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Finanzen | 04.10.2018

Aus IZ40/2018, S. 15

Von Monika Hillemacher

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Schwäbisch Hall, LBS
  • Organisationen:
    Bundesgerichtshof (BGH), Universität Hohenheim
  • Personen:
    Hans-Peter Burghof
  • Finanzprodukte:
    Fonds zur bauspartechnischen Absicherung

Bausparkassen erholen sich

Quelle: Schwäbisch Hall, Urheber: DigiCert Inc.
Mit Baukrediten will Schwäbisch Hall kräftig wachsen.

Quelle: Schwäbisch Hall, Urheber: DigiCert Inc.

Vor gut zwei Jahren überkam die Bausparkassen der große Jammer. Die bodenständige, aber erfolgsgewohnte Branche sah sich in Nöten. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank drückte die Erträge, gleichzeitig kosteten hochverzinste Altverträge zusätzlich Geld. Inzwischen scheint das Schlimmste überstanden. Einen Beitrag zur Genesung steuerte auch der Bundesgerichtshof bei.

Mit der Zustimmung des höchsten deutschen Zivilgerichts vom Frühjahr 2017 dürfen die Bausparkassen sich die aus ihrer Sicht problematischen Altverträge vom Hals schaffen. Zu Tausenden bekamen oder bekommen Kunden seither die Kündigung, wenn sie ihr Darlehen nicht innerhalb von zehn Jahren nach Zuteilung abrufen, sondern wie ein gut dotiertes Sparbuch einfach liegen lassen. Geschätzt 200.000 Verträge sollen betroffen sein. Gemessen an der Gesamtzahl von fast 28 Mio. Bausparverträgen (Stand 2017) klingt das nicht viel. Dennoch hätten die Altverträge in den Büchern der Bausparkassen "einen gewaltigen ökonomischen Schaden angerichtet", stellt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, fest. Setze ein Bausparkunde gezielt auf Zinsspekulationen, komme dies für den Finanzierer dem Totalverlust eines Kredits gleich. Das BGH-Urteil vom 21. Februar 2017 (Az. XI ZR 185/16) bewahrte die Kassen vor dem Schlimmsten, oder wie Burghof formuliert: "Es hat den Bausparkassen den Kragen gerettet".

Die Kassen sind eifrig dabei, die aus dem Urteil resultierenden Eigenkapitalvorteile zu realisieren. Die Kündigung von Altverträgen gehört mittlerweile zum Standardrepertoire. Die LBS Südwest, mit einem Marktanteil von mehr als 40% die größte unter den acht Landesbausparkassen, durchforstet jährlich ihren Bestand. In einer ersten Welle flog 1% der Verträge raus. 2017 kündigte das Institut eigenen Angaben zufolge 6.600 Kontrakte, was 0,3% des Gesamtbestands (2,2 Mio.) entspricht. Zudem versucht die LBS ähnlich wie Badenia, neue Kündigungsklauseln durchzusetzen. Ob dies gelingt, wird erneut der BGH entscheiden, der jüngst das Auflösen bestimmter Bonus-Bausparverträge für rechtens erklärte.

Neukunden schreckt das alles nicht. Nach einer Delle 2017 steigt die Zahl der Abschlüsse wieder. "Es gibt eine Trendumkehr", stellt der Verband privater Bausparkassen fest. Schwäbisch Hall, der Marktführer unter den Privaten, legte im ersten Quartal dieses Jahres 6% zu. Die LBS Südwest zeigt sich "sehr zufrieden mit dem Neugeschäft". Um Problemen wie jenen mit den Altverträgen vorzubeugen, beinhalten neue Tarife keine Sparanreize mehr.

Dass Bausparkassen wieder besser über die Runden kommen, geht auch auf eine veränderte Strategie zurück. Immer häufiger treten sie mittlerweile als ganz normaler Immobilienfinanzierer auf. Sie profitieren von ihrem jahrzehntelang gehegten und sorgsam gepflegten Image des Grundsoliden, dem anscheinend selbst die Kündigungen dauerhaft nicht geschadet haben, und dem hohen Bekanntheitsgrad. Schwäbisch Hall vergab 2017 ein Kreditvolumen von 14,6 Mrd. Euro. Die Schwaben sind damit nach eigener Berechnung die Nummer zwei auf dem Baufinanzierungsmarkt. Im außerkollektiven Geschäft "kann man Geld verdienen. Das ist für das Unternehmen ja nicht schlecht", sagt Burghof - die Bausparkassen entfernten sich nur immer weiter von ihren Wurzeln.

Aktuell läuft es auch auf der Zinsseite rund. Die für das Zinsniveau maßgebliche Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen hat sich leicht erholt. Das nehme etwas Druck aus dem Kessel. Komfortabel sei die Ertragssituation allgemein zwar nicht, so der Verband. Aber manchen geht es besser als anderen: "Ja, ja, wir kommen rum", heißt es bei der LBS Südwest.

Einige Institute peppen den Ertrag mithilfe von Entnahmen aus dem Fonds zur bauspartechnischen Absicherung auf. Zu diesem im Bausparkassengesetz verankerten Instrument greifen offenbar vor allem kleinere Kassen. Manchmal sei das Geld genutzt worden, "um die Bausparkasse wieder auf einen soliden Ertragspfad zu führen", räumt der Verband ein. Andere schichteten in den Topf allgemeine Bankrisiken um und stärkten damit ihr Eigenkapital, um mehr lukrative Baukredite vergeben zu können.

Strukturanpassungen scheinen in der Branche vorerst vom Tisch. Anstelle von Spareffekten produzierten Fusionen wegen der zerfaserten IT- und Tariflandschaft bloß hohe Folgekosten, sagt ein Insider. Dann doch eher die Einnahmen aufpolieren, indem Potenzial ausgeschöpft wird, das bislang wenig oder nicht beachtete Zielgruppen wie Kommunen, WEGs und Vermögende in teuren Ballungsräumen bieten. Großvolumige Finanzierungstarife gibt es bereits.

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