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Märkte | 25.10.2018

Aus IZ43/2018, S. 5

Von Christine Rose

In diesem Artikel:

Mikro-Anbieter kreieren weitere Produkte

Quelle: International Campus AG
International Campus expandiert weiter im Ausland. Das Zimmer könnte überall sein, findet sich aber in dem Anfang Oktober eröffneten Haus in Wien.

Quelle: International Campus AG

Am Anfang waren die Studentenwohnungen. Es folgten Mikroapartments, später Serviced Apartments. Um zu wachsen, erweitern Anbieter von kleinen Wohnungen ihre Produktpalette um Minis für Senioren und um Wohngemeinschaftsflächen, sie expandieren ins Ausland und kombinieren Mikrowohnen mit Coworking.

Alle Sitze des Innovation Forums auf der Expo Real waren belegt, hinten auf den Holzbänken gab es keinen Platz mehr, viele Zuhörer standen. Es ging ums Thema Mikrowohnen.

Die Kleinen gewinnen im Investmentmarkt zunehmend an Bedeutung. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden laut CBRE hierzulande Studentenwohnungen und Mikroapartments für 1,6 Mrd. Euro gehandelt - das waren 1 Mrd. Euro mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Längst hat sich das Angebot aufgefächert, Zielgruppe sind nicht mehr nur Studenten, sondern auch Berufseinsteiger, Pendler, Alleinlebende. Und es geht weiter. Die Entwickler GBI und i Live wollen in Kürze auch Mikro für ältere Menschen bieten. Die Idee gibt es bei GBI schon länger. Im kommenden Jahr wollen sie Nägel mit Köpfen machen. "Wir werden uns herantasten", sagt GBI-Vorstandssprecher Reiner Nittka. Will heißen: Erst einmal mit seniorengerechten Häusern und betreutem Wohnen starten, Pflegeheime sind derzeit kein Thema. Sie seien im Gespräch mit einem Entwickler, sagt Nittka. "Er hat Erfahrung, Projekte und Planer."

Auch i Live bastelt derzeit an einem Mikro-Konzept für Senioren. Zielgruppe sind die Rüstigen, die sich alleine fühlen, weniger Wohnraum möchten, viel auf Reisen sind. Das Pilotprojekt soll in Aalen, dem Firmensitz des Entwicklers, entstehen. Über ein Grundstück werde derzeit verhandelt, sagt Pressesprecher Martin Kraft. Geplant ist, zwischen 28 m2 und gut 40 m2 große Apartments hochzuziehen. Wie bei bisherigen Projekten soll es Gemeinschaftsflächen geben, will i Live einen Kümmerer ("Community-Manager") einsetzen und per Smartphone-App Bewohner miteinander und mit dem Kümmerer vernetzen. Bereits Erprobtes wie Hühnerställe im Garten und Bienenstöcke auf dem Dach soll auch bei dieser Zielgruppe ausgespielt werden, Neues wie Yogakurse und Haustierbetreuung hinzukommen. Auch an Details wie Wohnwagenstellplätze wird gedacht.

Horst Lieder, Gründer und Chairman bei International Campus, winkt beim Thema Mikro für Senioren ab. "Es würde funktionieren, ist aber derzeit kein Thema." Wachsen will das Unternehmen durch Expansion auch ins Ausland. Auf Deutschland liege nach wie vor der Fokus, sagt er. Aber gebaut werde auch in fünf weiteren Ländern Europas, in Städten wie Amsterdam, Wien, Budapest und Prag. "Und wir schauen uns Hotspots wie Warschau, Madrid, Zürich und Mailand an."

Damit ist International Campus nicht alleine. i Live hat in Wien und Graz insgesamt um die 600 Mikrowohnungen in Planung, in der Schweiz sollen zunächst zwei Immobilien entstehen. Von Wien aus könne es dann weiter in Richtung Italien gehen, erklärt Kraft.

