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Unternehmen | 25.10.2018

Aus IZ43/2018, S. 13

Von Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

Tedi verpasst sich einen neuen Look

Quelle: Wanzl Metallwarenfabrik GmbH
Breitere Gänge, hängende Ware statt Wühltische, wärmere Farbtöne: Tedi präsentiert sich jetzt aufgeräumter und schicker.

Quelle: Wanzl Metallwarenfabrik GmbH

Der Non-Food-Discounter will sein Image als Ein-Euro-Shop abschütteln. Gelingen soll das mit einem großzügigeren Ladendesign. Die ideale Verkaufsfläche liegt jetzt bei 800 Quadratmetern, das ist fast mehr als doppelt so viel, wie die durchschnittliche Bestandsfiliale hat.

Ob das mal so eine gute Idee ist, dass du zu einem Ein-Euro-Shop gehst…, unkten Bekannte, als Fabian Kampa ihnen vor knapp zwei Jahren erzählte, wo er demnächst seine Brötchen verdienen würde. Für die polnische Schuhkette CCC, den schwedischen Modekonzern H&M, den Wohnaccessoires-Filialisten Depot und die Jeansmarke Mustang ist Kampa schon auf Flächenfang gegangen. Seit rund anderthalb Jahren leitet der 46-Jährige die Deutschland-Expansion von Tedi, dem Non-Food-Discounter mit Bär und aggressivem Farbauftritt in grellem Gelb und Knallblau. Kampas offizieller Titel: "Geschäftsleiter Filialnetzentwicklung".

Gut 2.000 Filialen betreibt Tedi in Europa. Hierzulande kommt die Kette zurzeit auf ca. 1.650 Läden. Der Rest verteilt sich auf Österreich, Slowenien und die Slowakei, Spanien und Kroatien sowie Italien und Polen. In die letzten beiden Länder setzte der Tedi-Bär erstmals im Juni dieses Jahres einen Fuß. Portugal soll als nächstes folgen.

Europaweit peilt das Unternehmen aus dem Firmenimperium von Discount-Unternehmer Stefan Heinig (Woolworth, Kik) 5.000 Filialen an. In Deutschland traut Kampa sich und seinen sechs Außendienstmitarbeitern in der Expansionsabteilung mittelfristig um die 2.000 Filialen zu. Rund 200 bis 500 Angebote erhalten sie im Monat. Die Hälfte sortiert er sofort aus, weil eine Kannibalisierung mit einer Bestandsfiliale droht oder die Fläche nicht passt.

Heinig gilt als öffentlichkeitsscheuer Unternehmer, und auch Tedi hält sich mit Informationen zu Expansion und Flächensuche traditionell eher zurück. Möglicherweise bewog die Deutschland-Expansion des niederländischen Filialisten Action, der ebenfalls zur Spezies der Non-Food-Discounter gezählt wird, Tedi nun zu mehr Offenheit. Action eröffnete im ersten Halbjahr 2018 knapp 40 Filialen hierzulande und kommt aktuell auf mehr als 250 Geschäfte.

Nach Unterschieden zu Action befragt, meint Kampa: "Wir möchten unsere Kunden durch einen Einkauf bei uns glücklicher machen" und "Action benötigt in der Regel einen Tick mehr Fläche als wir." Allerdings hat sich der Flächenbedarf von Tedi demjenigen von Action stark angenähert: "Unsere ideale Filiale bietet eine Verkaufsfläche von ca. 800 m²", sagt Kampa. Diesen Satz dürften auch die Expansionsmanager des Wettbewerbers unterschreiben.

Im Schnitt ist eine Tedi-Filiale in Deutschland nur 466 m² groß. Diejenigen Geschäfte, die im letzten Geschäftsjahr - das geht bei Tedi immer von Anfang Mai bis Ende April des Folgejahrs - aufgemacht haben, sind deutlich größer, nämlich durchschnittlich 679 m². "Ende des laufenden Geschäftsjahrs werden wir noch etwas darüber liegen", schätzt Kampa.

Tedi braucht mehr Platz, weil das Sortiment wächst, u.a. im Deko-Bereich, und bestimmte neue Artikel wie z.B. Gartenaccessoires besonders raumgreifend sind: "Wir bieten durchschnittlich bis zu 6.500 verschiedene Artikel gleichzeitig in unseren Filialen an, saisonal bedingt können es bis zu 9.000 sein, zum Beispiel in der Weihnachtszeit."

Im letzten Geschäftsjahr hat Tedi netto 120 Filialen eröffnet, nur in Deutschland und ohne Umzüge. Auch umgeflaggte Filialen der Modekette Charles Vögele - Tedi hatte letztes Jahr 14 Vögele-Geschäfte übernommen, Kik und Woolworth insgesamt weitere 42 - werden nicht zu den echten Neueröffnungen gezählt, sondern intern wie ein Umbau behandelt.

Doch echte Neueröffnungen an bislang unbesetzten Standorten sind nur ein Aspekt der geplanten Wachstumsstory. Der andere Aspekt: "Standortoptimierungen, bei denen wir Standorte vergrößern oder umziehen, werden in den nächsten zwei, drei Jahren in den Fokus rücken. Das wird über kurz oder lang der Hauptfokus sein", sagt Kampa. Aktuell gibt es ca. 360 Filialen mit unter 350 m² und ca. 180 Filialen, "die noch den alten Teppichboden oder einen Fliesenboden haben".

