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Digitales | 25.10.2018

Aus IZ43/2018, S. 16

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    KPMG, Oliver Wyman Unternehmensberatung, Hiscox Versicherung, Funk Gruppe, EY, Forrester Research
  • Organisationen:
    Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom)
  • Personen:
    Carsten Lausberg, Nathalie Wache, Philipp Seebohm

Die Schattenseite des Wandels

Quelle: Pixabay.com, Urheber: Robinraj Premchand
Digitale Daten vereinfachen nicht nur viele Prozesse, sie bringen auch neue Gefahren mit sich.

Quelle: Pixabay.com, Urheber: Robinraj Premchand

Allzu neugierige Konkurrenten, Kriminelle auf digitalem Beutezug oder auch nur der schusselige Mitarbeiter einen Raum weiter - sie alle stellen eine Gefahr für Unternehmen dar, die mehr und mehr auf digitale Geschäftsabläufe setzen. Doch welche Probleme mit der Digitalisierung einhergehen können und wie man ihnen begegnen kann, haben längst noch nicht alle Unternehmen auf der Rechnung.

Welches Risiko bedroht die Weltwirtschaft in größerem Maße als eine mögliche Währungskrise, zwischenstaatliche Konflikte oder gar ein Regierungsversagen? Cyberattacken. Im diesjährigen Bericht über die Risiken für die Weltwirtschaft, erstellt von der Strategieberatung Oliver Wyman für das Weltwirtschaftsforum, rangieren sie auf Platz sechs der Risiken mit den stärksten Auswirkungen und auf Platz drei jener Szenarien, die als am wahrscheinlichsten eingestuft werden.

Ein Grund dafür ist die fortschreitende Digitalisierung nicht zuletzt zahlreicher Geschäftsprozesse und -modelle - auch in der Immobilienwirtschaft. Die Angreifbarkeit durch Hacker, Würmer und Trojaner oder auch die eigenen Mitarbeiter ist die Schattenseite des digitalen Wandels in der Branche. Gespeicherte personenbezogene Daten in den Systemen eines Wohnungsbauunternehmens können genauso zum Ziel von digitalen Angreifern werden wie etwa Kreditkarteninformationen, die ein Hotel zur Buchung benötigt, oder digitale Datenräume für die Due Diligence während eines Transaktionsprozesses.

Wie groß die Risiken für die Immobilienbranche im Speziellen sind, lasse sich kaum abschätzen, meint Carsten Lausberg, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Allerdings sieht er keine Gründe, weshalb ausgerechnet die Immobilienbranche nicht in das Visier krimineller Computerspezialisten geraten sollte. "Wissenschaftliche Arbeiten gibt es bislang dazu aber kaum", sagt er. Eine hat er in Australien gefunden. "Immobilienunternehmen verfügen über eine Fülle von Informationen", heißt es darin, weshalb sie auch für Cyberkriminelle mit finanziellen Absichten interessant seien.

Pauschal lasse sich nicht sagen, wie gut die deutsche Immobilienbranche auf die mit der Digitalisierung einhergehende Gefahr eingestellt ist, meint Lausberg. "Einige Unternehmen haben es natürlich auf dem Zettel, allen voran sicherlich die Banken." Da sei ein sehr ausgeprägtes Risikomanagement vorhanden. "Generell investieren größere Unternehmen mehr in die IT-Sicherheit." Kleinere Unternehmen mit geringerem Digitalisierungsgrad, Makler oder Hausverwalter etwa, seien dagegen oft schlechter vorbereitet. "Diese Unternehmen sind im Vergleich sehr anfällig für Cyberkriminalität. Gezielte Attacken können etwa von Konkurrenten kommen", warnt Lausberg.

Seiner Ansicht nach muss für den Schutz vor Cyberkriminalität und ein entsprechendes Risikomanagement ein umfangreiches Maßnahmenpaket umgesetzt werden. "Aber es beginnt damit, das Risikobewusstsein bei den Mitarbeitern zu schärfen, die mit Daten umgehen", sagt er. Die Fehlerquelle Mensch sei eben nicht zu unterschätzen.

Das ergibt auch eine Untersuchung des Digitalverbands Bitkom. In 68% der erfassten Fälle seien die Delikte von ehemaligen oder derzeitigen Mitarbeitern ausgegangen, berichtet der Verband. An zweiter Stelle folgen Privatpersonen oder Hobby-Hacker. Diese haben es laut Bitkom offenbar besonders auf Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern abgesehen. Immerhin 47% dieser Unternehmen waren betroffen. Aber auch konkurrierende Unternehmen seien ein ernstzunehmender Täterkreis, ebenso wie Kunden, Lieferanten oder auch externe Dienstleister.