Einen Fuß auf den britischen Mikromarkt hat jüngst der Investmentmanager Corestate gesetzt, indem er für rund 17 Mio. Euro CRM Students übernahm. Das Unternehmen managt ca. 23.000 Betten und ist damit eigenen Angaben zufolge auf der Insel der größte unabhängige Betreiber von Studentenwohnraum. Laut Corestate-CEO Michael Bütter ergeben sich über CRM Investmentchancen an weiteren Hochschulstandorten in Europa.

Corestate will zudem noch eine neue Schiene in Sachen Mikro fahren: Coliving, das Modell Wohngemeinschaft im 21. Jahrhundert. In etwa einem Jahr sollen Projekt- und Finanzierungskonzept stehen, investiert werden soll in den sieben Top-Städten Deutschlands und in Metropolen Europas, beispielsweise in Spanien. Das Grobraster sieht drei bis vier etwa 12 m² bis 15 m² große Zimmer vor, die sich um einen in etwa ebenso großen Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile gruppieren. "Im besten Fall", sagt Investmentdirektor Philipp Rohweder, werden die Zimmer ein eigenes Bad haben. Das heißt, in der Regel teilen sie sich eines.

Als Schmerzgrenze in puncto Miete sieht Corestate für die meisten Städte hierzulande monatlich 600 Euro Gesamtmiete. "Das ist ähnlich wie bei unseren Studentenwohnungen." Allerdings haben die ein paar Quadratmeter mehr. Coliving - weniger Privatheit für mehr Geld? "Nein", widerspricht Rohweder. "Man zahlt mehr für eine aktive Community."

Das ist auch das Argument von Gunther Schmidt, Gründer der Medici Living Group. Der Mann scheint durchdrungen vom Gemeinschaftsgedanken, bezeichnet Medici "in erster Linie als Community- und Tech-Company". Tatsächlich ist das in Berlin ansässige Unternehmen keines aus der Immobilienbranche. Medici Living mietet Immobilien langfristig, um sie dann mit dem Stempel Coliving zu betreiben. Weiterentwickelt wird vor allem die Technik, die App.

Die Immobilienfachleute auf dem Expo-Real-Podium sind vorsichtiger. Horst Lieder sieht das Coliving vor allem als Antwort auf stark gestiegene Mietpreise, die Zielgruppe ist seiner Meinung nach in etwa auf die 17- bis 35-Jährigen begrenzt. "Coliving endet, wenn die Leute Familien gründen oder sesshaft werden." Den Anteil der Nutzer, die aufs Geld schauen müssen, hält er für recht hoch - "was die Zielgruppe ebenfalls begrenzt". Lieders Erfahrung ist, dass viele Kleinwohnungssuchende Privatheit schätzen: ein komplettes Apartment plus Gemeinschaftsflächen im Gebäude. Das bestätigt GBI-Chef Nittka. "Die wenigen WGs in unseren Projekten sind immer, immer erst zum Schluss vermietet." Den WGs spricht Lieder den Sinn nicht gänzlich ab. "Das Konzept hat seine Berechtigung, kommt allerdings nur an wenigen Standorten in Metropolen infrage." Für interessant hält Lieder eine Kombination aus gemeinschaftlichem Wohnen und Coworking. "Es gibt in Europa eine Handvoll Städte, in denen eine große Schnittmenge zwischen Coliving und Coworking besteht. Dazu zählen Berlin, Hamburg oder Krakau, wo viele gut ausgebildete Gründer, Start-ups und Kreative zusammenkommen."

Mit dem Konzept, Wohnen und Arbeiten stärker zusammenzurücken, steht er als Unternehmer nicht allein: Jüngst ist Art-Invest Real Estate, eine Beteiligung der Zech-Gruppe, bei i Live eingestiegen. Gemeinsam will man ein Teilstück des Expo-2000-Geländes in Hannover zu einem Campus mit Büro- und Coworkingflächen, Nahversorger und Gastronomie ummodeln. Dazu geplant ist ein Neubau mit 400 Mikrowohnungen.

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