Gespräche mit der Verwaltung, der Politik und den Bewohnern des Quartiers fortsetzen".

Die Notwendigkeit intensiverer Gespräche mit Anwohnern durch Stadt und Wohnungsunternehmen betont auch Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). "Der Bau bezahlbaren Wohnraums in Hamburg und die Verdichtung innerstädtischer Quartiere werden nach dem Bürgerentscheid nun noch schwieriger."

Sönke betont die grundsätzliche Problematik. Alle wollten Nachverdichtung. Hier habe es die Möglichkeit gegeben, Wohnraum für Normalverdiener zu schaffen, deren Einkommen über der Fördergrenze liegen. "Wenn das Beispiel der Bürgerinitiative Schule macht, können wir bald sämtliche Nachverdichtungspläne vergessen."

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!