Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Digitales | 29.11.2018

Aus IZ48/2018, S. 9

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    KPMG, Aecom, BuiltWorlds, Thornton Tomasetti, FullStack Modular
  • Personen:
    Colin Cagney, Jeff Stein, Matthew Abeles, Robert Otani, Robert Krulak
  • Immobilienart:
    Wohnen

Bammel und Bummelei im Umgang mit BIM & Co.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Robert Otani, J. Colin Cagney, Matthew Abeles und Jeff Stein (v.l.) diskutieren über die Zukunft der Baubranche.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Deutsche Bauexperten nennen Föderalismus, Nutzerwünsche und Mangel an geeigneten Flächen als Hürden für mehr Innovation am Bau. Eine Diskussion in New York zeigte, dass die Altersstruktur des Managements, der Ausbildungsstand von Architekten und Planern sowie die Vergütungssysteme am Bau ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.

Wer zögerliche Innovation am Bau für ein deutsches Phänomen hält, wurde auf der Mipim Proptech in New York eines Besseren belehrt. Die Amerikaner sind bei Themen wie Building Information Modeling (BIM) oder modularem Bauen keineswegs weiter als die Deutschen. Das verblüfft im ersten Moment, denn in den Diskussionen hierzulande werden oftmals deutsche Branchenspezifika als Hürde für neue Technologien genannt.

So beklagen Beobachter in puncto BIM vor allem die hohen Kosten der Methode, die viele deutsche Planungsbüros überfordern würden. Schließlich seien diese nicht zuletzt aufgrund der von Vergabeordnungen der Bundesländer begünstigten Zersplitterung traditionell Kleinstunternehmen (siehe "Woran BIM (noch) scheitert", IZ 33/18). Für die Skepsis gegenüber dem seriellen Bauen wiederum werden von deutschen Experten gerne Faktoren wie das föderale Wirrwarr der Bauordnungen, der Hang der Deutschen zum individuell gestalteten Heim und unregelmäßig geformte Grundstücke als Hemmschuh genannt (siehe "Darum scheitert der serielle Wohnungsbau", IZ 47/18).

Doch die Probleme, das Erstellen von Gebäuden ins 21. Jahrhundert zu holen, sind international. "Der Mangel an Innovationsfreude in der Baubranche ist eine weltweite Tatsache", sagte Jeff Stein im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Mipim Proptech NYC. Stein ist Leiter des Beteiligungsbereichs und oberster Strategieberater beim US-Planungsriesen Aecom, der in Infrastrukturprojekte in 150 Ländern weltweit eingebunden ist. Zustimmung erhält der Manager unter anderem von Matthew Abeles, der die Plattform BuiltWorlds mitgegründet hat. Auf BuiltWorlds haben sich über 50.000 Mitglieder vernetzt, um sich zum Thema Bauen und Technologie auszutauschen. "Die Bauindustrie entwickelt sich sehr, sehr langsam, ihre Innovationsgeschwindigkeit entspricht etwa der im Jagdwesen", bemerkte Abeles spöttisch.

Robert Otani, Chief Technology Officer beim Planungsbüro Thornton Tomasetti, macht vor allem die Ausbildung für das schleppende Innovationstempo verantwortlich: "An den Hochschulen lernen Architekten und Bauingenieure im Wesentlichen dasselbe wie vor 30 Jahren. Die Möglichkeiten der Technologie sind in den Lehrplänen noch nicht wirklich angekommen."

Als einen weiteren möglichen Grund führt Stein die traditionell auf Seniorität und Erfahrung ausgerichtete Führungskultur in der Baubranche an, die sich aus der schieren Größe der Projekte und der damit einhergehenden Verantwortung ergibt: "Manager von Bauprojekten zählen nicht gerade zu den jüngsten Semestern. Und keiner von ihnen setzt seine Reputation aufs Spiel, indem er eine Technologie ausprobiert, die sich noch nicht bewährt hat." Viele Manager würden jedoch den Markt sehr genau studieren, um auf Änderungen reagieren zu können, wenn sich ein neuer Trend zeige, ergänzte Stein.

Diese Haltung dürfte im Zweifelsfall nicht ausreichen, um das Überleben des einzelnen Unternehmens zu gewährleisten, warnte J. Colin Cagney, der für KPMG Kunden bei Großprojekten berät. "Unsere Befragungen zeigen, dass nahezu alle Beteiligten in den Segmenten Architektur, Bauplanung und Bauausführung die gewaltige technologische Welle sehen, die auf sie zurollt. Aber weniger als die Hälfte hat irgendeinen strategischen Plan entwickelt, in welche Richtung sie sich bewegen wollen. In keiner anderen Branche fallen Erkenntnis und Handlungsbereitschaft so weit auseinander." Als Ergebnis befürchtet Cagney, dass sich das Feld der Wettbewerber in extreme Gewinner und Verlierer spaltet und es zu einer Konsolidierung kommt.

Das jedoch würde womöglich immerhin die Margen der am Bau Beteiligten erhöhen, die Stein außer in Boomzeiten nicht gerade für üppig hält. Da überlegten viele Manager zweimal, ob sie viel Geld in neue Technologien stecken sollten. "Im Übrigen hat die Baubranche nicht gerade einen großen Anreiz, effizienter zu werden", fügte Stein hinzu. "Bezahlt wird jedes Gewerk immer noch nach der benötigten Zeit. Jede Effizienzsteigerung kommt in diesem Vergütungsmodell ausschließlich dem Bauherrn zugute. Deshalb muss auch der Druck für mehr Technologieeinsatz von deren Seite kommen." Laut Technologieexperte Otani fehlt dazu jedoch eine entscheidende Vorausetzung: "Die Eigentümer lernen bisher nicht genügend aus ihren Fehlern", gibt er zu bedenken.

Bei all diesen Vorbehalten verwundert es nicht, dass selbst diejenigen gegenüber dem Wachstum neuer Technologien skeptisch sind, die diese selbst anwenden. So wurde in einer anderen Diskussionsrunde auf derselben New Yorker Veranstaltung Robert Krulak, CEO des auf seriellen Bau spezialisierten Unternehmens FullStack Modular, aus dem Publikum heraus gefragt, ob die Modulbauweise auf absehbare Zeit den konventionellen Bau ersetzen werde. "Keine Chance", war Krulaks knappe Antwort.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!