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Unternehmen | 06.12.2018

Aus IZ49/2018, S. 8

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:

Die Lage ist für A&O das A und O

Quelle: A&O
Der umgestaltete Empfang im Hostel Berlin-Mitte soll das Haus moderner und stylischer machen.

Quelle: A&O

Die Hostelkette A&O will in Europa wachsen. Auf dem Expansionsplan stehen Städte wie Heidelberg und Hannover, Warschau und Budapest, Athen und Porto. Dabei setzt das Management auf Immobilien, die sonst keiner will.

Zehn Jahre stand das Gebäude im Süden von Barcelona so gut wie leer. Zuletzt hatte ein Hersteller von Fernsehapparaten von dort seine Geschäfte verwaltet. Auch nach Umbau und Renovierung wird aus dem mächtigen Betonklotz wohl kein schöner Herrensitz geworden sein. Das macht auch nichts. Denn für A&O-Chef Oliver Winter zählen die inneren Werte. Und drinnen sollen bis spätestens 2021 auf 7.900 m² Fläche rund 170 Zimmer mit 750 Betten für preisbewusst reisende Familien und Gruppen entstehen.

Mit dem Kauf der Immobilie sei der ersehnte Markteintritt in Spanien gelungen, sagt Chief Investment Officer Henri Wilmes. Spanien sei einer der Schlüsselmärkte in Europa. "Diese Immobilie erscheint nur auf den ersten Blick wenig attraktiv", meint Wilmes. Das Interessante an dem Gebäude sei der spannende, zukunftsfähige Standort. Das künftige A&O-Hostel liegt im Stadtteil Hospitalet etwa 15 Min. von der Innenstadt Barcelonas entfernt, in der Nähe der Messe und von Teilen der Universität. Die Lage ist also entscheidend. Und die Größe. Mindestens 5.000 m² Geschossfläche müssen Objekte haben, um für die A&O-Entwickler interessant zu sein. Sie sollten zentral und in der Nähe des ÖPNV liegen. Außerdem dürfen sie nicht vermietet sein. Die Art des Gebäudes ist Nebensache. "Immobilien, die andere nicht wollen, sind für uns erst recht spannend", betont Winter. "Unsere Nische ist die Konvertierung bestehender Immobilien. Wir revitalisieren Gebäude aus den 50er, 60er und 70er Jahren."

Vor 18 Jahren hat Winter losgelegt. In Berlin-Friedrichshain eröffnete er das erste Hostel - mit 164 Betten. Heute schmückt sich A&O mit dem Titel: "Größter Hostelanbieter Europas". 34 Häuser mit rund 24.000 Betten in 21 Städten tragen das blaue Logo der Kette. Mehr als vier Millionen Übernachtungen zählte das Management im vergangenen Jahr. Kostenbewusste Geschäftsreisende zählen ebenso zu den Gästen wie Rucksacktouristen und Schulklassen. Es gibt Zimmer mit einem, mit zwei, drei, vier oder sechs Betten.

Lange waren Hostels für Investoren uninteressant. Mit ihrem schlichten Charme galten sie eher als Schmuddelkinder der Hotelbranche. Dabei können Hostels sehr rentabel sein. Die Baukosten sind deutlich niedriger als bei einem Sterne-Hotel, da auf Restaurant, Bar und Wellness verzichtet werden kann. Auch die Zimmereinrichtung ist weniger kostspielig. Dafür kann die Flächenproduktivität relativ hoch sein. Zwar ist die einzelne Übernachtung in Berlin-Mitte mit 12 Euro recht günstig; bei sechs Betten im Raum können bei hoher Auslastung dennoch für den Betreiber lukrative Zimmerpreise zustande kommen.

Umsatz machen viele Hostels zudem mit Gebühren. Bei A&O kostet etwa ein Satz Bettwäsche 3,50 Euro extra, für ein Handtuch muss der Gast noch 1,50 Euro drauflegen. Laut Winter liegt die Bettenauslastung bei A&O in diesem Jahr bei 68%. Der Umsatz der Kette steigt 2018 um 12% auf etwa 152 Mio. Euro, für 2019 kalkuliert Winter mit einem Erlös von rund 175 Mio. Euro. Zum Gewinn will der Firmengründer nichts sagen. Laut Veröffentlichung im Bundesanzeiger hat die A&O Hotels and Hostels Holding im Geschäftsjahr 2016 einen Überschuss von mehr als 8,8 Mio. Euro erzielt; der Bilanzgewinn lag bei 13,7 Mio. Euro. Der durchschnittliche Umsatz pro Übernachtung wird mit 33,27 Euro angegeben.

Quelle: A&O
A&O-Chef Oliver Winter kam als Lehramtsstudent auf die Idee, den Betrieb von Hostels aufzunehmen.

Quelle: A&O

Diese Zahlen haben wohl auch die Finanzexperten beim Investor TPG Capital beeindruckt. Zum Jahreswechsel 2016/17 kaufte TPG Real Estate 93% der Anteile an A&O, das Management blieb an Bord. Beide Parteien setzten die Segel für weiteres Wachstum. "Geld ist für unsere Expansion kein limitierender Faktor, solange die Rendite stimmt", sagt Winter und fügt an: "Unser Fokus liegt in den kommenden Jahren auf Süd- und Osteuropa. Weiterhin haben wir Nordeuropa klar im Blick. Spannend könnte auch die Schweiz sein. Die USA und China will ich generell nicht ausschließen, das ist aber aktuell noch kein Thema für uns." Zwar hat Konkurrent Meininger eben die Fühler nach Amerika ausgestreckt und die Eröffnung eines Hauses mit 154 Zimmern und 616 Betten in Washington D.C. angekündigt. Winter aber sagt: "Wir haben hier noch viel vor. Bevor wir den Sprung nach Übersee machen, wollen wir unsere Position in Europa weiter festigen. Es gibt noch einige vielversprechende Standorte, an denen wir nicht vertreten sind. Danach sehen wir weiter."

Im kommenden Jahr will A&O Premiere in Warschau und Budapest feiern sowie die zweiten Häuser in Venedig und Kopenhagen eröffnen. Im Expansionsplan stehen auch Städte wie Mailand, Florenz, Verona, Rom und Bologna sowie Madrid, Barcelona, Lissabon und Porto. Im deutschsprachigen Raum blickt Winter in Richtung Heidelberg, Freiburg und Hannover sowie Innsbruck. Außerdem setzt A&O auf mehr Komfort. Mit besseren Matratzen, mehr Steckdosen und Lampen sowie wärmeren Farben will sich A&O von Jugendherbergen absetzen.

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