Sind die Mitarbeiter sensibilisiert und die Hardware aufgerüstet, ist der letzte Schritt im Prozess des Risikomanagements für viele Firmen, die sich um ihre Cybersicherheit bemühen, ein passender Versicherungsschutz. So soll auch das letzte Restrisiko, das sich anders nicht mehr ausschließen lässt, abgesichert werden.

Zahlreiche Versicherer haben inzwischen Produkte zur Absicherung von Cyberrisiken im Angebot, Versicherungsmakler beraten - am besten im Rahmen einer Risikoanalyse. Sie beobachten steigende Wachsamkeit in der Immobilienbranche: "Die Digitalisierung ist momentan das Topthema, egal wohin wir kommen. Mit der Berichterstattung über die Datenschutzgrundverordnung ist das Thema in vielen Firmen noch einmal stärker auf den Radar gekommen. Ein Problem ist aber, dass das Risiko bei der Digitalisierung für die Kunden kaum greifbar ist", sagt Nathalie Wache, Spezialistin für die Absicherung von Cyberrisiken in der Immobilienbranche bei dem Makler Funk. Während im Fall eines Hagelschadens die finanziellen Auswirkungen klar zu beziffern sind, sei das im Fall eines Hackerangriffs oder eines Verstoßes gegen den Datenschutz sehr viel schwieriger abzusehen. Für eine Risikoeinschätzung müsse deshalb jedes Unternehmen einzeln beleuchtet werden. Vorteilhaft für die Immobilienbranche sei, dass diese im Schadensfall in aller Regel nicht mit Betriebsunterbrechungen und damit Ertragsausfällen zu kämpfen hat.

Problemfelder kann es aber dennoch geben. "In der Risikobewertung spielen viele Aspekte eine Rolle. Zum Beispiel, wie viele Mieterdaten in einem Unternehmen vorliegen oder wie viele Mitarbeiter Zugriff auf diese haben. Und dann natürlich auch, welche technischen Sicherheitseinrichtungen es gibt, um ein Eindringen von außen oder auch eine Manipulation von innen zu verhindern", erklärt Philipp Seebohm, Cyber-Security-Auditor bei Funk.

Wie oft Unternehmen der Branche Opfer von Cyberkriminalität werden, ist unklar. Dass sie es werden, ergibt sich aber aus zahlreichen Untersuchungen und Befragungen von Industrieunternehmen unterschiedlicher Branchen. Nach einer Untersuchung des Digitalverbands Bitkom, für die 503 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche befragt wurden, soll vor allem der Mittelstand gefährdet sein. Demnach waren 96% aller befragten Unternehmen mit 100 bis 499 Mitarbeitern innerhalb der vergangenen zwei Jahre sicher oder vermutlich von Datendiebstahl oder Industriespionage betroffen. Allerdings gaben auch nur 14% aller befragten kleineren Firmen und 12% der größeren Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern an, nicht von Cyberkriminalität betroffen gewesen zu sein. Eine Untersuchung von EY aus dem vergangenen Jahr kommt zwar zu einem anderen Ergebnis und sieht besonders Großunternehmen im Visier von Kriminellen. Allerdings geht auch diese Untersuchung von einem grundsätzlich ähnlich hohen Risikopotenzial aus.

Laut dem Cyber Readiness Report 2018 des Spezialversicherers Hiscox kann etwa ein Drittel der von Cyberkriminalität betroffenen Unternehmen den erlittenen wirtschaftlichen Schaden nicht beziffern. Bei den restlichen Unternehmen lag der durchschnittliche Verlust bei 229.000 USD. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die das Marktforschungsinstitut Forrester Consulting im Auftrag von Hiscox bei mehr als 4.000 Führungskräften, Abteilungsleitern, IT-Managern und anderen Verantwortlichen für Cybersicherheit von Unternehmen in Deutschland, Großbritannien, den USA, Spanien und den Niederlanden, durchgeführt hat. Die Wirtschaftsberatung KPMG geht von einem jährlichen gesamtvolkswirtschaftlichen Schaden in Deutschland in Höhe von 51 Mrd. Euro aus.

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