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Märkte | 20.12.2018

Aus IZ51/2018, S. 5

Von Monika Hillemacher

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Euler Hermes Kreditversicherung
  • Organisationen:
    Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), Institut für Wirtschaftsforschung (ifo)
  • Personen:
    Peter Hübner, Reinhard Quast, Ron van het Hof
  • Immobilienart:
    Wohnen, Infrastruktur

Der Bau wächst und gedeiht

Die deutsche Baukonjunktur kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben. Das gilt sowohl für Umsatz und Aufträge als auch für Personal und Investitionen - und die Preise. Der Auftrieb soll noch mindestens drei Jahre anhalten, prognostiziert die Branche. Sie konzentriert sich dank des kräftigen Wachstums inzwischen auf attraktive Aufträge. Im laufenden Jahr werden erneut weniger Wohnungen fertig als erforderlich.

Im neuen Jahr, davon sind die Chefs der beiden Branchenverbände HDB und ZDB felsenfest überzeugt, legt die Bauwirtschaft wieder eine Schippe drauf. "Das Wachstum der Bautätigkeit wird sich auf hohem Niveau fortsetzen", erwarten HDB-Präsident Peter Hübner und sein Kollege Reinhard Quast vom ZDB. Beide rechnen mit einem Umsatzwachstum von nominal 6% (2018: 5%). Der Erlös würde damit auf 128 Mrd. Euro steigen.

Die Zahl der Mitarbeiter soll 2019 von derzeit etwa 820.000 auf 850.000 steigen. Um die Projekte abzuarbeiten, investieren die Firmen laut Hübner zudem in Ausrüstung im Volumen von rund 8 Mrd. Euro. Die Zahlen beziehen sich auf Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern. Sie repräsentieren etwa 10% der gesamten deutschen Bauwirtschaft.

Für Bauherren indes wird Bauen immer teurer. In diesem Jahr ziehen die Preise um 4,5% an, nach 3,6% im vergangenen Jahr.

Hübner geht davon aus, dass der Aufschwung seiner Branche über das Jahr 2020 hinaus anhält. "Wir sehen in den nächsten drei Jahren keine Änderungen." Politische Unsicherheiten wie Brexit und Handelskriege erschüttern die Einschätzung nicht. Sollte die deutsche Wirtschaft wegen Exportturbulenzen ihre Bautätigkeit zurückfahren, würden Wohnungsbau und Infrastrukturprojekte einen möglichen Rückgang auffangen. Geld ist Hübner zufolge kein Problem. Die öffentlichen Kassen seien gut gefüllt; den Wohnungsbau treiben weiterhin die niedrigen Zinsen.

Der Umsatz im Wohnungsbau wird 2019 voraussichtlich um nominal 5,5% (2018: 6,5%) wachsen. In Stein und Beton umgesetzt entspräche dies bis zu 320.000 neuen Einheiten oder rund 20.000 mehr, als im laufenden Jahr fertig werden sollen. Dennoch würde sowohl dieses als auch nächstes Jahr das von Politik und Verbänden angepeilte Ziel von 350.000 Wohnungen verpasst.

Für die Sparte Wirtschaftsbau gehen die Bauverbände von einem Umsatzplus von 6% aus, das wäre ein leichter Rückgang um einen Prozentpunkt im Vergleich zu diesem Jahr. Dagegen erwarten die Kollegen vom Straßen- und Schienenbau ein um einen Prozentpunkt höheres Umsatzplus von 7%.

Öffentlichen Auftraggebern lasen die Bauverbände auf ihrer gemeinsamen Jahrespressekonferenz die Leviten. Aus Sicht der Firmen ist die Zusammenarbeit oftmals unattraktiv: hoher bürokratischer Aufwand, langwierige, komplizierte Ausschreibungen und Personalmangel auf den Ämtern listen Hübner und Quast auf (siehe "Das überforderte Bauamt", IZ 20/18, Seite 1). Die Unternehmen geben oftmals den privaten Kunden den Vorzug. Bund, Länder und Gemeinden haben das Nachsehen, zumal die Auftragsbücher der Bauleute prall gefüllt sind.

Die digitale Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) soll der Bauwirtschaft einen weiteren Wachstumsschub verpassen. "Bei komplexen Projekten rechnen wir mit einem Effizienzgewinn von 20% bis 30%", sagte Hübner. BIM sorge für "unglaubliche Transparenz, Termin- und Kostentreue". Im Endeffekt könnte schneller mehr gebaut werden. Das würde nicht nur den Wohnungsbau voranbringen, sondern auch öffentliche Großprojekte. Derzeit ist nach Angaben des HDB der private Hochbau beim Einsatz von BIM dem öffentlichen Sektor um Meilen voraus, weil das Vergaberecht wie ein Bremsklotz wirke.

Das Münchner ifo-Institut zeigt sich weniger optimistisch. Die Forscher sehen europaweit ein langsames Nachlassen der Baukonjunktur heraufziehen. "Dem Wachstum geht die Puste aus", heißt es mit einem Rundumblick auf 19 Länder. Bis 2021 gebe es zwar "positive Wachstumsraten", aber die Werte könnten im Einserbereich landen.

Der Kreditversicherer Euler Hermes orakelt ebenfalls: "Der Konjunkturzyklus neigt sich nach zehn Jahren dem Ende zu." Demnach soll es bereits 2019 international abwärts gehen. Ausnahme könnte Deutschland sein. Zwar werde auch hierzulande der Markt an Fahrt verlieren, aber moderater als anderswo. Deshalb sei die hiesige Baubranche "fast wie ein gallisches Dorf bei Asterix und Obelix", lässt sich Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in der Dach-Region, zitieren. Als Warnsignal interpretiert er die zunehmende Zahl an Pleiten im Bausektor. Zwischen Januar und August 2018 gingen in Deutschland 2.305 Baufirmen insolvent, 3% mehr als im Vorjahreszeitraum.

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