Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Unternehmen | 04.10.2018

Aus IZ40/2018, S. 36

Von Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

"Manche Baufirmen schlagen 80% auf den Marktpreis drauf"

Quelle: Ratisbona Handelsimmobilien
Bauleiter mit Tablet: Ratisbona setzt voll auf BIM.

Quelle: Ratisbona Handelsimmobilien

Der Projektentwickler Ratisbona Handelsimmobilien baut jedes Jahr 30, 40 Supermärkte für Lebensmittelhändler wie Netto, Rewe oder Edeka. Die Preissteigerungen für Bauleistungen treffen auch uns - aber nicht so hart wie andere, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Schels. Wie Ratisbona den Preisanstieg zu dämpfen und den "Kraftakt", Baufirmen zu finden, zu meistern versucht, verrät Schels im Interview.

Immobilien Zeitung: Herr Schels, Ratisbona baut und revitalisiert zurzeit allein in Deutschland mehr als 30 Lebensmittelmärkte, Nahversorgungs- und Fachmarktzentren. Bis Jahresende wollen Sie alle Objekte an die Mieter übergeben haben. Keine Angst, dass Ihnen der Engpass bei den Baufirmen noch einen Strich durch die Rechnung macht?

Sebastian Schels: Natürlich ist das eine Herausforderung. Die aktuelle Marktphase macht uns stark zu schaffen. Aber wir werden die 30 Objekte definitiv 2018 fertigstellen.

IZ: Die Preissteigerungen für Baustoffe und Bauleistungen sind aber auch bei Ratisbona angekommen, oder?

Schels: Klar kriegen wir das zu spüren, wenn die Preise für Baustoffe in zwölf bis 18 Monaten um bis zu 10% steigen. Und Baufirmen zu finden, ist ein echter Kraftakt geworden; das will ich gar nicht kleinreden. Die Preise für Bauleistungen bei Nicht-Wohngebäuden haben schließlich seit 2010 um bis zu 18% angezogen.

IZ: HBB-Chef Harald Ortner hat unlängst das "Sahnelöffeln" von Bauunternehmen und Gewerken beklagt.

Schels: Die Firmen können sich heute aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten. Das ist ja auch keine Überraschung: Der Bau brummt dank der guten Wirtschaftslage. Es gibt 600.000 genehmigte Bauvorhaben in Deutschland, die noch nicht umgesetzt sind - und die auf eine Baubranche treffen, die die Stellen, die in der letzten Krise gestrichen wurden, noch nicht nachbesetzt hat. Das Durchschnittsalter auf dem Bau treibt uns Sorgenfalten auf die Stirn, es kommen kaum Nachwuchskräfte nach. Der Engpass ist besonders in den Bereichen Rohbau, Elektro und Technische Gebäudeausrüstung groß.

IZ: Welche Blüten treibt diese Situation?

Schels: Viele sehen die Chance, die Preise zu treiben. Manche versuchen ihr Glück und verlangen einen Aufschlag von 80% auf den Marktpreis.

IZ: Vor solchen Versuchen ist Ratisbona gefeit?

Schels: Die Preissteigerungen treffen uns natürlich im Prinzip genauso wie alle anderen.

IZ: Wieso sind Sie dann so entspannt?

Schels: Weil es uns trotz allem gelungen ist, die Preise relativ konstant zu halten.

IZ: Wie denn?

Schels: Über strategische Partnerschaften mit Baufirmen z.B. oder über große Volumina. Außerdem bezahlen wir Rechnungen von Baufirmen immer sofort, sobald sie freigegeben sind. Das hat auch mit einer gewissen Wertschätzung zu tun. Wir begegnen den Handwerkern mit Respekt, weil wir wissen, dass wir ohne sie nicht zum Ziel kommen. Ein Grund ist aber auch BIM: Wir haben uns klar zu dieser Arbeitsmethode bekannt und ernten jetzt die ersten Früchte. Mittlerweile planen wir alle Projekte so. Für die ausführenden Firmen heißt das: Schnittmengen von Gewerken werden besser dargestellt, Kollisionen sind früher abzusehen. Unsere Mitarbeiter sind bereits heute nur noch mit Tablets auf der Baustelle unterwegs. Wenn die Qualität der Unterlagen höher ist, erleichtert uns das die Ansprache im Markt. Ein weiterer Punkt ist unser Riesennetzwerk; das klappern wir für jedes Vorhaben rauf und runter ab.

