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Unternehmen | 18.10.2018

Aus IZ42/2018, S. 11

Von Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

"1.200 bis 1.400 Quadratmeter bleibt Zielgröße"

Mehr Verkaufsfläche dank sparsamerem Flächenverbrauch: Mit seinen Metropolfilialen macht Discounter Lidl sich selbst und die Kommunen glücklich. Denn Lidl baut Wohnungen, wenn's dem Kerngeschäft dient, erläutert Alexander Thurn, Geschäftsleiter Immobilien Lidl Deutschland.

Quelle: Lidl
Parken unten, Einkaufen oben: So verdoppelt Lidl die Verkaufsfläche einer Frankfurter Filiale.

Quelle: Lidl

Immobilien Zeitung: Wohnen auf dem Supermarkt ist zurzeit ein großes Thema. Die Städte und die Politik wünschen sich mehr Wohnungen - am liebsten "bezahlbare" - und die Lebensmittelhändler hoffen darauf, leichter bzw. überhaupt noch Baugenehmigungen zu erhalten, wenn sie Wohnungen mit bauen. Viele namhafte Lebensmittelhändler sind schon auf diesen Zug aufgesprungen. Welche Rolle spielt der Wohnungsbau als "Beimischung" für Lidl?

Alexander Thurn: Eine Filiale mit Wohnungen zu kombinieren, ist für uns nur einer von vielen Bausteinen der Expansion. Und: Diese Möglichkeit bietet sich nur für dicht besiedelte Stadtteile von Metropolen an. Die meisten Standorte und Lagen kommen dafür nicht infrage. Eine flächendeckende Lösung ist Wohnen auf dem Supermarkt für uns deshalb nicht.

IZ: In welchen Städten macht dieses Konzept denn überhaupt Sinn?

Thurn: In den sieben Metropolregionen Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Stuttgart. An der Mainzer Landstraße in Frankfurt z.B., wo wir eine bestehende Filiale durch einen Neubau mit Wohnungen ersetzen, hat sich das Umfeld stark verdichtet. Diese Kombination ist aber auch in den sieben Top-Städten nicht für jeden Stadtteil geeignet. Und Bahngleise oder laute Verkehrsstraßen z.B. verhindern solche Konzepte ohnehin von vornherein.

IZ: Wie viele Wohnungen hat Lidl bzw. haben Partner schon im Rahmen von kombinierten Projekten gebaut? Wie viele befinden sich in der Planung oder im Bau?

Thurn: Wir haben eine ganze Reihe dieser Standorte in Vorbereitung. Das braucht aber einen Vorlauf von zwei bis fünf Jahren: Die Genehmigungszeiten sind länger, und die Bauzeit verlängert sich auch deutlich von sechs, sieben Monaten auf bis zu zwei Jahre.

IZ: Wovon hängt es ab, ob Lidl selbst Wohnungen baut oder dies Projektentwicklern bzw. Bauträgern überlässt?

Thurn: Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa die Größe des Vorhabens sowie die Lage, Beschaffenheit und Eigentumsverhältnisse des Grundstücks. Die Zusammenarbeit mit Investoren bietet sich vor allem auch bei Bürogebäuden oder Hotels an, so wurde zum Beispiel unsere Filiale mit Hotel in der Hamburger Holstenstraße von einem Investor gebaut.

IZ: Zu welchen Mietpreisen vermietet Lidl Wohnungen, z.B. bei dem Projekt in Frankfurt? Bei Lidl denkt man eher an günstige Preise - gilt das auch fürs Wohnen?

Thurn: Natürlich wollen wir ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, aber der Mietpreis hängt immer auch von der Lage und der Ausstattung ab; von den Auflagen, die eine Stadt z.B. zum Lärmschutz macht, und der Entwicklung der Baukosten, die zuletzt extrem gestiegen sind. Bei aufgeständerten Objekten mit Parkplätzen im Erdgeschoss und der Verkaufsfläche darüber ist auch die Statik ein Thema. Wird eine Tiefgarage mitgebaut, fällt das natürlich ins Gewicht.

