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Unternehmen | 20.12.2018

Aus IZ51/2018, S. 14

Von Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

Gerry Weber holt die Axt raus

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes
Gerry Weber macht mehr als jede sechste eigene Fläche dicht.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes

Das gebeutelte Modeunternehmen Gerry Weber hat die Schließung von "rund 230 Verkaufsflächen" als Baustein der Zukunftssicherung kommuniziert. Der Kahlschlag trifft aber nicht nur Geschäfte, sondern auch Concessions-Flächen.

"Für die Gerry-Weber-Marken haben wir 822 Verkaufsflächen inklusive der Concessions-Standorte. Davon werden wir rund 230 schließen müssen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage der Immobilien Zeitung mit. Von diesen avisierten 230 Schließungen seien "sowohl Gerry Weber als auch Hallhuber betroffen - Stores und Verkaufsflächen. Bei Hallhuber werden jedoch auch neue Stores und Concessions eröffnet." Weitere Informationen könne sie derzeit nicht geben. Zuvor hatte das Modeunternehmen nicht nur das Ausmaß des Kahlschlags verlauten lassen, sondern auch, dass der Vorstand "in die Verhandlungen mit den Vermietern von Ladengeschäften über die vorzeitigen Kündigungen und Anpassungen von Mietverträgen eingetreten" sei.

Der Modekonzern mit den Marken Gerry Weber, Taifun und Samoon betreibt rund um den Globus rund 1.230 eigene Läden und Verkaufsflächen (Stand: Ende drittes Quartal 2017/2018). Davon gehören allerdings 410 zur Tochter Hallhuber. Von den anderen 822 Standorten, die der Konzern zu seinem "Core-Retail"-Portfolio zählt, entfallen 440 auf Gerry-Weber-Mehrmarkengeschäfte, 70 auf Monolabelläden, 278 auf Concessions-Flächen, also in Eigenregie geführte Shop-in-Shop-Flächen, und 34 auf Factory Outlets.

Schließungen sind bei Gerry Weber nichts Neues: Zwischen Ende Juli 2017 und Ende Juli 2018, dem Ende des dritten Quartals 2017/2018, wurden schon 45 eigene Flächen geschlossen. Im letzten vollen Geschäftsjahr (2016/2017) wurden 68 Läden der Marken Gerry Weber, Taifun oder Samoon aufgegeben, und 2015/2016 waren es 75. Rund zwei Drittel der Schließungen betrafen Deutschland. Im Frühjahr 2018 hatte das Unternehmen erklärt, mit den Schließungen im Rahmen seines Sanierungsprogramms Fit4Growth im Wesentlichen durch zu sein.

Im Gesamtjahr 2017/2018 hat Gerry Weber, das wie andere große Modehändler und -hersteller mit dem Umbruch im Textilhandel kämpft, nach vorläufigen Zahlen rund 10% Umsatz verloren. Das operative Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist ins Minus gerutscht (Verlust von 15,5 Mio. Euro). Inklusive Rückstellungen für Schließungen oder die Streichung von Arbeitsplätzen, Beratungskosten, außerplanmäßigen Abschreibungen und Wertberichtigungen hat sich sogar ein Fehlbetrag von 148,1 Mio. Euro aufgetürmt. Die dringlichste Aufgabe, die der Vorstand aktuell vor der Brust hat: bis Ende Januar 2019 ein Finanzierungs- und Sanierungskonzept unter Dach und Fach bringen.

Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, hat Gerry Weber unlängst ein Showroomcenter für rund 36 Mio. Euro an die Zech Group verkauft. Das Objekt im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf ist rund 12.000 m² groß und derzeit an 21 Modeunternehmen vermietet. Der Verkaufserlös soll der Sanierung dienen.

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