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Digitales | 18.10.2018

Aus IZ42/2018, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Personen:
    Ulrich Schüppler

Mein Proptech, mein Hofnarr

Die Immobilienwirtschaft schielt ängstlich auf einen technologischen Wandel, der mit ihren Grundüberzeugungen über Kreuz liegt. Sie sollte lernen, den Proptechs besser zuzuhören, sagt IZ-Redakteur Ulrich Schüppler. Selbst wenn sie diese bisher eher als Show sieht.

Quelle: Immobilien Zeitung
Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung

Das Verhältnis der Immobilienwirtschaft zur Digitalisierung ist hochgradig paradox: Nahezu jeder dritte Messebesucher schaute während der Expo Real im Innovationsforum vorbei. Andererseits belegen die von Verbänden und Beratern fleißig unters Volk gestreuten Digitalstudien, dass nur ein winziger Teil der Immobilienunternehmen den Wandel wirklich anpackt. Das Gros erkennt die Notwendigkeit zur Veränderung, steht aber passiv am Spielfeldrand und wartet ab. Die Technologien seien noch nicht ausgereift und es fehle an Fachkräften zur Umsetzung, meinen die einen. Die Branche bräuchte dringend einen Kulturwandel, sagen die anderen. Ich denke, der wahre Grund ist schlicht Angst.

Da ist erstens die Angst vor dem Bedeutungsverlust, denn mehr Daten bedeuten eine größere Transparenz und damit die Entwertung von Herrschaftswissen. Es braucht ja keine intimen, jahrzehntelangen Marktkenntnisse mehr, wenn die gleiche Information für jedermann in einer Datenbank zugänglich ist. Zweitens gibt es die Angst vor Kooperation mit dem Mitbewerber. Immobilienunternehmen denken territorial: Wer einen Standort oder ein Objekt erobert, fühlt sich als Gewinner. Die Digitalökonomie lebt hingegen vom gedeihlichen Austausch ebenso wie vom Wettbewerb: Niemand kann alles alleine schaffen, es braucht gemeinsame Datenstandards und offene Schnittstellen. Diese Denkweise ist dem Immobilienmenschen noch sehr, sehr fremd.

Drittens, und das ist die schlimmste der drei, gibt es die Angst vor dem Unfertigen. Software wird heute agil entwickelt, das heißt, sie ist im Grunde nie fertig. Sie entsteht in einem ewigen Ping-Pong-Spiel zwischen Kundenwünschen und den Grenzen des Machbaren. Es gibt bereits mutige Versuche, dieses Prinzip auf das Innenleben einer Immobilie anzuwenden. Die technische Ausstattung würde sich dann ständig wandeln, sie würde im Einklang mit den Bedürfnissen der Nutzer atmen. Wer es hingegen gewohnt ist, Betonklötze in die Welt zu stellen, die für mindestens 30 Jahre im Prinzip gleich bleiben sollen, dem bereitet diese Vision Unbehagen.

Um derlei Ängste in den Griff zu kriegen, ist es für manche heute schick geworden, sich für relativ kleines Geld ein Proptech zuzulegen, so wie sich andere einen Schoßhund anschaffen oder die Herrscher früherer Zeiten ihren Hofnarren hielten. Das muss nicht mal schlecht sein. Denn der Hofnarr war oft der einzige, der ungestraft die Wahrheit sagen durfte. Vor allem, wenn sich der Herrscher allzu paradox verhielt.

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