An Schließungen oder gar an eine veritable Schließungswelle zu denken, verbietet sich nach seinen Worten jedoch: "Wir möchten keine Standorte verlassen. Wenn eine Filiale zu klein geworden ist, suchen wir im direkten Umfeld Ersatz oder prüfen Erweiterungsmöglichkeiten." Denn über kurz oder lang sollen alle Filialen auf das neue Konzept umgestellt werden.

Tedi kann nicht nur größere, sondern auch besonders große Filialen - wie groß, wird das Unternehmen demnächst in Oberhausen zeigen. In der Innenstadt der Ruhrgebietsstadt geht Tedi in absehbarer Zukunft, wahrscheinlich im zweiten Quartal 2019, wenn der Vermieter die Filiale hergerichtet und mit einer Rolltreppe angebunden hat, auf Kundenfang. Die Verkaufsfläche misst 2.600 m². Die bislang größte Filiale des Dortmunder Unternehmens mit knapp 2.000 m² ging im Dezember 2016 in Gelsenkirchen ans Netz.

Nicht nur größer, auch schöner, aufgeräumter und weniger ramschig will Tedi daherkommen. Letzten September eröffnete im Essener Stadtteil Altenessen auf weit über 1.500 m² die erste Filiale im neuen Filialdesign: hängende Ware statt Wühltische, wärmere Farbtöne und nur ganz vereinzelt grelles Gelb und Knallblau, dazu breite Gänge, durch die der Kunde auch mit einem Einkaufswagen noch bequem hindurch kommt - weshalb Einkaufswagen jetzt bei Tedi fest zum Konzept gehören.

Mit Blick auf weitere Standorte und Ersatzflächen sagt Kampa: "Ideal sind ebenerdige Ladenlokale mit einer Breite von zehn bis zwölf Metern, gerne in Fachmarktzentren." Aber nicht nur dort: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir auch in Innenstädten gut funktionieren." Positive Erfahrungen mit zentralen Lagen habe das Unternehmen in Offenbach oder Dortmund gemacht, "darum beschäftigen wir uns massiv mit Ia-Lagen und werden diese Expansion vorantreiben".

Ein Thema, das Kampa ebenfalls umtreibt, sind Shoppingcenter. Nach der Übernahme von gut 60 Xenos-Filialen Anfang 2018 vom niederländischen Blokker-Konzern wurden schon diverse Geschäfte in Einkaufszentren auf Tedi umgeflaggt. Ob Stuttgarter Milaneo, Boulevard Berlin oder Potsdamer Platz Arkaden, überall dort gibt es jetzt oder bald eine Tedi-Filiale. Für manch einen ein gewöhnungsbedürftiger Anblick: "Vor zwei, drei Jahren hätte niemand Tedi in einem Shoppingcenter erwartet", erinnert sich Kampa.

Apropos Berlin: In der Hauptstadt kommt Tedi momentan auf "36 Läden plus acht in naher Zukunft". Viel zu wenige, findet Kampa. Die Frage, ob es am Ende aber "150 oder 200 werden, kann ich erst in ein paar Jahren beantworten". Weiße Flecken sieht der Expansionschef "vor allem im süddeutschen Raum - dort geht noch sehr viel mehr -, teilweise auch im Osten bzw. im Nordosten" und "grundsätzlich in vielen Großstädten: München und Stuttgart, Hannover, Hamburg oder Magdeburg usw."

Tedi habe sich vom klassischen Ein-Euro-Shop "zu einem Händler gemausert, der bei vielen Vermietern gut ankommt", sagt Kampa. Zwar gab es "Vorurteile gegenüber Tedi, aber die konnten wir in den vergangenen Jahren widerlegen. Heute freuen sich Vermieter und sagen: Tedi bringt Frequenz und hilft meinem Center oder einer Innenstadt! Und durch unser neues Konzept sehen wir auch noch gut aus." An 65 Standorten wurde es mittlerweile umgesetzt. Als erste Zwischenbilanz ein gutes Jahr nach der Eröffnung der ersten Filiale im neuen Look lässt Kampa sich nur entlocken: "Sehr gut; die typischen KPIs konnten wir steigern, z.B. die Besucherfrequenzen und den durchschnittlichen Kundenbon."

In das neue Tedi-Konzept sind auch Erfahrungen eingeflossen, die Black.de gesammelt hat, ein anderes, erst 2016 lanciertes Filialkonzept aus dem Reich von Heinig. Black.de zeichnet sich durch ein breiteres Sortiment auf großen Flächen aus und galt als Reaktion auf die Expansion von Action. Mittlerweile ist es aber Geschichte. Ende 2017 erklärte Tedi, die rund 50 Filialen von Black.de zu übernehmen. Noch auf der Expo Real 2017 suchte Black.de ebenerdige Ladenlokale ab 800 m². "Gern ehemalige Lebensmittelmärkte oder Fachmarktzentren, an Ausfallstraßen oder frequenzstarken Lagen", stand in einer Präsentation zu lesen.

Kampa bestätigt, dass Black.de "u.a. als Reaktion auf den Markteintritt von Action gestartet" wurde. Black.de sei "schon damals von den Kunden sehr angenommen" worden. Den Grund dafür, dass die Marke nicht in ursprünglicher Form bestehen blieb, beschreibt Kampa so: "In Anbetracht des Erfolgs von Black.de haben wir die Chance ergriffen, die elementaren Bausteine des Konzepts für die eigene Unternehmensentwicklung zu nutzen und das Beste aus den Konzepten von Tedi und Black.de zu vereinen. Wir haben gemerkt, dass wir mit den Erfahrungen von Black.de noch schneller, besser und vielfältiger werden können."

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