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Digitales | 04.10.2018

Aus IZ40/2018, S. 17

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

"Heutige Gebäude gehen an den Bedürfnissen vorbei"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Coen van Oostrom hat sich der Entwicklung smarter und nachhaltiger Gebäude verschrieben.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Technologie hat Nachhaltigkeit als Thema keineswegs verdrängt, findet Coen van Oostrom, Chef von Edge Technologies. Erst durch die Verknüpfung von Technik, Nachhaltigkeit und Design können seiner Ansicht nach Gebäude entstehen, in denen sich Menschen gerne aufhalten.

Alle reden von Proptech, Nachhaltigkeit scheint kein großes Thema mehr zu sein. Doch das täuscht, meint Coen van Oostrom, der sich entschlossen hat, mit seiner Firma Edge Technologies nur noch Gebäude zu entwickeln, die smart und nachhaltig zugleich sind. "Nachhaltigkeit hat sich keineswegs erledigt", sagte van Oostrom Mitte September auf der Future Proptech in Berlin. Sowohl die Mieter als auch die Städte seien jedoch bisher weitgehend ahnungslos, wenn es darum gehe, wie smarte Gebäude heute aussehen können. Es kommt laut van Oostrom daher darauf an, selber funktionierende Konzepte zu erarbeiten und diese aktiv anzubieten. Dazu müsse der Entwickler jedoch genau wissen, wie viel der potenzielle Mieter für zusätzlichen Komfort zu zahlen bereit sei. Lohnen würde sich das allemal, denn gesundes Raumklima bedeute zufriedenere und damit produktivere Mitarbeiter.

Am klassischen Bürogebäude lässt der Smart-Building-Spezialist jedenfalls kein gutes Haar: "Büros sind nicht mehr für die Art und Weise geeignet, in der Menschen heute arbeiten wollen." Erst aus dem Zusammenspiel zwischen nachhaltigen Materialien und Energieerzeugung, technischer Unterstützung und klugem Design entstehe ein Gebäude, in dem sich Menschen wohlfühlen, ergänzt van Oostrom. So werden bei den Baumaterialien immer noch zu viele Stoffe verwendet, die zwar gesetzlich erlaubt sind, deren langfristige gesundheitliche Auswirkungen jedoch nicht feststehen und deren Wiederverwertbarkeit keineswegs gesichert ist.

Energie wird im Gebäude der Zukunft in Form von Wärme und Strom aus dem Tageslicht gewonnen, das durch die Fenster strömt. Edge Technologies setzt dazu auf die Expertise des ebenfalls niederländischen Start-ups Physee, das entsprechende Verglasung entwickelt hat. Spätestens bei der Steuerung von Licht und Luft im Gebäude kommt dann auch die Elektronik ins Spiel. "Der Mensch ist aus der Natur ein breites Lichtspektrum und eine Veränderung der Beleuchtung im Tagesablauf gewohnt", erläutert van Oostrom, "kaltes, gleichbleibendes Licht wirkt sich daher störend auf das Wohlbefinden aus." Klimaanlagen, die nicht per Sensor auf die Raumbelegung reagieren, hält der Edge-Chef ohnehin für einen Anachronismus. "In einer voll besetzten Vorstandskonferenz erreicht die CO2-Konzentration ohne Gegensteuerung nach wenigen Stunden Werte, die physiologisch einem Genuss von zwei bis drei Gläsern Alkohol gleichkommen. Kein Wunder, dass Politiker und Konzernlenker oft so schlechte Entscheidungen treffen", fügt er schmunzelnd hinzu.

Durch gutes Gebäudedesign und intelligente Sensoren lassen sich die Raumbelegung in einem Bürokomplex effizienter gestalten und gleichzeitig der Energiebedarf optimieren. "Im neu entwickelten Unilever-Verwaltungsgebäude in New Jersey haben wir die Belegung verdoppelt und die CO2-Emission gleichzeitig um die Hälfte verringert, pro Gebäudenutzer sind das 75% weniger CO2-Ausstoß", sagt van Oostrom. Trotzdem fühlen sich die Mitarbeiter in der Immobilie wohl, denn "richtig designte Gebäude können Spaß machen". Für die Datensicherheit setzt er auf Spezialisten. So lässt Edge die für den Gebäudebetrieb nötigen Sensordaten durch den Internetriesen Microsoft verwalten, auf lokalen Servern. "Diese Daten werden zu keinem anderen Zweck genutzt als zur Optimierung des Gebäudes", versichert der Edge-Chef.

Im Wohnbestand tut sich ebenfalls etwas bei der Verbindung von smarter Gebäudetechnik und Nachhaltigkeit. Viktor Grinewitschus, Professor an der EBZ Business School, stellte die Allianz für klimaneutralen Gebäudebestand vor, an der neben zahlreichen Energiedienstleistern mehrere Wohnungsgesellschaften beteiligt sind, unter anderem die Schwergewichte LEG und Vonovia. Oft würde schon die richtige Einstellung der Heizungsanlage genügen, um erheblich energieeffizienter zu werden. "Nur kennen die Wohnungsunternehmen die bisher oft gar nicht", sagt Grinewitschus. Um das zu ändern, stellen seit Projektbeginn im Herbst 2016 insgesamt rund 700 Wohnungen in 70 Mehrfamilienhäusern täglich 2 Mio. Datensätze über die Energienutzung zur Verfügung. Per 30. Juni 2018 wurden so an die 13 Mrd. Datensätze zusammengetragen, die nun ausgewertet werden. "Letztlich ist das ein Big-Data-Projekt", fasst der Professor zusammen.

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