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Digitales | 06.12.2018

Aus IZ49/2018, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    CDU
  • Personen:
    Angela Merkel, Bill Gates, Helge Braun, Anja Karliczek

Gebt uns Netz, Netz, Netz!

Autonomes Fahren, vernetzte Fabriken, digitale Lieferketten: Ohne den kommenden Mobilfunkstandard 5G funktioniert das alles nicht. Mit ihrer Netzpolitik zementiert die Bundesregierung die Spaltung der Immobilienmärkte, findet IZ-Redakteur Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung
Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung

Microsoft-Gründer Bill Gates soll 1981 gesagt haben, dass 640 Kilobyte Arbeitsspeicher für den privaten Anwender allemal ausreichend sind. Dieses Zitat wird heute gerne als Beweis für mangelnde Weitsicht hervorgekramt. Gängige Smartphones kommen inzwischen auf das Zehntausendfache dessen, was Gates damals für genügend Speicher hielt. Insofern treten einige prominente CDU-Vertreter gerade in die Fußstapfen von Gates: Bildungsministerin Anja Karliczek hält den neuen Mobilfunkstandard 5G, dessen Frequenzversteigerung im Frühjahr 2019 erfolgen soll, "nicht an jeder Milchkanne" für nötig. Ähnlich sieht das Kanzleramtschef Helge Braun, schließlich sei der jetzige Standard LTE schon "verdammt schnell". Und Kanzlerin Angela Merkel meinte, fünf Jahre mehr seien für den Ausbau des neuen Netzes "kein Drama".

Sie alle irren sich gewaltig. Bei 5G geht es nicht darum, dass Fritzchen oder Klein Erna ihre Lieblingsserie in besserer Auflösung streamen können, auch wenn das neue Netz bis zu tausendmal schneller ist als sein keineswegs flächendeckend verfügbarer Vorgänger. Vor allem aber ermöglichen es die extrem kurzen Reaktionszeiten von unter einer Millisekunde, dass Geräte, Autos und Häuser künftig mit ihren Nutzern und untereinander in Echtzeit kommunizieren können. Ein solches Netz wird ein Standortfaktor sein für die Ansiedlung von Büros, Logistikhallen und Fabriken. Neben Lage, Lage, Lage werden Expansionsverantwortliche vor allem auf die Netzabdeckung eines Ortes achten, bevor sie investieren. Für den ländlichen Raum sind die obigen Politikeraussagen ein Schlag ins Gesicht, für Immobilienpreise in Ballungsräumen mit gutem Mobilanschluss liefern sie hingegen ein weiteres Auftriebsargument.

Bill Gates hat übrigens mehrfach dementiert, das genannte Zitat so gegeben zu haben. Die Beschränkung auf 640 KB sei den Restriktionen der damals verfügbaren Prozessoren geschuldet gewesen, erklärte er 2001 in einem Interview. Nie und nimmer habe er das als eine generelle Festlegung für alle Ewigkeit verstanden. Ich fürchte, dass wir die Aussagen von Merkel, Braun und Karliczek ebenso im Kontext lesen müssen, nur leider macht das die Lage keineswegs besser: Dass sich der Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland verzögert, liegt auch daran, dass dessen Masten mit einer Glasfaserinfrastruktur verbunden werden müssen, die es wegen jahrelangen Schlendrians hierzulande so noch gar nicht gibt. Doch statt diesen Mangel rasch zu beheben, tun unsere Politiker so, als sei das gar nicht nötig. Das nenne ich Realitätsverweigerung.

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