 Quelle: Ratisbona Handelsimmobilien
Sebastian Schels.

Quelle: Ratisbona Handelsimmobilien

IZ: Haben Sie auch schon Fehlgriffe getan?

Schels: Doch, klar ist es schon passiert, dass wir mit unbekannten Firmen zusammenarbeiten mussten und dabei schlechte Erfahrungen gemacht haben: Wir fuhren wirtschaftlich schlechtere Ergebnisse ein. Und es ist uns auch schon passiert, dass Firmen mitten in der Bauphase insolvent gegangen sind.

IZ: Versuchen Sie auch, die Baukosten im Griff zu behalten, indem Sie billiger bauen?

Schels: Wir feilen ständig mit den Betreibern der Lebensmittelmärkte an Maßnahmen, wie wir Kostensteigerungen dämpfen können.

IZ: Wie habe ich mir solche kostendämpfenden Maßnahmen vorzustellen?

Schels: Wir versuchen, in der Herstellung günstiger zu werden - ohne dass die Immobilie einen Qualitätsverlust erleidet. Die Baubeschreibung gibt da einige Möglichkeiten für Lösungen her, wie man die Preissteigerungen dämpfen kann, z.B. in der Fassadengestaltung, beim Metallbau oder in

IZ: Sie haben also keine Preissteigerungen für Bauleistungen hinnehmen müssen?

Schels: Doch, schon. Die Preise sind in den letzten Jahren auch bei uns zum Teil stark gestiegen. Aber wenn ich mir die Entwicklung am Markt in den letzten drei Jahren anschaue und mit der bei uns vergleiche, sehe ich: In einzelnen Gewerken sind die Preise für uns nur moderat gestiegen oder konstant geblieben; und in einzelnen Gewerken bewegen wir uns sogar unter Marktniveau.

IZ: Können Sie das genauer beziffern?

Schels: Wir beobachten je nach Region und Gebäudetyp unterschiedliche Entwicklungen. Es ist nicht möglich, diese in einer einzigen konkreten Zahl zusammenzuführen.

IZ: Sehen Sie Entspannung am Horizont?

Schels: Nein, ich sehe keine Entspannung auf uns zukommen. Selbst wenn die Konjunktur nachlassen würde, wäre der Druck aufgrund der Vielzahl der anstehenden Projekte weiter groß. Das gilt für die Branche im Allgemeinen wie für uns im Besonderen: Schließlich besteht nicht nur Bedarf an neuen Lebensmittelmärkten; wegen des restriktiven Baurechts und veränderter Kundenansprüche an die Architektur und das Warenangebot ist auch der Bedarf an Revitalisierungen groß.

IZ: Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, einen eigenen Bautrupp aufzustellen, um unabhängiger vom Marktgeschehen zu werden?

Schels: Ja, darüber gesprochen haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder. Aktuell ist da aber nichts konkret. Dafür bilden wir mittlerweile aber selbst aus. Da versuchen wir Abhilfe zu schaffen. Wenn Stellen frei werden, ist es nämlich extrem schwer, sie nachzubesetzen. Bei Stellenausschreibungen kommen nur ganz wenige Bewerbungen rein. Wir stellen also Nachwuchskräfte, sprich: Studienabgänger - Bauingenieure und Architekten - ein und versuchen, sie an das Berufsbild der klassischen Bauleiterfunktion heranzuführen.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Harald Thomeczek.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!