IZ: Wie teuer vermietet Lidl denn die 40 Wohnungen auf dem Grundstück an der Mainzer Landstraße im Frankfurter Gallusviertel, die dort nach dem Abriss einer alten Lidl-Filiale entstehen? Die restlichen 70 Wohnungen in einem separaten Gebäude wird ja die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG bauen.

Thurn: Das kann ich Ihnen derzeit leider noch nicht sagen, weil wir dafür noch nicht weit genug mit diesem Projekt sind.

IZ: Können Sie sich vorstellen, auch reine (Miet-)Wohnungsprojekte zu realisieren, also ohne Lebensmittelmarkt?

Thurn: Derzeit nicht, da wir unserem Kerngeschäft als Lebensmittelhändler treu bleiben wollen.

IZ: Werden bestehende Lidl-Märkte jetzt grundsätzlich auf ihre Eignung für eine Überbauung mit Wohnungen hin geprüft?

Thurn: Nein, es geht uns nicht darum, möglichst viele Wohnungen zu bauen, sondern attraktive Standorte zu entwickeln, um die Versorgung mit Lebensmitteln so gut wie möglich zu gewährleisten.

IZ: Statt immer größerer Flächen eröffnet Lidl jetzt wieder kleinere Märkte mit noch 600, 700 m² Verkaufsfläche.

Thurn: Das machen wir aber nur im Einzelfall, und auch nur in bestimmten Lagen von Großstädten - z.B. Berlin, Hamburg oder München -, wo Flächen knapp und teuer sind. Unsere Zielgröße bleibt 1.200 bis 1.400 m².

IZ: Wie viele von solchen kleinen Filialen hat Lidl denn in jüngerer Vergangenheit eröffnet?

Thurn: Dabei handelt es sich nur um einzelne Standorte. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel unsere Filiale in Düsseldorf-Flingern Nord eröffnet.

IZ: Gilt das gleichermaßen für das neue Konzept mit Parken im Erd- und Einkaufen im Obergeschoss? Sind auch solche Märkte nur etwas für Frankfurt, Hamburg oder München?

Thurn: Im Prinzip ja. Aufgeständerte Filialen sind etwas für Standorte, wo der Platz nicht für eine ebenerdige Filiale mit Parkplatz reicht. Zahlen kann ich hier noch nicht nennen.

IZ: Wollen Sie in großem Stil Märkte mit großzügigen Parkplätzen abreißen und durch Gebäude mit Parken im Erdgeschoss und Einkaufen im ersten Stock ersetzen?

Thurn: Auch aufgeständerte Filialen sind nur einer von vielen Bausteinen unserer Expansion. Sinn macht das nur in dicht besiedelten Teilen von Metropolregionen. Für Standorte, an denen der Kunde bequemer in einem anderen Markt einkaufen kann, eignet sich dieses Konzept nicht.

IZ: Können Sie sich vorstellen, sich künftig öfter in Shoppingcentern niederzulassen? Viele Center gelten als problembehaftet, für manche Filialisten läuft es nicht gut. Da könnten sich schöne Chancen ergeben.

Thurn: Wir stellen nicht fest, dass eine Schwemme von Mietangeboten für Shoppingcenter auf den Markt kommt. Aber: Ja, solche Angebote kommen jetzt schon öfter auf den Tisch. Wir prüfen sie natürlich.

IZ: Klingt nicht besonders euphorisch. Die Vermieter dürften zurzeit ziemlich verhandlungsbereit sein.

Thurn: Es ist nicht einfach, eine Filiale in einem Center zu betreiben. Die klassischen Umlagen z.B. für den Centermanager oder das Werbebudget treiben die Kosten in die Höhe und machen solche Standorte im Vergleich mit Stand-alone-Standorten oder Fachmarktzentren zunächst weniger attraktiv.

IZ: Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

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