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Projekte | 25.10.2018

Aus IZ43/2018, S. 22

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:

Freiburg erhält einen Stadtteil mit rund 6.500 Wohnungen

Quelle: Stadt Freiburg, Urheber: K9 Architekten, Latz + Partner, StetePlanung, endura kommunal - Stahl + Weiß
Blick auf die künftige Mitte des geplanten Stadtteils.

Quelle: Stadt Freiburg, Urheber: K9 Architekten, Latz + Partner, StetePlanung, endura kommunal - Stahl + Weiß

Freiburg. Der städtebauliche Wettbewerb für den neuen Stadtteil Dietenbach ist entschieden. Sechs Quartiere, zwei Parks und eine zentrale Mitte sieht der Siegerentwurf vor. Ab 2023 könnte mit dem Hochbau begonnen werden. Doch es gibt auch viele Kritiker und eine Aktion für ein Bürgerbegehren gegen den Flächenverbrauch.

Eine 15-köpfige, vom Gemeinderat eingesetzte Jury hat sich für den Entwurf von K9 Architekten aus Freiburg entschieden, in Kooperation mit Latz + Partner Landschaftsarchitektur aus Kranzberg sowie den Verkehrsplanern Stete Planung aus Darmstadt. Das auf den Entwurf abgestimmte Energiekonzept wurde von Stahl + Weiß sowie endura kommunal aus Freiburg entwickelt. Vier von 28 Architektenbüros waren nach der ersten Wettbewerbsrunde ausgewählt worden, um ihre Entwürfe für das 130 ha große Areal zwischen Rieselfeld und Zubringer Mitte sowie zwischen Mooswald und Besançonallee zu überarbeiten. Oberbürgermeister Martin Horn betonte seine Vorfreude auf einen "urbanen, sozialen, barrierefreien, grünen und nachhaltigen" Stadtteil. Denn der Wohnungsbedarf gehört zu einem der drängendsten Themen der Stadt und stelle "die sozialpolitisch größte Herausforderung der Zukunft" dar. Freiburg wird weiter wachsen, besonders bezahlbarer Wohnraum für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen fehlt.

Deswegen hatte der Gemeinderat die Verwaltung bereits Ende 2012 beauftragt, Flächen für einen neuen Stadtteil zu prüfen. Im Mai 2015 schied das Areal St. Georgen-West aus, das von den meisten Fraktionen bevorzugte Gebiet Rieselfeld-Nord blieb übrig, das nun unter dem Namen Dietenbach entwickelt wird.

Der Siegerentwurf gliedert die sechs geplanten Quartiere durch Grünzonen. Dem Wunsch nach Gemeinschaft, Nachbarschaft und Rückzug soll entgegengekommen werden. Verschiedene Wohnformen werden in Wohnquartieren gemischt. Am Rand zu den stark befahrenen Straßen sind gemischte Nutzungen mit Gewerbe, Parkraum und Wohnen mit Laubengang-Typologien vorgesehen. Die Erdgeschosszonen im Zentrum des Stadtteils bieten Räume für Handel und Gewerbe, aber auch für ein Stadtteilzentrum und kirchliche Gebäude. Zusätzlich soll es kleine Handels- und Gewerbeeinheiten an zentralen Stellen in den sechs Vierteln geben. Die insgesamt 19 Kitas werden auf die einzelnen Viertel verteilt und den Freiräumen zugeordnet.

Ein Schul- und Sportcampus ist an der südlichen grünen Tangente geplant, als Klammer mit dem Schulcampus im Rieselfeld und als Lärmpuffer zwischen Sport und Wohnen, betonen die Architekten, die mehr als 2.000 Arbeitsstunden in den Entwurf steckten und dafür ein Preisgeld und ein Überarbeitungshonorar von knapp 100.000 Euro erhalten. Ein grüner Ringboulevard wird im Stadtteil der Hauptverkehrsweg, an dem neun Quartiersgaragen geplant sind, die restlichen Straßen sollen verkehrsberuhigt sein. Innovative Energiekonzepte sollen dafür sorgen, dass das Klimaschutz- und Innovationspotenzial so weit wie möglich ausgeschöpft wird.

Insgesamt bietet der Entwurf unterschiedliche Größen von Quartieren und Baustrukturen an, gliedert sich aber überwiegend durch Blockstrukturen wie im benachbarten Rieselfeld. Der namengebende Dietenbach wird zu einem Park, die Käsebach-Aue soll ein "wertvoller Freiraum" mit Nord-Süd-Verbindung sein. Die Architekten und Stadtplaner Franz Pesch aus Stuttgart und Christa Reicher aus Aachen, die beide den Jury-Vorsitz inne hatten, lobten die "Mischung aus zeitgemäßer Urbanität und Nutzungsvielfalt, aus durchgrüntem Wohnraum und landschaftlichem Freiraum".

Bis 2023 der Hochbau beginnen kann, ist noch viel zu tun. Der Entwurf muss zu einem städtebaulichen Rahmenkonzept als Grundlage für den Bebauungsplan weiterentwickelt werden, der zur Jahreswende 2019/2020 vorliegen soll. Parallel dazu gibt es Fachgespräche mit Freiburger Architekten und eine breit angelegte Öffentlichkeitsbeteiligung über Nutzung und Dichte, wer baut und für wen gebaut wird, kündigte Baubürgermeister Martin Haag an. Es geht immerhin um Wohnraum und Lebensqualität für etwa 14.000 Menschen. Wunsch des Gemeinderats ist es, das Ziel von mindestens 50% sozialem und gefördertem Mietwohnungsbau zu erreichen.

Daran haben allerdings viele Freiburger Bürger Zweifel. Die "Aktion Bürgerbegehren Rettet Dietenbach" hofft, bis Ende Oktober die notwendigen 12.000 Unterschriften sammeln zu können, um die Aufsiedlung der Dietenbachaue noch zu verhindern. Plädiert wird für eine innerstädtische Nachverdichtung, ein Wachstum mit Augenmaß statt ein Raubbau an Äckern und Wiesen. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Planungen eines Stadtteils Dietenbach für 15.000 Einwohner (das ist so groß wie Vauban und Rieselfeld zusammen) inzwischen mit einer Eigendynamik unterwegs sind, die von einem großen Teil der Freiburger Bürgerschaft nicht mehr mitgetragen wird. Insbesondere auch deshalb, weil sie nie gefragt worden ist, ob sie solch ein Megaprojekt überhaupt haben will", heißt es auf der Website der Initiative. Immerhin handele es sich um eine Fläche so groß wie 237 Fußballfelder, damit sei das Plangebiet Dietenbach nach Vorhaben in Frankfurt und München Deutschlands drittgrößtes projektiertes Baugebiet.

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